Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | (...) | 126 ] >>

Theater Basel, Schauspielhaus
Uraufführung

"Die Bacchen"

Autor: Euripides in einer Bearbeitung von Roland Schimmelpfennig
Inszenierung und Bühne: Robert Borgmann
Kostüme: Lili Anschütz
Musik: Philipp Weber
Video: Lianne von de Laar
Licht: Cornelius Hunziker
Dramaturgie: Constanze Kargl

Mit Michael Gempart, Pia Händler, Katja Jung, Steven Höld, Nicola Kirsch, Nicola Mastroberardino, Cathrin Störmer, Thiemo Strutzenberger, Ingo Tomi, Philipp Weber (Musiker) und Kinderstatisterie


Anarchistenfahne in Theben

Auf dünnes Eis begibt sich das Theater Basel, wenn es Euripides Drama von 405 vor Christus als Uraufführung anpreist. Die Version, die der Dramatiker Roland Schimmelpfennig 2009 für den verstorbenen Regisseur Jürgen Gosch aus verschiedenen Quellen verfasste, ist weder Neuübersetzung noch neue Stückschöpfung. Sie steht inhaltlich und in der Szenenabfolge kaum von der traditionellen Euripides-Übersetzung J. A. Hartungs aus dem Jahre 1848 ab. Natürlich, der Ton ist ein anderer: weniger lyrisch-expressive Vergegenwärtigung, eher mental-flächig, für heutige Ohren leichter verständlich. Aus dem wuchtigen Aufbäumen beim Einstieg "Ich, Sohn des Zeus, Dionysos" wird ein profanes "Jetzt bin ich endlich hier".

Der junge Regisseur Robert Borgmann, der erstmals am Theater Basel inszenierte, dreht den eher nüchtern-heutigen Zug Schimmelpfennigs ins Fatalistische weiter; im göttlichen Bringer von entgrenzter Lebensfreude, Dionysos, kann er nur eine Heimsuchung der negativen Art sehen, die in der Vernichtung der Opfer endet. Kein Diskurs, der weitere Perspektiven anbietet: Wir folgen einer mit psychedelischen Sounds, Licht- und Bühnenraucheffekten, Videobildern aufbereiteten Erzählung bis zum Niedergang, deren Tragik einzig durch ironische Brechungen gemildert wird.

Die im Text als unschuldig geschilderten Spiele der verzückten Bacchen werden in einem Vorspiel als düsteren Spektakel vorgestellt: Das Ensemble, eben noch scherzend bei Wein und Trauben sitzend, übergiesst sich plötzlich ohne äusseren Anlass mit Theaterblut, verschmiert sich mit Erde, wälzt sich verschlungen im Dreck, bildet einen sinnlich-orgiastisch gestimmten Menschenhaufen. Der Stadtgründer Kadmos schwenkt die schwarze Anarchistenfahne.

Aus dem Chaos hervor tritt Dionysos, der mit seinem Kult Theben erobern will. Die Frauen hat er in die Berge gelockt und zu seinen Verehrerinnen, den Bacchen, gemacht. König Pentheus, der ihn nicht als Gott anbetet, will er eine Lektion erteilen. Thiemo Strutzenberger gibt einen infantilen, zornig aufschreienden Jungdespoten, der später zu einem schillernden, weichlichen Narzissten mutiert: Im weissen Anzug wirkt er wie ein Mittelding zwischen Model, Esoterik-Guru und Kokaindealer.

Ins Chaos stakst das Gegenprinzip im schwarzen Herrenanzug: Ingo Tomi als Pentheus spielt keinen sturen Rechtschaffenen, sondern einen rationalen Managertyp, der aus Machtanspruch Dionysos verhaften und seinen Kult eliminieren will. Wenn ihn die beiden Alten, der Seher Teiresias und der Stadtgründer Kadmos aufhalten wollen, so tun sie es nicht aus frohgemuter Altersweisheit, sondern aus Angst vor Dionysos, und weil der Gott ihnen mit dem Weinrausch die Realitätsflucht ermöglicht: Wie senile Trottel wackeln Steven Höld und Michael Gempart über die Bühne.

Dionysos überlistet Pentheus schliesslich mit dessen Lüsternheit, den Bacchen in den Bergen zusehen zu wollen. Das gehe aber nur getarnt in Frauenkleidern mit Perücke. Borgmann inszeniert die Szene wie eine scheiternde Vermählung indem Pentheus sich immer wieder auf Dionysos stürzt und ihn mit Küssen übersäht. Dazu demütigt er die Figur zusätzlich, indem er Pentheus mit zwischen den Beinen eingeklemmtem Penis vorn übergebeugt über die Bühne trippeln lässt. Ein quälender Anblick; in der Pause verliess eine Reihe von Zuschauern das Theater.

