Aurel Schmidt: "Seitenwechsel"

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Multikultur und Leitkultur

Die Migrationsbewegungen haben uns vor Probleme gestellt, die noch vor zwanzig Jahren niemand für möglich gehalten hätte. Sie haben zu multikulturellen Verhältnissen geführt, die ihrerseits neue Probleme aufwerfen. Unter diesen Umständen sollte es geboten sein, sich auf die eigene Kultur zu berufen. Sie zwingen uns zu immer neuen Rücksichtnahmen und Anpassungen. Geht es so wie bisher weiter, werden sie sich noch verschärfen. Eine deutsche Islamwissenschafterin hat kürzlich in Basel gemeint, dass wir Zuwanderern mit Respekt begegnen sollen. Das ist die verkehrte Welt.

Die multikulturelle Gesellschaft ist das Ergebnis dieser Entwicklung. Der Begriff beschönigt und verdunkelt vieles. Betroffen sind in Form einer progressiven Einbusse der gewachsenen einheimischen Kultur die westlichen, vor allem europäischen Länder. Etwas Vergleichbares gibt es zum Beispiel weder im Iran noch in Saudi-Arabien oder in China.

Natürlich ist die zerstörerische Wirkung, die Kapitalismus und vom Westen gesteuerter Weltmarkt angerichtet haben, unübersehbar. Die Menschen in fernen Ländern sind dadurch mit Wertvorstellungen und Verhältnissen konfrontiert worden, die ihnen fremd sind. Ich denke dabei etwa an indigene Völker in den Regenwäldern, deren Lebensformen und Landrechte mit dem Raubbau der Ressourcen durch Tropenholz-Konzerne zerstört haben. Aber gegen den westlichen Einfluss macht sich Widerstand bemerkbar, zum Beispiel am Sozialgipfel in Porto Alegre. In einem Teil des Islam ist der „dekadente Westen“ ein Feindbild. Zur Komplexität gehört es, dass sich bei uns gleiche Zustände herausbilden wie jene, die wir in anderen Teilen der Welt verursacht haben. Die sogenannte Dritte Welt breitet sich überall aus.

Die Folge ist, dass wir uns an zwei Fronten wehren müssen. Einmal gegen den spürbar wachsenden Druck, der durch die Zuwanderung entsteht, und die Tatsache, dass wir in umgekehrter Richtung selber zunehmend mit fremden Wertvorstellungen konfrontiert werden; das andere Mal gegen die Vereinheitlichung und Nivellierung unserer Kultur durch die hausgemachte Entwicklung und Dominanz von Kapital, Wirtschaft und Weltmarkt. Die Debilitäten der Vergnügungsindustrie zeigen, in welche Richtung wir gehen oder gedrängt werden.

Die eigene Kultur wegen der entstandenen Beschädigungen nun aber salopp zum alten Eisen zu werfen, ist keine besonders intelligente Reaktion. Besser wäre es, auf ihr zu beharren und sie zu rehabilitieren.

Vielleicht ergibt sich daraus dann etwas wie eine Leitkultur. Warum nicht. Sie hätte sogar den Vorteil, deren Infektion und Gefährdung bewusst zu machen und sich auf die erfolgten Errungenschaften zurückzubesinnen: Aufklärung, Laizität, Demokratie, individuelle Freiheit, Kritikfähigkeit. Das wäre unser Beitrag an die Welt.

Wenn es also doch eine multiple kulturelle Entwicklung gibt, müsste sie sich aus vielen distinkten (identifizierbaren) Kulturen zusammensetzen, die neben einander bestehen. Was wir brauchen, sind Eigenständigkeit, Differenz und Unterscheidung, kein Durcheinander. Das ist eine grosse Aufgabe.

Der Rest ist kultureller Austausch, wie es ihn seit jeher gegeben hat.

