Aurel Schmidt: "Seitenwechsel"

[ 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | (...) | 131 ] >>

Sprache dient der Kritik und der Kontrolle

Immer häufiger kommt es vor, dass ich mich frage, ob die Welt immer noch die gleiche ist wie eh und je und ich mich unbemerkt verändert habe, oder ob im Gegenteil die Welt sich gewandelt hat und in der Ferne davoneilt, während ich mit meinen Meinungen und Ideen stehengeblieben und von der Zeit überholt worden bin.

Dass die Welt sich ändert, gehört zu ihrem Lauf. Nichts bleibt stehen. Neue Entwicklungen erfordern neue Sprachen, Methoden, Abläufe. Manchmal muss man seinen Standpunkt ändern, weil sich die Verhältnisse verschoben haben, aber manchmal darf man es auf keinen Fall tun, wenn man nicht mit der Meute heulen will.

Unabhängig bleiben heisst, sein Weltbild durch einen Maelstrom der Ansichten zu navigieren. Ich kann mich irren, aber auch recht haben. Die Anderen auch. Die Einsichten stellen sich erst später ein.

Sind die Werte der Aufklärung noch aktuell oder haben sie ihre Relevanz verloren? Denunziert werden sie seit Langen und erstaunlicherweise im selben Mass, wie sich die Welt kannibalisiert. Die Vernunft versucht, Massstäbe zu setzen und vor Ressentiments, Obskurantismus und Fundamentalismus zu bewahren. Das geschieht manchmal durch Distanzierung, manchmal auch durch Lachen.

Nie haben wir den Skeptizismus mehr gebraucht als heute. Aber er ist eine schwache Position in der Welt der Entschlussbereiten, die die Welt in ein Schema pressen wollen, das nur ihren eigenen Vorstellungen entspricht.


"Chatbots mischen sich in die Diskussion
und heizen sie in unerwünschter Weise an."



D
er Multikulturalismus ist zur neuen Kampfzone geworden wie der Freihandel mit den USA. Der Markt regelt alles, aber vor allem die Anliegen derer, die ihre Interessen durchsetzen. In den "failed states" sehen wir, was beim "freien Spiel der Kräfte" herauskommt. Wir sagen Sicherheit und betreiben Demokratieverzicht, aber warum nicht, nachdem die Einflüsterer uns weiszumachen versuchen, dass es uns auch ohne Demokratie sehr gut geht. Ja, vielleicht. Aber wer weiss, was noch kommt. Denn wenn es ohne Demokratie geht, kann sich auch der Wohlstand erübrigen, der nur ein ephemeres Phänomen ist, und dann ist beides weg.

R
eligion, Popkultur, die Finanzindustrie, Silicon Valley, die Werbung haben die Begriffe kolonialisiert und ein gleichförmiges, usuelles Denken installiert, das kaum Aussicht auf Kommunikation zulässt. Viktor Klemperer hat in seinem Buch "LTI" über die Sprache des Dritten Reichs aufgezeigt, wie das geschehen kann, während Edward Bernays in "Propaganda" über die "Kunst der Public Relations" darin eine absichtliche und unumgängliche Manipulation im Dienst der herrschenden Klasse gesehen hat.

Wer bisher dachte, dass Diskussionen und konträre Ansichten erforderlich sind, um die beste Lösung für alle herauszufinden, sieht sich entttäuscht. Heute stellen wir fest, wie wir in autoritäre und bald totalitäre Verhältnisse rutschen, wenn wir darauf verzichten, meist aus Gedankenlosigkeit oder Gleichgültigkeit. Um die Sache auf die Spitze zu treiben, sollte in diesem Zusammenhang unbedingt an die Shitstorms im Netz erinnert werden und besonders daran, wie Chatbots sich in die Netzwerk-Debatten einmischen und sie anheizen können, ohne dass es gemerkt wird.
 
