Aurel Schmidt: "Seitenwechsel"

<< [ 1 | (...) | 201 | 202 | 203 | 204 | 205 | 206 ]

Multikultur und Leitkultur

Die Migrationsbewegungen haben uns vor Probleme gestellt, die noch vor zwanzig Jahren niemand für möglich gehalten hätte. Sie haben zu multikulturellen Verhältnissen geführt, die ihrerseits neue Probleme aufwerfen. Unter diesen Umständen sollte es geboten sein, sich auf die eigene Kultur zu berufen. Sie zwingen uns zu immer neuen Rücksichtnahmen und Anpassungen. Geht es so wie bisher weiter, werden sie sich noch verschärfen. Eine deutsche Islamwissenschafterin hat kürzlich in Basel gemeint, dass wir Zuwanderern mit Respekt begegnen sollen. Das ist die verkehrte Welt.

Die multikulturelle Gesellschaft ist das Ergebnis dieser Entwicklung. Der Begriff beschönigt und verdunkelt vieles. Betroffen sind in Form einer progressiven Einbusse der gewachsenen einheimischen Kultur die westlichen, vor allem europäischen Länder. Etwas Vergleichbares gibt es zum Beispiel weder im Iran noch in Saudi-Arabien oder in China.

Natürlich ist die zerstörerische Wirkung, die Kapitalismus und vom Westen gesteuerter Weltmarkt angerichtet haben, unübersehbar. Die Menschen in fernen Ländern sind dadurch mit Wertvorstellungen und Verhältnissen konfrontiert worden, die ihnen fremd sind. Ich denke dabei etwa an indigene Völker in den Regenwäldern, deren Lebensformen und Landrechte mit dem Raubbau der Ressourcen durch Tropenholz-Konzerne zerstört haben. Aber gegen den westlichen Einfluss macht sich Widerstand bemerkbar, zum Beispiel am Sozialgipfel in Porto Alegre. In einem Teil des Islam ist der „dekadente Westen“ ein Feindbild. Zur Komplexität gehört es, dass sich bei uns gleiche Zustände herausbilden wie jene, die wir in anderen Teilen der Welt verursacht haben. Die sogenannte Dritte Welt breitet sich überall aus.

Die Folge ist, dass wir uns an zwei Fronten wehren müssen. Einmal gegen den spürbar wachsenden Druck, der durch die Zuwanderung entsteht, und die Tatsache, dass wir in umgekehrter Richtung selber zunehmend mit fremden Wertvorstellungen konfrontiert werden; das andere Mal gegen die Vereinheitlichung und Nivellierung unserer Kultur durch die hausgemachte Entwicklung und Dominanz von Kapital, Wirtschaft und Weltmarkt. Die Debilitäten der Vergnügungsindustrie zeigen, in welche Richtung wir gehen oder gedrängt werden.

Die eigene Kultur wegen der entstandenen Beschädigungen nun aber salopp zum alten Eisen zu werfen, ist keine besonders intelligente Reaktion. Besser wäre es, auf ihr zu beharren und sie zu rehabilitieren.

Vielleicht ergibt sich daraus dann etwas wie eine Leitkultur. Warum nicht. Sie hätte sogar den Vorteil, deren Infektion und Gefährdung bewusst zu machen und sich auf die erfolgten Errungenschaften zurückzubesinnen: Aufklärung, Laizität, Demokratie, individuelle Freiheit, Kritikfähigkeit. Das wäre unser Beitrag an die Welt.

Wenn es also doch eine multiple kulturelle Entwicklung gibt, müsste sie sich aus vielen distinkten (identifizierbaren) Kulturen zusammensetzen, die neben einander bestehen. Was wir brauchen, sind Eigenständigkeit, Differenz und Unterscheidung, kein Durcheinander. Das ist eine grosse Aufgabe.

Der Rest ist kultureller Austausch, wie es ihn seit jeher gegeben hat.

