Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 81 | 82 | 83 | 84 | 85 | 86 | 87 | 88 | 89 | 90 | (...) | 158 ] >>

Theater Basel, Schauspielhaus
Uraufführung

"Triptychon eines seltsamen Gefühls"
Dieses eine bombastische

Von Beatrice Fleischlin

Im Rahmen des "Stück Labor Basel"

Regie: Elias Perrig (Bild 1 und 2), Antje Schupp (Bild 3)
Bühne und Kostüme: Beate Fassnacht
Dramaturgie: Fadrina Arpagaus

Mit Andrea Bettini, Inga Eickemeier, Claudia Jahn, Katka Kurze, Barbara Lotzmann, Jan Viethen, Max von Mühlen


Lusttiere mit seltsamem Gefühl

So gestelzt, steril und verschroben hat das Schauspielhaus noch kaum je das Publikum angesprochen: "Triptychon eines seltsamen Gefühls" steht draussen auf grossen Lettern. Rätselraten am Theater Basel? Man möchte sagen: Zeichne das! Soviel vorneweg: Um Liebe, genauer Liebesbegehren, geht es. Dem Aufgebot mochten nicht viele Theaterinteressierte folgen. Nur zu zwei Dritteln füllte sich das Auditorium der Uraufführung.

In der Dunkelheit dann die Stimme (ab Band?) von Barbara Lotzmann: "Knutschen kann man nicht allein. Also suchen wir das Unbekannte, das Fremde, das Verheissungsvolle. Wer mittut in diesem Reigen der Verzweiflung und der Euphorie, gewinnt". Au fein, könnte man jetzt in die Hände klatschen. Aber es geht so spröde los wie der Titel klingt (Regie im ersten Bild: Elias Perrig): Da fahren zwei Gestalten zum Hebemaschinengeräusch langsam aus dem Bühnenuntergrund, eine junge Frau, ein junger Mann, starrer Blick ins Auditorium, die finstere Miene sagt: Wir haben ein Problem. Nur ab Oberkörper ragen sie aus dem schwarzen Boden. (Der Unterleib ist abgeschnitten.) Und das erste, was sie einander sagen, ist "Na?" und "Du?" und "Ich möchte Dich kennen lernen". Oder "Ich bin relativ durchschnittlich komisch" und "Du bist anders komisch". Sie könnten auch sagen: Ich bin ok, Du bist ok. Oder was sonst heute Sozialpädagogen in Schulen oder Jugendzentren oder freien Spielgruppen in den Sinn kommt.

Gelegentlich vermochte die aktuelle Hausautorin, Beatrice Fleischlin, mit kleinen Unebenheiten das Allzutypische zu brechen: "Dein Karma ist ziemlich im Arsch" aus heiterem Himmel quasi, das gab einen Lacher.

Ungefähr die beste Pointe aber, die sie für uns bereithält: Der Junge hat den Text seiner Werbung im Voraus aufgeschrieben und auswendig gelernt. Wären jedoch Inga Eickemeier und Jan Viethen nicht versiert darin, eine Vorlage naturalistisch, ja sogar mit viel natürlichem Charme aufzupeppen, dann wären wir wirklich in der Amateurfalle gelandet. Viethen schafft es sogar einen Satz wie: "Dein Grob und Zart stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander", herzlich warm klingen zu lassen. Der Regie ist dazu noch der Gag eingefallen, dass den Liebesverwirrten der Text immer wieder abhanden kommt, und die Souffleuse ihnen die Sätze mit barschem Ton zu wirft. Soweit das erste Bild.

Das zweite ist ein Monolog-Reigen (Regie: Elias Perrig). Die Einsamen kriegen ihren dem Zeitalter der Individualisierung geschuldeten Starauftritt, wo jeder sagen darf, wie er es halt so macht: Da ist der Knutsch-Voyeur (Bettini), der sich die Leidenschaft quasi von den Lippen küssender Paare absaugt. Da ist die Objektsexuelle (Jahn, auf Podest), deren Liebhaber aus einem Eisenbahnwaggon oder einem Turm bestehen. Der verlassene Mann (von Mühlen) will den Schmerz nicht aufgeben, weil er davon zeugt, was er mit der geliebten Person erlebt hat. Und schliesslich erzählt Katka Kurze als "die Frau, die überschwemmt", wie sie gerade in das Leben eines Raphael kriecht, der ihr während seines Auslandsaufenthalts die eigene Wohnung überlassen hat. Euphorisch berichtet sie von ihren Entdeckungen: seinen gestapelten Liebesbriefen, den Unterhosen, den Fotoalben, den alten Kondomschachteln und dem Rohypnol, das sie bei ihm gefunden hat.