Wenn die verbale Kommunikation uns abhanden kommt, fehlen uns die Mittel, um uns zu verteidigen. Sprache ist Kommunikation, aber auch Kontrolle und Kommando. George Orwell hat in seinem dystopischen Roman "1984" vorgeführt, wie durch Reduktion der Zahl der Wörter und die Vereinfachung der Sprache der "Bewusstseinsspielraum" eingeschränkt und es unmöglich wird, einen Sachverhalt kompetent auszudrücken. Newspeak nannte er es, Neusprech. Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal seinerseits hat in seinem neuen Roman "2084", der Orwells Werk fortführt, den Gedanken aufgegriffen. Die Sprache wird bei ihm durch das "Modul der Religion" geleitet, bis sie die Funktion einer Gehirnwäsche annimmt und "amorphe Gläubige" hervorbringt.

Soweit muss man heute gar nicht gehen. Die beschränkte Sprache von Twitter und der normierte Kommunikations-Austausch in den Sozialen Medien leistet einen Beitrag an die grosse Vereinheitlichung des Denkens und der Meinungsbildung, denen sich die Menschen freiwillig unterziehen, wegen der kleinen damit verbundenen Vorteile.

Es ist vielleicht schwierig zu verstehen, aber die Sprache kann das Denken befreien und zu geistigen Höhenflügen motivieren, aber ebenso auch standardisierte Verhältnisse begünstigen. Das liegt an der Ambivalenz der Sache. Die positiven Aspekte sind so gross wie die negativen. Alles ist möglich, heute aber in einem verwegenen falschen Sinn. Wenn wir wollen, können wir zuschauen, wie ein Denkmonopol im Entstehen begriffen ist und die Widerstandskräfte nachlassen, wenn es nur eine Hauptmeinung gibt und alles davon Abweichende des Teufels ist. Am Ende sind wir von der abgerichteten Sprache abhängig geworden und nicht mehr in der Lage, zur Kenntnis zu nehmen, was tatsächlich um uns herum geschieht.

27. Juni 2016
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Aurel Schmidt, Jahrgang 1935, war bis Mai 2002 Redaktor der "Basler Zeitung" (vorher "National-Zeitung"). Er war mitverantwortlich für das jeden Samstag erscheinende "Basler Magazin" und verfasste zahlreiche philosophische Essays, Reise-Reportagen, Kommentare und Kolumnen. Schmidt, der heute als Schriftsteller und freier Publizist in Basel lebt, machte sich auch als Autor mehrerer Bücher einen Namen: "Der Fremde bin ich selber" (1982), "Wildnis mit Notausgang. Eine Expedition" (1994), "Von Raum zu Raum. Versuch über das Reisen" (1998). Ausserdem liegen vor: "Lederstrumpf in der Schweiz. James Fenimore Cooper und die Idee der Demokratie in Europa und Amerika" (2002), "Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden" (2006), "Auch richtig ist falsch. Ein Wörterbuch des Zeitgeists" (2009). Zuletzt erschienen: "Die Alpen. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte" (2011).

© Foto by OnlineReports.ch

aurel.schmidt@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Von der SVP geprägte Begriffe"

Das erinnert mich an den Einzug der von der SVP geprägten Begriffe mit den Affixen "Kuschel-" und "Schein-" in unserer alltäglichen Politiksprache. Der Begriff "Gutmensch" ist darüber hinaus ein besonders übles Exemplar …


Steffi Luethi-Brüderlin, GRossrat SP, Basel


www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Ein gephotoshoptes Model blickte lasziv auf die Betrachter herab."

Schweiz am Sonntag
Agenturmeldung
vom 18. Juni 2016
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Was die Betrachter sicherlich geantörnte.

RückSpiegel


Das SRF-Regionaljournal, die Basler Zeitung und die Basellandschaftliche Zeitung nahmen die OnlineReports-News über den Appellationsgerichts-Entscheid zur Überbauung eines grünen Innenhofs an der Maiengasse in Basel auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Recherche über die Forderung nach einem Demo-Verbot an Sitzungstagen des Basler Grossen Rates auf.

