Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 101 | 102 | 103 | 104 | 105 | 106 | 107 | 108 | 109 | 110 | (...) | 160 ] >>

Theater Basel, Kleine Bühne
Uraufführung

"Das war ich nicht"

Autor des Romas: Kristof Magnusson
Bühnenfassung und Regie: Ronny Jakubaschk
Bühne und Kostüme: Matthias Koch
 
Mit Inga Eickemeier, Andrea Bettini, Bastian Heidenreich


Der Kindergarten der einsamen Kinder

Heute hat die SP Basel-Stadt eine Motion eingereicht, mit der sie das Schreien der Kinder (als Geräusch) gesetzlich schützen will, und ebenfalls heute war dramatische Uraufführung des dieses Jahr erschienenen Erfolgsromans "Das war ich nicht" auf der Kleinen Bühne.

Im tosenden Applaus, der gar nicht mehr enden wollte, verneigte sich der isländisch-deutsche Romanautor Kristof Magnusson (1976), der eigens zur Premiere angereist war, sichtlich stolz und gerührt vor dem Basler Publikum. Der Romantitel des 34-Jährigen legt es nahe, dass es um schuldbewusste Kinder geht, die etwas angestellt haben, das grösser und vor allem schlimmer ausging, als sie es sich zu Beginn gedacht hatten. Was hat der SP-Vorstoss mit der Premiere zu tun?
 
Im Roman lässt Magnusson den jungen Börsenhändler Jasper Lüdemann (Heidenreich) eine weltweite Bankenkrise auslösen (das Buch habe Magnusson "davor" geschrieben). Er schlittert da so rein. Zuerst sind es ein paar falsch eingebuchte Tausender, deren Eingang er mit Spekulationen "korrigieren" will. Bankinterne Sicherheitsschranken lassen sich überschummeln. Die Chef-Etage guckt heimlich zu, gibt ihm Boni. Am Ende sind es Milliarden Schulden. Der Rest ist das Domino der Börsenwelt: Seine Bank fällt, die anderen fallen auch. Der Macherwahn im Kindskopf.

Sein Handy-Klingelton ist die hymnische Titelmelodie von "Star Wars". Sein Lebensentwurf: "Bestimmt gibt es auch eine Zeit für das Privatleben. Frau. Kind. Später. Ich war erst 31. Zwischen dreissig und vierzig muss man brennen." Brennen naturgemäss für Geld, Hierarchie und Börsen-Feuerwerk. Wie seine Lage dagegen seelisch ist, zeigt sich, als er sich zufälligerweise im Schneetreiben auf dem Balkon aussperrt. Im 38. Stockwerk. Bei Null Grad. Barfuss. Im T-Shirt. Ohne Blackberry. Keine Chance, dass ihn da jemand entdecken könnte. Retten sowieso nicht, denn Jasper ist hundeallein.
 
Hundeallein und genauso ruhmgetrieben ist die Roman-Übersetzerin Meike Urbansky (Eickemeier), die eigens nach Chicago jettet, um den berühmten Belletristiker Henry LaMarck zu treffen. Auch sie will den fetten Fisch: Den "ersten Jahrhundertroman" des Pulitzerpreisträgers über den "11. September" will sie übersetzen – und sich damit ewig machen.

Aber Henry LaMarck (Bettini) hat gar kein Interesse an der jungen Göre, die ihm schon beim letzten Roman zu viele Fragen stellte. Er will den jungen Jasper. Dessen Jugend soll den 60-Jährigen nochmals zum schriftstellerischen Kraftakt antreiben, über die 9/11-Katastrophe mit dem starken Sinnbild für den Zusammenbruch der westlichen Zivilisation zu schreiben: "Von innen her" mit dem Bild des "Business-Boy" vor den (verliebten) Augen. Von innen her ist auch LaMarck ein verlorener Junge, der die monumentale Roman-Idee, nur um sich wichtig zu machen aus tiefsten Mindergefühlen, in einer Radio-Talkshow mit Elton John fallen liess. Und auf diesen Furz hatte Übersetzerin Meike ihr Leben eingestellt.
 
Magnussons Roman zeigt den heutigen Kindergarten der vereinzelten Kinder, die Generation "Elternlos und Nie-Erwachsen". Klappt etwas nicht, dann heult Meike und Jasper ruft Mami an. Denn emanzipiert, lebenstüchtig, eigenständig, nicht so "bürgerlich"/langweilig wie die anderen sind sie nur im Eigenbild, das sie vor sich her und vor die Augen der Welt tragen. Anstelle von Inhalten geht es nur um grosse Namen: Henry LaMarck, die UBS, Elton John.