13. Dezember 2004
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Aurel Schmidt, Jahrgang 1935, war bis Mai 2002 Redaktor der "Basler Zeitung" (vorher "National-Zeitung"). Er war mitverantwortlich für das jeden Samstag erscheinende "Basler Magazin" und verfasste zahlreiche philosophische Essays, Reise-Reportagen, Kommentare und Kolumnen. Schmidt, der heute als Schriftsteller und freier Publizist in Basel lebt, machte sich auch als Autor mehrerer Bücher einen Namen: "Der Fremde bin ich selber" (1982), "Wildnis mit Notausgang. Eine Expedition" (1994), "Von Raum zu Raum. Versuch über das Reisen" (1998). Ausserdem liegen vor: "Lederstrumpf in der Schweiz. James Fenimore Cooper und die Idee der Demokratie in Europa und Amerika" (2002), "Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden" (2006), "Auch richtig ist falsch. Ein Wörterbuch des Zeitgeists" (2009). Zuletzt erschienen: "Die Alpen. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte" (2011).

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"Den Geruch spürt man bis nach Basel."

20 Minuten online
vom 26. September 2019
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Die Gschpürigen rochen sogar etwas.

RückSpiegel


nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Krichgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Die Universität Basel richtet am 1. Februar 2020 mit dem Biologen Carsten Gründemann eine Stiftungsprofessur für translationale Komplementärmedizin ein.

Wechsel in der Geschäftsführung der Suchthilfe Region Basel: Barbara Held übernimmt die Leitung per Januar 2020, nachdem Walter Meury – ein Pionier in der Suchtarbeit – Ende Jahr in den Ruhestand geht.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde und Gemeinderat Daniel Hettich haben die erneuerte Lörracherstrasse in Riehen feierlich eingeweiht.

Veronica Schaller
, frühere Basler Sanitätsdirektorin und zuletzt Kulturbeauftragte der Stadt Bern, wurde zur neuen Präsidentin von "Curaviva Basel-Stadt", dem Verband der Basler Alterspflegeheime, gewählt.

Designierte Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Rheinhäfen ist Martina Gmür, Petra Mösching wird Mitglied des Verwaltungsrats.

Der Verein Region Oberbaselbiet wählte den aus dem Fricktal stammenden Gerry Thönen, der die Oberbaselbieter Gemeinden bis zur Gründung des Regionalvereins betreute, zum Geschäftsführer.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-Jahr Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel organisiert die Schweizer Botschaft in Israel im September diverse Anlässe mit Bezug zu Basel.

Die Parteileitung des CVP-Wahlkreises Liestal hat einstimmig beschlossen, Elisabeth Augstburger für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober zu unterstützen.

Schweizerische Rheinhäfen: Benedikt Weibel hat seinen Rücktritt als Verwaltungsrats-Präsident per 31. Dezember 2019 bekannt gegeben; Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, trat per 30. Juni zurück.

Beat Tschudin (48), seit rund zwölf Jahren den Fachbereich Fahrzeugbewirtschaftung der Baselbieter Polizei, übernimmt ab Dezember die Leitung des Fahrzeugwesens der Bau- und Umweltschutzdirektion als Nachfolger von Christian Oberhausser, der Ende August in vorzeitige Pension geht.

• Das Basler Gesundheits-Departement hat den Umzug von der St. Alban-Vorstadt an seinen neuen Hauptstandort an der Malzgasse 30 in Basel abgeschlossen.

Tom Ryhiner und Balz Stückelberger wurden an einer ausserordentlichen Generalversammlung in den Verwaltungsrat der St. Clara AG und damit gleichzeitig in den Verwaltungsrat des Claraspitals gewählt.

• Am 21. Juni fand der Spatenstich für den Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts) im BaseLink-Areal in Allschwil statt.

• Die Generalversammlung der "SVP Frauen Basel-Stadt" wählte Gianna Hablützel-Bürki einstimmig zur neuen Präsidentin.

• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).