Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

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Theater Basel, Schauspielhaus
Premiere

"Urfaust"

Mit einem Prolog von Ann Cotten

Autor: Johann Wolfgang von Goethe
Inszenierung: Nora Schlocker
Bühne und Kostüme: Marie Lotta Roth
Dramaturgie: Katrin Michaels
Musik: Benedikt Schiefer
Licht: Roland Edrich

Mit Liliane Amuat, Elias Eilinghof, Nicola Mastroberardino, Lisa Stiegler, Max Rothbart, Myriam Schröder, Florian von Manteuffel, Michael Wächter

Musiker: Jérôme Lepetit, Lukas Rickli, Benedikt Schiefer, Samuel Wettstein


Die Moritat vom armen Gretchen

Und sind so klug als wie zuvor, möchte man mit Fausts Worten nach den zweieinhalb Theaterstunden sagen. So antwortlos wie ein Totentanz, wo der Tod halt jeden mit sich nimmt, und so mechanisch wie ein Uhrwerk tickt sich auf der Bühne das Drama des armen Gretchens ab, die der Gelehrte Heinrich Faust verführt und die als Kindsmörderin im Kerker endet. Hat es notwendig zum Drama kommen müssen?

Regisseurin Nora Schlocker zeigt das Stück als Moritat, und die hat keine Moral. Sie schockt und schauert mit Fallhöhen, das ist ihr Zweck und Ziel: hier der Teufel Mephisto, da das gottesfürchtige, arglose Mägdlein, und dazwischen Faust, der den Pakt mit dem Teufel eingeht, ihn heranzieht, um das Gretchen zu kriegen. Einfach, weil sie ihn erregt. Jedes Angebot zu weiterer Erklärung vermindert da nur die Spannung, so vielleicht die Rechnung von Regie und Dramaturgie. Sie geht auf. Weil Goethes Witz trägt und der Spannungsbogen bis zur Katastrophe eisern hält. Ab der Mitte zieht die Geschichte zuverlässig an.

Der Raum scheint wie aus einem bösen Traum, hergerichtet wie für die ewige Strafe: ein alter Saal, hermetisch abgeschlossen, ohne Fenster oder Türen, schmucklos, muffig, hoch oben ein Spiegel, der die Insassen zu observieren scheint. An der Wand hängt einzig Holbeins toter Christus von 1521 mit seiner Frage: War das Gott oder ist das nur ein toter Mensch? Aus dem Bildrahmen nestelt Faust ein Giftfläschchen. Mephisto wird ihn wieder zum Leben erwecken. Diese Regie-Erfindung verwurzelt das Drama in altem Vorbestimmungs- und Magieglauben.

Denn an den Ursprung wollten Regisseurin Nora Schlocker und Dramaturgin Katrin Michaels anschliessen: das späte Mittelalter mit seiner Dunkelheit. Immer wieder Schwarzabblenden, immer wieder Dämmerlicht oder Kerzenschein. Zum Drama dröhnen wüstdunkle oder versunken-psychedelische Harmoniumsklänge. Dreht sich die Bühne, so klingt der mechanistische Kirmes-Dreiviertel an: auf Jahrmarktsbuden, so wird angenommen, hat Goethe in jungen Jahren Marlowes düster-komödiantisches Faustdrama von 1589 gesehen, über den Höllensturz des sagenumwobenen, deutschen Schwarzkünstlers (1480-1538). Sie könnte ihn zu seinem "Urfaust" von 1775 inspiriert haben, der weit volkstümlicher, obszöner und derber als die geschliffene Endversion von 1808 verfasst ist.

Nicola Mastroberardinos Mephisto tänzelt und räkelt sich wie der Tod im Totentanz, anfangs ein verdorben-geiler, aber hübscher Jüngling, gegen Ende mit einer Clown-Fratze geschminkt wie der Batman-Antipode "Joker". Ein toller Teufel, wenn auch mit viel Zungeneinsatz und dick aufgetragener Geisterbahn-Monströsität. Ideal besetzt ist die ordinär-lustfreundliche Kupplerin Marthe Schwertlein mit Myriam Schröder, die sich nicht mit intellektuellen Absetzungen aufhält.

Lisa Stiegler spielt das Gretchen wie eine etwas verschrobene Dorfmagd mit beschränktem Intellekt. Sie rührt nur an beim Monolog "Ach neige, Du Schmerzensreiche", in dem sie nach der Verführung der Muttergottes ihre Not vorlegt. (Weshalb sie den an einen mit Blumenerde gefüllten Kessel richten muss, bleibt das Geheimnis der Regie.) Zwar bleibt die Verkörperung zu mental-spröde, um den keuschen Hochmut Gretchens herauszustellen, der mit zur Krise beiträgt. Aber der burschikose Charme einer ehrlichen Haut weckt immerhin soviel Anteilnahme, dass man sich fragt, warum der Abend eigentlich nicht "Gretchen" heisst.

Denn Max Rothbarts Faust ist blass, kraftlos und austauschbar. Die innere Zerrissenheit im Eingangsmonolog "Habe nun ach": eine Behauptung. Da eine spastische Zuckung, dort ein Herausbrüller, damit es nicht zu langweilig wird. Da ist nichts, was der Moment gebiert, und die Figur und ihr Seelenleben aufweist, sondern nur Text, getreulich aufgesagt. Ein Mann ohne Eigenschaften, aber auch ohne Sogwirkung, ein Stellvertreter für eine Problemstellung, die aber doch bei Faust zu individuell angelegt ist. Von der Polarität zwischen dem Schwermütigen (Faust) und der Empfindsam-Naiven (Gretchen) kann keine Rede sein. An dieser Figurenanlage liegt es, dass man das Stück mehr verfolgt als dass man das Drama dabei erlebt.

Aber vielleicht ist das ja gewollt. Die Dramaturgie hat dem Stück einen Prolog der Autorin Ann Cotten vorangestellt. Das Gretchen – im Morgenmantel – spricht als 35-Jährige davon, dass Millionen Gretchens dieser Welt Goethes Verse gelesen und sich "gepanzert" hätten. Und dass die Heinrichs nur mehr "kläglich sind", sobald sich auch die Frauen ungehemmt zur Tat bewegten. Denn – trotz allen Bezügen zum Mittelalter – das Stück zeigt die heutige Welt mit verschlossenem Himmel, in dem wir uns nur mehr selber bespiegeln. Und einem von des Gedankens Blässe angekränkeltem Hamlet-Faust, der sich nur scheinbar frei zur Tat bewegt.

21. Oktober 2016
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Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

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Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

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"In der Elsässerstrasse kam es zu einem Unfall mit Salzsäufer."

BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
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Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.