Die TagesWoche und die Basler Zeitung verwiesen in ihren Berichten über die Krise im Historischen Museum Basel auf OnlineReports.

In ihrem Rückblick "Armes, armes Basel" zitierte die Basler Zeitung aus OnineReports.

Auf einen OnlineReports-Bericht über Probleme mit Musliminnen im basler Frauenbad Eglisee nahm die TagesWoche Bezug.

Die TagesWoche verwies auf die Analyse der neusten Leserzahlen der Printmedien aus der Region Basel.

Die TagesWoche ging auf kontroverse Standpunkte zur Handschlag-Verweigerung in OnlineReports ein.

Roland Stark ging in der Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Kolumne von Joël Thüring über die Möglichkeit einer Sommer-Olympiade in Basel ein.

Auf die OnlineReports-News über die Zahlungsunfähigkeit der "Baugesellschaft BL AG" ging die Basler Zeitung ein.

In ihrem Bericht über die GPK-Kritik an der Seltisberger Gemeinderätin Vanessa Duss Jacobi berief sich die Basler Zeitung auf eine Recherche von OnlineReports.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Bericht über das Kriech-Tram auf der Klybeckstrasse aud OnlineReports.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Liestaler Stadtpräsidenten Jürg Wüthrich nahm die Basler Zeitung auf.

Das SRF-Regionaljournal, die Basler Zeitung und die Basellandschaftliche Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Spray-Attacke auf den Sitz der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt auf.

Das SRF-Regionaljournal, die TagesWoche und die Basler Zeitung bezogen sich in ihren Berichten über den Abgang von Oliver Jacobi als Baselbieter Kantonsingenieur auf Recherchen von OnlineReports.

Telebasel, die Basler Zeitung, 20 Minuten und die Basellandschaftliche Zeitung stützten sich in ihren Berichten über Sibel Arslans Rücktritt auf OnlineReports.

Die TagesWoche, Telebasel, die Basler Zeitung und die Basellandschaftliche Zeitung nahmen die OnlineReports-Meldung über den Weggang von Sibel Arslan bei der Baselbieter Sicherheitsdirketion auf.

Den OnlineReports-Bericht über den krankgeschriebenen Baselbieter Kantonsingenieur Oliver Jacobi zog die Basler Zeitung nach.

Die Basler Zeitung und die Basellandschaftliche Zeitung nahmen die OnlineReports-Recherche über rechtliche Probleme beim Eigenheim-Bau des Baselbieter Kantonsingenieurs in Seltisberg auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung zog die OnlineReports-Recherche über Tricksereien beim Eigenheim-Bau des Baselbieter Kantonsingeieurs nach.

Roland Stark, Kolumnist der Basler Zeitung, zitierte in seiner Kolumne einen OnlineReports-Kommentar aus dem Jahr 2010 zur "Bespielung" von Basler Plätzen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der Landrat hat dem neuen Baselbieter Energiegesetz, das eine Energieabgabe und ein Fracking-Verbot enthält, zugestimmt.

• Der Basler Wirtschaftsminister Christoph Brutschin (SP) wurde neuer Präsident der Konferenz der kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren.

• Das Jugendkultur-Festival (JKF) will "mit Überzeugung" an seinem Nachhaltigkeitskonzept inklusive Mehrweggeschirr festhalten.

Fritz Jenny, Vizepräsident "Rehab Basel AG und Direktor des Bürgerspitals Basel, übernimmt das Rehab-Präsidium von Heinrich Koller, der altersbedingt zurücktritt.

• Der Basler FDP-Grossrat Helmut Hersberger ist neuer Präsident des Hauseigentümerverbands Basel-Stadt.

• Der Allschwiler Gemeindeverwalter Dieter Pfister verlässt seinen Posten auf 31. Dezember 2016.

