Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

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Theater Basel, Grosse Bühne

"König Arthur"

Semi-Oper von Henry Purcell und John Dryden in einer Neudichtung von Ewald Palmetshofer (Auftragswerk)

Regie: Stephan Kimmig
Musikalische Leitung: Christopher Moulds, Johannes Keller
Bühne: Katja Hass
Kostüme: Anja Rabes
Chor: Michael Clark
Dramaturgie: Juliane Luster, Ewald Palmetshofer

Mit Sarah Brady, Carina Braunschmidt, Mirko Campigotto, Javier Rodriguez Cobos, Elias Eilinghoff, Riccardo Fassi, Vincent Glander, Emanuel Heitz, Steffen Höld, Martin Hug, Hyunjai Marco Lee, Domen Krizaj, Max Mayer, Frank Fannar Pedersen, Raquel Rey Ramos, Nils Rovira-Munoz, Kristina Stanek, Lisa Stiegler, Leela Subramaniam, Michael Wächter

Chor des Theater Basel, La Cetra Barockorchester Basel, Statisterie des Theater Basel


Brokat-Vorhänge und Feinripp-Unterhosen

Siehe, der nackte Mensch. Steffen Höld tritt in Unterhose und Bauchkissen vorne an den Bühnenrand, als ein Mensch, "keinen Namen hat er noch". Er wolle nun erzählen "das, was nicht gewesen ist", erinnern, "was nicht ist". Hinter ihm der bis auf die Mauern leere, halbdunkle Bühnenraum, in den schwere Brokatvorhänge halb herunterhängen, in dessen Seiten Rauchmaschinen bereitstehen; schon oft wurde das Theater als Illusionsmaschine offengelegt.

Aber hier ist es Programm. Denn Hausdramaturg Ewald Palmetshofer hat nicht nur John Drydens "König Arthur" (Uraufführung 1691), in dem die Briten die einstmals verbündeten Sachsen besiegen, grobe Ritterarme zartfühlende Jungfrauen schützen oder einfach nehmen, Heldentum und Vätererbe an höchster Wertestelle stehen, umgeschrieben. Drydens Story erscheint hier in einer radikalen Umwertung, die Sage als zufällig und frei erfunden, als Ansammlung von Männermythen, die dazu geprägt wurden und gefeiert werden, sich weiter in die Zeiten fort zu zeugen.

Am Ende, nachdem gesellschaftliche Hierarchien, Nationalismus, Sexismus bereits verhandelt wurden, beschwört Merlin in einem Monolog den Wert der Gleichheit, geisselt die trennenden Illusionen des "Aussenkrams" wie Götternamen, Lebensweise, Speiseordnung etc. Palmetshofers hat ein Lehrstück geschrieben.

Den König der Sachsen, Oswald, lässt er düster darüber sinnieren, dass die Götter der Väter ihm nie sichtbar erschienen seien, ob man sich da wohl über Generationen hinweg einfach belogen habe. Sein Gegner, König Arthur, schimpft über die "vorgespiegelte Ewigkeit", deren "Hergestelltheit" man bloss vergessen habe, dekliniert die Identität des "Volks" auf das "Feindbild" herunter, zu dem man wenigstens sagen könne "bist nicht wie ich". Ihr letzter Kampf – sie speien sich schreiend mit Blut voll – endet in Ermattung, nicht mit einem Sieg.

Danach muss Arthur es hinnehmen, dass seine geliebte Emmeline ihn vielleicht gar nicht als Partner wünscht. Es sei ja vieles passiert. Von einem Sieger will sie nicht gewonnen sein. Sein Gesicht sei vom Zorn der Kriegstrompete verzerrt. Als Heldin des Stücks reisst sie sich selber die Blindheitsbinden von den Augen, erledigt den Zauberer der Sachsen Guillamar, der sie vergewaltigen will, indem sie ihn an seiner schwächsten Körperstelle packt.

Palmetshofer gelingt es, das Elend des Kriegs herauszukehren, das Elend des Männlichkeitswahns auszuloten, das üblicherweise vom höfischen Glanz, von einer bezweifelbaren Ritterlichkeit, von Purcells Barock-Schönklang überdeckt wird. Würde aber nicht gelegentlich zum grossen Spass des Publikums der leicht verwirrte und ängstliche Luftgeist Philidel über die Szene trippeln, um etwa mit dem Erdgeist Grimbald zu kämpfen, geriete die Diktion des Stücks bocksteif. Trotz ironischer Brechungen oder flapsiger Ausfälle ("Fuck!"), die dem Gelächter dienen. Die kunstvoll gebaute Lyrik, die im durchgehaltenen Stil wenig dynamische Ausschläge kennt, wirkt zuweilen gestelzt und unbeweglich.