Aber bei aller Emotion, die beim Spiel aufgeboten wird: Die Bekenntnismonologe wirken abgelauscht, das prickelnde Direkterlebnis versackt in prosaischen Betrachtungen, die "Ich"-Berichte klingen nach Erfindung, die man mit Details nachauthentifizieren wollte. Und sowieso: Szenisch ist anders. Auftritt, sprechen, abgehen: Das funktioniert mit einem dramatischen Text, wo das existentielle Problem des Protagonisten mitreisst. Fleischlin selber hat schon gemutmasst, dass die Texte für ein Hörspiel taugen würden. Aber das ist eben eine Frage.

Reine Aktion verspricht Bild drei (Regie: Antje Schupp): Eine Kostüm-Sexparty. Da will der Papagei mit dem Schwein, der Elch gleich mit allen. Brüste und Penisse werden mit Heliumballonen auf Sturm- und Übergrösse gebracht. Die Vision der Autorin sah ein Bild frei in der Bühnenluft flottierender Lusttiere, mit fliegenden Akteuren, vor. Und es sollte lustvoll sein. Ging wohl nicht. Auf dem harten Bühnenboden zeigt sich statt der naiven Autorinnen-Vorstellung von freiem Sex eine bald müde Swingerclub-Szene, die sich an der Bar mit Hochprozentigem versorgt, wo man sich auf Verlangen gegenseitig bedient. Die Eine will, dass die andere sich vor ihr ergriffen niederwirft. Die Andere will, dass die eine ihr bei einer sonderbaren Kontaktanzeigen-Story zuhört. Immerhin versöhnlich: Das Paar aus dem ersten Bild taucht auf, und zumindest das scheint am Anfang einer Liebesgeschichte zu stehen.

Das Unbekannte, Fremde, Verheissungsvolle? Fehlanzeige. In der Tiefe finden sich bei den vorgeführten Geschichten nur Manipulationsversuche. Abgesehen vom Paar aus dem ersten Bild streckt sich niemand nach dem Verheissungsvollen, die anderen begnügen sich alle mit dem Bekannten. Das muss kein Problem sein, wenn mit dem "seltsamen Gefühl" nur das Begehren und das typische Drumherum, nicht die Liebe selbst, gemeint ist. Aber das ist halt auch austauschbar und ziemlich konventionell. Das Publikum applaudierte kräftig.

3. Juni 2012
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

© Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"2020 wird ein ruhigeres Baustellenjahr"

Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt
Titel einer Medienmitteilung
vom 10. Januar 2020
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Ist ja schliesslich Wahljahr.

Frisch pubertiert

Jahresrückblick? Nein, danke.
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die Bereitschaft zur Regierungskandidatur von Beatriz Greuter zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die BZ online bezog sich in ihrem Bericht über den Tod des Baselbieter Lehrerverbands-Geschäftsführers Michael Weiss auf OnlineReports.

Die Volksstimme zitierte in ihrem Bericht über den Konkurs von "Die Medienmacher" aus OnlineReports.

Telebasel bezog sich im Bericht über den Widerstand gegen die Basler IBA-Rheinterrassen auf einen Bericht von OnlineReports.

Die Basler Zeitung nimmt in ihrem Bericht über den Neujahrs-Empfang der Handelskammer beider Basel auf OnlineReports Bezug.

Die BZ schrieb in derselben Ausgabe zwei OnlineReports-Meldungen ab, ohne die Quelle zu deklarieren. Wiederholungstat!

In ihrem Bericht über Verkehrsprobleme am Aeschenplatz zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des ersten Baselbieter Kantonsgerichtspräsidenten Peter Meier wurde von der BZ, Telebasel, der Basler Zeitung und vom SRF-Regionaljournal nachgezogen.

Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Die Gemeinde Riehen spendet 10'000 Franken zugunsten eines Nothilfe-Projekts des Roten Kreuzes für Geflüchtete in Bosnien-Herzegowina.

Ein überparteiliches Komitee hat am 15. Januar bei der Basler Staatskanzlei die Unterschriften für die Initiative "für erschwingliche Parkgebühren" eingereicht.

Urs Bucher wird am 1. August 2020 die Leitung der Volksschulen Basel-Stadt übernehmen und damit die Nachfolge von Dieter Baur antreten, der zum Ende des Schuljahres in Pension geht.

Die 53-jährige Juristin Blanche Gilli ist seit Anfang 2020 neue Präsidentin des Vereins gemeinsame Opferhilfe beider Basel.

Der FC Basel leiht seinen 21-jährigen Innenverteidiger Yves Kaiser bis zum Ende der Saison 2019/2020 an den FC Schaffhausen aus der Challenge League aus.

Knut Schmidtke, Marc Schärer und Lucius Tamm werden per 1. April 2020 die Leitung des in Frick domizilierten Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL von Urs Niggli übernehmen.

Die Baselbieter Grünen reichten am 12. Dezember ihre mit rund 1700 Unterschriften versehene Klimaschutz-Initiative ein, die das Ziel des Pariser Abkommens gesetzlich verankern will.

Die Basler SP-Bürgergemeinderätin Canan Özden tritt auf Anfang 2020 die Nachfolge der zurücktretenden Gabriella Matefi (SP) als Basler Bürgerrätin (Exekutive der Bürgergemeinde) an.

Das Theater Basel konnte im Jahr 2018/2019 die Anzahl der Besuchenden zum vierten Mal in Folge auf 183'705 Personen (+1,6 Prozent) erhöhen, während jedoch die Besucher-Einnahmen um 1,7 Prozent sanken.

Die neue grüne Baselbieter Landrätin Laura Grazioli übernimmt von der frisch gewählten Nationalrätin Florence Brenzikofer das freiwerdende Präsidium der Finanzkommission.

Paola Gallo, die ehemalige Geschäftsleiterin von "Surprise", übernimmt per 1. Oktober 2019 die Geschäftsführung der Job Factory Basel AG und der Stiftung Job Training.

Der 19-jährige Geografie- und Geschichtsstudent Nino Russano wird als Nachfolger von Nicolas Eichenberger neuer Präsident der Juso Basel-Stadt.

Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.

Die Verlängerung der BVB-Tramlinie 3 nach Saint-Louis kostete rund 84 statt 93,7 Millionen Franken und ist somit um fast zehn Millionen Franken günstiger als geplant.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal per 1. Januar 2020 einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent auszurichten.

Die Forscherin Michaela Kneissel nimmt anstelle des Ende Jahr ausscheidenden Ulrich Vischer Einsitz im Universitätsrat der Universität Basel.

Nach dem Rücktritt der neuen Basler Regierungsrätin Tanja Soland aus dem Grossen Rat rückt die ehemalige Juso-Präsidentin Jessica Brandenburger ab 1. Dezember ins Parlament nach.

Die ausserordentliche Mitgliederversammlung des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest vom 3. November 2019 wählte als Nachfolger von Dominik Beeler Simon Fankhauser in das Co-Präsidium.

Zu sieben Fällen von Sachbeschädigungen an Autos kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag, 2. November, in der Umgebung der Tramhaltestelle "Vogesenstrasse" in Reinach.

Der Gemeinderat von Riehen erwartet für die Planperiode 2020 bis 2023 jährliche Defizite von 1,3 bis 2,5 Millionen Franken.

Susanne Wäfler-Müller (42) wird ab dem 1. Mai 2020 die Führung der Kantonsbibliothek Baselland übernehmen und auf Gerhard Matter folgen, der im Frühjahr in den Ruhestand gehen wird.

Zu Beginn des Schuljahrs 2021/22 wird Informatik als obligatorisches Fach in allen Baselbieter Gymnasien eingeführt.