Schweizer Grenzwächter erwischten Anfang Juni am Autobahnzoll Basel-Weil einen 36-jährigen Albaner, der versuchte, 3,2 Kilogramm Kokain in einem Versteck in seinem Auto von Deutschland in die Schweiz zu schmuggeln.

• Die 55-jährige Deutsche Sissy Raith, die ihre Trainerlaufbahn im Jahr 2003 beim FC Bayern München begann, wird neue Trainerin des ersten FCB-Frauen-Teams.

Priska Keller, die frühere Kantonalsekretärin der Basler CVP, wurde zur Präsidentin der CVP Riehen/Bettingen gewählt als Nachfolgerin von Christian Griss.

• In den ersten vier Wochen der Sommerferien werden die Tram-Gleise in der Basler Falknerstrasse zwischen der Postkurve und dem Barfüsserplatz ersetzt, weshalb zwischen dem Barfüsserplatz und der Schifflände der Trambetrieb in dieser Zeit ausfällt.

• Die Basler GGG Ausländerberatung, die älteste und grösste Anlaufstelle für Migrantinnen und Migranten im Kanton, tritt seit dem 2. Juni neu unter dem Namen GGG Migration auf.

• Die Burgergemeinde Laufen-Stadt ist bereit, das Amtshaus Laufen vom Kanton zu übernehmen unter der Voraussetzung, dass die Liegenschaft vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen umgewidmet wird.

• Laut Antrag der Baselbieter Regierung an den Landrat soll Roland Hochuli neuer Leitender Staatsanwalt der Hauptabteilung Strafbefehle und Nachfolger von Roland Müggler werden.

• Bei Kontrollen im April durch die Gemeinde Reinach und dem Abfuhrunternehmen Anton Saxer wurden 181 Abfallsäcke beanstandet und stehen gelassen.

• Ein 25-jähriger Kosovare, der am 6. November letzten Jahres an der Rheinstrasse in Liestal einen Avia-Tankstellen-Shop überfallen hatte, konnte in Frankreich verhaftet werden.

• Die Basler Grünliberalen haben eine Volksinitiative eingereicht, mit der sie die Dauer der Ruhegehalts-Zahlungen für Regierungsräte auf maximal drei Jahre beschränken wollen.

• Nach einer ersten Beratung des Budgets 2017 rechnet die Baselbieter Regierung für das nächste Jahr mit Einsparungen über 7,7 Millionen Franken beim Personalaufwand, da beim Verwaltungspersonal und den Lehrpersonen 58 Vollzeitstellen gestrichen wurden.

• Leicht erhöhte Radon-Werte haben Messungen des Kantons in einem Raum im Untergeschoss des Reinacher Schulhauses Surbaum festgestellt.

• Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels und Edwin Tschopp, Geschäftsführer des Erlen-Vereins, eröffneten den neuen Veloweg Lange Erlen, wodurch Velofahrenden eine attraktive und direkte Verbindung zwischen Riehen und Kleinhüningen zur Verfügung steht.

• Die Baselbieter Regierung wählte folgende Personen in den Beirat über das öffentliche Beschaffungswesen: Beat Tschudin (Bau- und Umweltschutzdirektion), Daniel Allemann, Markus Meier und Peter Meier (Vertreter der Arbeitgeber) und Andreas Giger-Schmid, Sascha Haltinner und Lucien Robischon (Vertreter der Arbeitnehmer).

• Die IWB schenken der Stadt Basel aus Anlass des 150-jährigen Bestehens der Wasserversorgung einen historischen Brunnen, der auf dem Rütimeyer-Platz installiert werden soll.

• Der Freisinnige Stephan Burgunder ist neuer Gemeindepräsident von Pratteln, nachdem nur ein Wahlvorschlag für das Gemeindepräsidium für die Amtsperiode 2016-2020 eingereicht worden ist.