Die Selbstverwirklichung ist affektierte Show: Drei übermenschengrosse Spiegel auf Rollen hat Matthias Koch auf die Kleine Bühne gestellt, und die drei Helden drehen sich mit ihnen um die eigene Achse – im Kreis. "Trust" (Vertrauen) hängt in dicken Lettern über der Bühne, aber gemeint ist damit der "Wirtschafts"-Trust: "Zusammenschluss mehrerer Unternehmer unter Aufgabe ihrer wirtschaftlichen und rechtlichen Selbständigkeit" (Wikipedia). So stehen die drei Menschen auch am Ende zu einander: Sie fliehen vor der Polizei in Meikes Abbruch-Hütte nach Deutschland. Ein (wohl unrealistisches) Reduit. Die Periferie als (geträumter) Paradiesgarten. Ein Märchenschluss? Oder weil zu einem anderen Ende die technische Fertigkeit fehlte?
 
Zum Thema "Egotrip der Vereinzelung" stimmt es, dass die Dramaturgie der Roman-Erzählform treu blieb und Heike, Jasper und Henry auf der Bühne immer von "ich" erzählen. Zwar unterschlagen sie dabei kritische Einschätzungen nicht, aber gemeinsam ist allen, dass sie dazu keine Gefühle zeigen: Es gibt keine Bewertung. Heidenreich (Jasper) hechelt mit hängender Zunge auf der Bühne herum, wenn er all die Börsen-Schummeleien wieder korrigieren will: kein grinsender Abzocker, eher ein Sklave des Systems. Eickemeier (Heike) begeistert sich über jeden ihrer Schritte so heftig, dass sie vorzeitig zur Schrulle altert. Und Bettini (Henry), der mit seinem Verlag Verstecken spielt und vom zweiten Pulitzerpreis träumt, erörtert nur mehr zynisch sein Alter und seine Unfähigkeit, weiter zu schreiben. Wichtig ist allen drei nur: Es muss immer was laufen.
 
Überspitzt könnte man also sagen, drei Kinder, die schreien, die aber in der eigenen Isolation keiner hört. Ob diese eine technokratisch-behördliche Lizenz zum Schreien, wie sie die SP forderte, zu lindern vermag? Und ob die Schrei-Lizenz das Gefühl für Verantwortung gegenüber anderen stärkt? Sicher ist soviel: Magnussons Roman in der aktuellen Inszenierung lädt zum Nachdenken ein.

17. Dezember 2010
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

© Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Erläbed Sie bi eus die 'drey scheenscht Dääg'"

Hotel Basel
Betreffzeile einer Werbe-Mail
vom 20. Februar 2020
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Baseldeutsch für Hotelbasler.

RückSpiegel


Die BZ nahm die OnlineReports-Meldung über die Beton-Elemente auf dem Basler Centralbahnplatz auf.

Die OnlineReports-News über die technische Panne bei Swisslos wurde von der BZ aufgenommen.

In ihrem Bericht über die Bereitschaft zur Regierungskandidatur von Beatriz Greuter zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die BZ online bezog sich in ihrem Bericht über den Tod des Baselbieter Lehrerverbands-Geschäftsführers Michael Weiss auf OnlineReports.

Die Volksstimme zitierte in ihrem Bericht über den Konkurs von "Die Medienmacher" aus OnlineReports.

Telebasel bezog sich im Bericht über den Widerstand gegen die Basler IBA-Rheinterrassen auf einen Bericht von OnlineReports.

Die Basler Zeitung nimmt in ihrem Bericht über den Neujahrs-Empfang der Handelskammer beider Basel auf OnlineReports Bezug.

Die BZ schrieb in derselben Ausgabe zwei OnlineReports-Meldungen ab, ohne die Quelle zu deklarieren. Wiederholungstat!

In ihrem Bericht über Verkehrsprobleme am Aeschenplatz zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des ersten Baselbieter Kantonsgerichtspräsidenten Peter Meier wurde von der BZ, Telebasel, der Basler Zeitung und vom SRF-Regionaljournal nachgezogen.

Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Die 44-jährige Sabine Knosala, die in den letzten sieben Jahren die Redaktion des "Birsfelder Anzeigers" führte, wird als neue Redaktionsleiterin der "ProgrammZeitung" Nachfolgerin von Dagmar Brunner, die Ende Februar in Pension geht.