In seiner ersten Basler Inszenierung verwirrt Stephan Kimmig jeden Begriff einer gefestigten Bühnenrealität, etwa in dem er in Schichten Vorhänge runterfahren und aufziehen lässt, und so stets neue Räume bildet. Eine Tänzergruppe imitiert zappelnd Kriegszitterer oder die Verwundungen auf einem Schlachtfeld, zeigt kostümiert in Feinripp-Unterhose das glanzlos-nackte Leid. Aber immer wieder weiden sich die Sinne auch an Brokat und Purcells Musik, akzentuiert live gespielt vom Basler La Cetra Barockorchester.

Kimmig inszeniert virtuos ein permanentes Ineinander von Sentiment und Diskurs, von Rittersage und deren Brechung, von Hässlichkeit und Schönheit, von damals und jetzt. Aber auch von Realität und Trug. Wenn König Arthur auf das Trugbild von Emmeline trifft: Man ahnt, da stimmt etwas nicht, aber man weiss nicht genau, was. Den Chor der kalten Menschen versetzt er in die Ränge eines Flugzeugs: Das feine Lächeln der Sängerinnen und Sänger im weiss erhellten Licht wirkt schauerlich.

Mit wenigen Ausnahmen hält er sich genau an Palmetshofers Vorlage, und nimmt es, da dessen nahrhafter Text etwa doppelt so lange ist wie Drydens Stück, in Kauf, dass die Aufführung fast vier Stunden lang dauert. Über längere Strecken wird erörternd monologisiert.

So geraten in der Bedeutung Purcells Opernstücke ins Hintertreffen, werden zur gefühlvollen Ausmalung des eh schon dargestellten. Zu den grössten Genüssen des Abends gehört es aber, den Sängerinnen und Sängern nicht nur zuzuhören, sondern zuzusehen: Der feinen und nuancenreichen Noblesse beim Gefühlsausdruck, der ganz absichtslos ist.

14. September 2018
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Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

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"Unser Sport trifft den Zahn der Zeit"

Franz Amann
Vice-Präsident
Rhein-Club Basel
im "Vogel Gryff"
vom 23. Mai 2019
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Gratulation zum Volltreffer der Kategorie Zeit-Zahn.

RückSpiegel


Die Basler Zeitung bezog sich in ihren Artikel über den Baselbieter Fremdsprachen-Streit auf OnlineReports.

In ihrem Bericht über die BVB-Tramblockade an der "Bankverein"-Kreuzung nahm die BZ Basel auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung und das SRF-Regionaljournal bezogen sich in ihren Berichten über das Urteil gegen den Rheinufer-Todesschläger auf OnlineReports. 

Die Basler Zeitung äusserte sich in einer Gerichtsberichterstattung über einen "Sexverbrecher" (so die BaZ) kritisch über OnlineReports.

Telebasel und die Basler Zeitung bezogen sich in ihren Berichten über das Bordell in der Schillerstrasse auf einen OnlineReports-Bericht.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung, 20 Minuten, die Nachrichtenagentur SDA, das SRF-Regionaljournal und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über den Unfall an der Parking-Baustelle beim Kunstmuseum auf.

Die OnlineReports-Recherche über die Zukunft des Basler "Viertel-Kreis" wurde von der Gundeldinger Zeitung aufgenommen.

Die Nachrichtenagentur SDA nahm die OnlineReports-News über die Berufung im Fall des pädophilen Sekundarlehrers auf.

Die OnlineReports-Nachricht des Todes von Hannes Bertschi wurde von der Basler Zeitung, für die der Verstorbene auch gearbeitet hat, aufgenommen.

Die BZ Basel, Telebasel, das Regionaljournal, die SDA und die Basler Zeitung zogen die OnlineReports-Recherche über den Verzicht auf den Bau eines Forschungszentrums beim Basler Augenspital nach.

Telebasel, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen den OnlineReports-Primeur über die Massenkündigung von Mietern der Hochhäuser am Basler Schorenweg auf.

In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).

Anna Holm wird Präsidentin der Juso Baselland, Jasmine Bosshard und Noam Schaulin firmieren als Vizepräsidium.

• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.