Stellt der Chor im antiken Drama so etwas wie die unveränderliche Volksmitte dar, so dreht Borgmann auch hier bildlich weiter an der Abwärtsspirale: Anfangs sind die beiden Chorfrauen schwärmerische Bacchen, später blutspeiende Amazonen, nach der Pause zynische Höllenschwestern in Goth-Montur.

Borgmann katapultiert im Finale mit einer Reminiszenz an den Science-Fiction-Film "2001 a space odyssey" das Drama in eine Art zeitlosen Meta-Raum, ohne Dreck und Blut, aber mit Biedermeiersofa, mit kultischem Monolithen. Kadmos, gewandet in der Mode von 1790, symbolisiert einen Vertreter der hier hilflosen Aufklärung, der sich auf das Altertum abstützen will.

Ein "Mann" schildert geschockt, wie Pentheus von seiner Mutter Agaue und den Bacchen im Wahn, es sei ein Löwe, zerrissen wurde. Agaue tritt auf mit Pentheus Kopf in den Armen. Als ginge es darum, das Mass voll zu machen, lässt Borgmann Agaue ihren Vater Kadmos erwürgen. Der "Mann" überschüttet die beiden mit Erde und zerhackt den kultischen Monolithen; eine Welt zu Ende, keine Lösung.

Auch wenn die Sprechweise zuweilen bewusst gedehnt wird, die Bilder nicht immer auf Anhieb zu entschlüsseln sind, entwickelt die dreistündige Aufführung einen Sog, der an keiner Stelle abreisst. Das Publikum applaudierte lang und heftig.

12. März 2016
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

© Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gehort.gif
"Bäisel"

SBB-Zugsdurchsage
in englischer Sprache
im Interregio Luzern-Basel
vom 22. März 2017
fileadmin/templates/pics/gehort.gif

Bleibt doch einfach beim schlichten "Basel".

"Und übrigens ..."

Gegen Eliten und Sunniten
RückSpiegel


Die Basler Zeitung und die Basellandschaftliche Zeitung berichteten unter Bezugnahme auf OnlineReports über die Trennung der BVB von zwei Kaderleuten.

Das OnlineReports-Interview mit dem designierten FCB-Besitzer Bernhard Burgener nahmen die Fussball-Plattform 4-4-2.com, die Basellandschaftliche Zeitung und die Schweiz am Wochenende auf.

Telebasel berief sich in seinem Bericht über die Interpellation von "Basta"-Grossrat Beat Leuthardt über den designierten FCB-Präsidenten Bernhard Burgener auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung berief sich in ihrer Meldung über Betriebs-Wegweiser-Posse auf OnlineReports.

Die Schweiz am Wochenende nahm eine OnlineReports-Story über den Gang der BVB ans Bundesgericht wegen einer Auflösung des Arbeitsverhältnisses auf.

In ihrem Bericht über den Streit um die schmale Treppe im neuen Gelterkinder Hallenbad bezogen sich die Basler Zeitung und die Volksstimme auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung griff die OnlineReports-Recherche über markante bauliche Veränderungen im Nord-Teil des Basler "Dreispitz"-Areals auf.

Das Medienportal persoenlich.com zog die OnlineReports-Meldung über die Kündigung des BaZ-Abos durch den ehemaligen BaZ-Verleger Matthias Hagemann nach.

Die Nachricht über den Abbruch der Gelterkinder Rahmtäfeli-Fabrik wurde von der Volksstimme aufgenommen.

Die Sissacher Volksstimme, die Basler Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-News über den Bolzenschuss im Gelterkinder Ortskern auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über den erneuten Parteiwechsel von Grossrat Michel Rusterholtz auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung griff die OnlineReports-News über den Sammelerfolg des Referendums gegen Alkohol in Jugendzentren auf.

Die OnlineReports-Story über Andrea Strahm und die Präsidiums-Suche der Basler CVP nahmen das SRF-Regionaljournal, die TagesWoche, die Basler Zeitung und die BZ Basel auf.

Das SRF-Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ online nahmen die OnlineReports-News über den Austritt Daniel Goepferts aus dem Basler Grossen Rat auf.

In ihrem Kommentar über "Die Arroganz der Basler Regierung" (Schlagzeile) nahm die Basler Zeitung Bezug auf eine Schilderung in OnlineReports.

SRF online bezog sich in ihrem Bericht über den ASE-Prozess auf OnlineReports.

Für ihre Sendungen "10vor10" und "Schweiz aktuell" holte das Schweizer Fernsehen Statements bei OnlineReports ein.

Die BZ Basel und 20 Minuten online bezogen sich in ihren Artikel über die Basler CVP-Präsidentin Adrea Strahm auf ihre Kolumnen in OnlineReports.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über Platzprobleme des neuen BVB-"Flexity"-Trams am Basler Aeschenplatz auf.