Die Basler Regierung lehnt ein mit Steuergeldern finanziertes flächendeckendes WLAN ab.

Die Baselbieter Regierung und die Verbände des Lehrpersonals haben sich auf die wesentlichen Eckwerte zum zukünftigen Mitarbeitenden-Gespräch geeinigt.

Baselland Tourismus hat ab Mai 2020 einen neuen Geschäftsführer: Michael Kumli übernimmt dann als Nachfolger von Tobias Eggimann die Leitung der touristischen Dachorganisation.

Die über Funk gesteuerten Sirenen in Basel-Stadt und Baselland haben die Bewährungsprobe bestanden: Das System funktionierte während des Probealarms vom 5. Februar ordnungsgemäss.

Der BVB-Verwaltungsrat hat am 3. Februar den 48-jährigen Bauingenieur und Leiter "Infrastruktur" Ramon Oppikofer zum Vize-Direktor gewählt.

Der 19-jährige FCB-Spieler Noah Okafor wechselt per sofort vom FC Basel 1893 zum FC Red Bull Salzburg in die österreichische Fussball-Bundesliga.

Melanie Nussbaumer, Tochter des Baselbieter SP-Nationalrats Eric Nussbaumer, wird als Nachfolgerin von Kerstin Wenk neue Vizepräsidentin der SP Basel-Stadt.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, das Gesetz "über den unverzüglichen Bau der H2 zwischen Pratteln und Liestal" formell aufzuheben, da es "seinen Zweck erfüllt" habe.

Kilian Winkler wird als Nachfolger von Marco Natoli neuer Präsident der JCVP Basel-Stadt.

Wegen des Baus eines neuen Kreisverkehrs im Schweizer Sektor der Basler Flughafenstrasse wurde eine temporäre Verkehrsumleitung auf der rechten Strassenseite auf der Höhe von dem Parkplatz S4 eingerichtet worden.

Die Gemeinde Riehen spendet 10'000 Franken zugunsten eines Nothilfe-Projekts des Roten Kreuzes für Geflüchtete in Bosnien-Herzegowina.

Ein überparteiliches Komitee hat am 15. Januar bei der Basler Staatskanzlei die Unterschriften für die Initiative "für erschwingliche Parkgebühren" eingereicht.

Urs Bucher wird am 1. August 2020 die Leitung der Volksschulen Basel-Stadt übernehmen und damit die Nachfolge von Dieter Baur antreten, der zum Ende des Schuljahres in Pension geht.

Die 53-jährige Juristin Blanche Gilli ist seit Anfang 2020 neue Präsidentin des Vereins gemeinsame Opferhilfe beider Basel.

Der FC Basel leiht seinen 21-jährigen Innenverteidiger Yves Kaiser bis zum Ende der Saison 2019/2020 an den FC Schaffhausen aus der Challenge League aus.

Knut Schmidtke, Marc Schärer und Lucius Tamm werden per 1. April 2020 die Leitung des in Frick domizilierten Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL von Urs Niggli übernehmen.

Die Baselbieter Grünen reichten am 12. Dezember ihre mit rund 1700 Unterschriften versehene Klimaschutz-Initiative ein, die das Ziel des Pariser Abkommens gesetzlich verankern will.

Die Basler SP-Bürgergemeinderätin Canan Özden tritt auf Anfang 2020 die Nachfolge der zurücktretenden Gabriella Matefi (SP) als Basler Bürgerrätin (Exekutive der Bürgergemeinde) an.

Das Theater Basel konnte im Jahr 2018/2019 die Anzahl der Besuchenden zum vierten Mal in Folge auf 183'705 Personen (+1,6 Prozent) erhöhen, während jedoch die Besucher-Einnahmen um 1,7 Prozent sanken.

Die neue grüne Baselbieter Landrätin Laura Grazioli übernimmt von der frisch gewählten Nationalrätin Florence Brenzikofer das freiwerdende Präsidium der Finanzkommission.

Paola Gallo, die ehemalige Geschäftsleiterin von "Surprise", übernimmt per 1. Oktober 2019 die Geschäftsführung der Job Factory Basel AG und der Stiftung Job Training.

Der 19-jährige Geografie- und Geschichtsstudent Nino Russano wird als Nachfolger von Nicolas Eichenberger neuer Präsident der Juso Basel-Stadt.

Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.