13. Dezember 2004
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Aurel Schmidt, Jahrgang 1935, war bis Mai 2002 Redaktor der "Basler Zeitung" (vorher "National-Zeitung"). Er war mitverantwortlich für das jeden Samstag erscheinende "Basler Magazin" und verfasste zahlreiche philosophische Essays, Reise-Reportagen, Kommentare und Kolumnen. Schmidt, der heute als Schriftsteller und freier Publizist in Basel lebt, machte sich auch als Autor mehrerer Bücher einen Namen: "Der Fremde bin ich selber" (1982), "Wildnis mit Notausgang. Eine Expedition" (1994), "Von Raum zu Raum. Versuch über das Reisen" (1998). Ausserdem liegen vor: "Lederstrumpf in der Schweiz. James Fenimore Cooper und die Idee der Demokratie in Europa und Amerika" (2002), "Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden" (2006), "Auch richtig ist falsch. Ein Wörterbuch des Zeitgeists" (2009). Zuletzt erschienen: "Die Alpen. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte" (2011).

© Foto by OnlineReports.ch

aurel.schmidt@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

Frisch pubertiert

Luxusproblem "Motz-Kultur"
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Regula Rytz ist somit der*die einzige Bundesratskandidat*in, welche sich klar hinter die Forderungen der Klimastreik-Bewegung stellt."

Dominik Waser
Zürcher Klimaaktivist
in einem Communiqué
vom 6. Dezember 2019
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Es *weih*nach*tet s*e*h*r*.

RückSpiegel


Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Das Theater Basel konnte im Jahr 2018/2019 die Anzahl der Besuchenden zum vierten Mal in Folge auf 183'705 Personen (+1,6 Prozent) erhöhen, während jedoch die Besucher-Einnahmen um 1,7 Prozent sanken.

Die neue grüne Baselbieter Landrätin Laura Grazioli übernimmt von der frisch gewählten Nationalrätin Florence Brenzikofer das freiwerdende Präsidium der Finanzkommission.

Paola Gallo, die ehemalige Geschäftsleiterin von "Surprise", übernimmt per 1. Oktober 2019 die Geschäftsführung der Job Factory Basel AG und der Stiftung Job Training.

Der 19-jährige Geografie- und Geschichtsstudent Nino Russano wird als Nachfolger von Nicolas Eichenberger neuer Präsident der Juso Basel-Stadt.

Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.

Die Verlängerung der BVB-Tramlinie 3 nach Saint-Louis kostete rund 84 statt 93,7 Millionen Franken und ist somit um fast zehn Millionen Franken günstiger als geplant.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal per 1. Januar 2020 einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent auszurichten.

Die Forscherin Michaela Kneissel nimmt anstelle des Ende Jahr ausscheidenden Ulrich Vischer Einsitz im Universitätsrat der Universität Basel.

Nach dem Rücktritt der neuen Basler Regierungsrätin Tanja Soland aus dem Grossen Rat rückt die ehemalige Juso-Präsidentin Jessica Brandenburger ab 1. Dezember ins Parlament nach.

Die ausserordentliche Mitgliederversammlung des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest vom 3. November 2019 wählte als Nachfolger von Dominik Beeler Simon Fankhauser in das Co-Präsidium.

Zu sieben Fällen von Sachbeschädigungen an Autos kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag, 2. November, in der Umgebung der Tramhaltestelle "Vogesenstrasse" in Reinach.

Der Gemeinderat von Riehen erwartet für die Planperiode 2020 bis 2023 jährliche Defizite von 1,3 bis 2,5 Millionen Franken.

Susanne Wäfler-Müller (42) wird ab dem 1. Mai 2020 die Führung der Kantonsbibliothek Baselland übernehmen und auf Gerhard Matter folgen, der im Frühjahr in den Ruhestand gehen wird.

Zu Beginn des Schuljahrs 2021/22 wird Informatik als obligatorisches Fach in allen Baselbieter Gymnasien eingeführt.