In seinem Bericht über den Anlage-Skandal der ASE Investment ging die Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens auf die Rolle von OnlineReports bei der Enthüllung des Schwndels ein.

In seinem Bericht über das von Handwerker-Autos besetzte Trottoir in der Basler Centralbahnstrasse nahm das SRF-Regionaljournal auf einen früheren OnlineReports-Artikel Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, das SRF-Regionaljournal, 20 Minuten online und die SDA nahmen den OnlineReports-Bericht über die Verurteilung des Rappers Ensy auf.

Die Volksstimme beschrieb, wie Peter Knechtli vor 30 Jahren die Brand-Katastrophe von Schweizerhalle erlebte.

Die NZZ zitierte aus dem OnlineReports-Kommentar zu den Basler Regierungsrats-Wahlen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der Basler Gewerbeverband hat die beiden Initiativen "Zämme fahre mir besser" mit 3'811 Unterschriften und "Parkieren für alle Verkehrsteilnehmer" mit 3'917 Unterschriften im Rathaus eingereicht.

Riehen muss den Kunstrasen auf der Grendelmatte ersetzen, wofür dem Einwohnerrat ein Kredit von 520’000 Franken beantragt wird.

• Die frühere Baselbieter Juso-Copräsidentin Samira Marti (Ziefen) wird Vizepräsidentin der SP-Kantonalpartei, wobei sie den ehemaligen Juso-Präsidenten Florian Schreier (Birsfelden) ersetzt.

• Die Kantonstierärzte der beiden Basel haben die regionalen Verfügungen über die Schutzmassnahmen gegen die Vogelgrippe als abgeschlossen erklärt.

Thomas Mächler wird Anfang April neuer Bereichsleiter Jugend, Familie und Sport (JFS) im Basler Erziehungsdepartement als Nachfolger von Hansjörg Lüking, der das Departement im Januar verlassen hat.

• Weil für sie keine Ersatzteile mehr verfügbar sind, treten demnächst 111 Betten aus dem Rehab Basel, die 2002 beschafft wurden, ihre Reise in die Slowakei an.

Stephan Wetterwald wird neuer Vorsitzender der Geschäftsleitung der Baselbieter Pensionskasse und damit Nachfolger von Hans Peter Simeon, der Ende November in den Ruhestand tritt.

• Die Stadt Basel hat den Zuschlag für die Durchführung des Eidgenössischen Jodlerfestes im Jahr 2020 erhalten, wodurch sich vom 26. bis 28. Juni jenes Jahres rund 12'000 aktive Jodler, Alphornbläser und Fahnenschwinger treffen werden.

• Der FC Basel hat mit seinem 32-jährigen Mittelfeldspieler Davide Callà den ursprünglich bis zum 30. Juni 2017 laufenden Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert.

• Die Baselbieter Jungsozialisten (Juso) haben Ronja Jansen (21) und Nils Jocher (20), beide aus Frenkendorf, einstimmig als ihr Co-Präsidium gewählt.

• Der Leiter der Basler Stadtreinigung, Peter Schär (47), hat seine Stelle beim Tiefbauamt auf 1. März gekündigt, um eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen.

• Weil im Gelterkinder Kindergarten "Staffelen" die defekte Ölheizung nicht durch eine "einigermassen kostenattraktive und baulich auch realisierbare Alternative zu Öl ersetzt werden kann", beschloss der Gemeinderat "den Ersatz der alten Anlage durch einen neuen Öl-Brennwertkessel".

• Der 44-jährige Chemiker Alexander Schocker wird neuer Leiter Forensik bei der Polizei Basel-Landschaft als Nachfolge von Markus Looser, der letzten Herbst zur Kriminalpolizei Basel-Stadt wechselte.

• Die Oberwiler Bevölkerung hat in einer Referendums-Abstimmung den Beschluss über den Kredit für die Planung Eisweiherplus mit 1'072 Ja zu 2'820 Nein aufgehoben und damit die Planung beendet.

• Der Baselbieter Landrat hat einen Kredit von 14 Millionen Franken zum Bau der Tramlinie Margarethenstich bewilligt.

• Das Referendum gegen die unbegrenzte Alkohol-Abgabemöglichkeit in baselstädtischen Jugendzentren wurde mit 4’600 Unterschriften eingereicht.

• Der 53-jährige Patrick Dill wird ab 1. April neuer Leiter der Gemeindeverwaltung Allschwil.

• Der Kanton Baselland beteiligt sich an der "Berufsschau 2017" in Pratteln mit einem finanziellen Beitrag aus den Mitteln des Wirtschaftsförderungs-Fonds in der Höhe von 900'000 Franken (bisher 950'000 Franken).