Aurel Schmidt: "Seitenwechsel"

<< [ 1 | (...) | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | (...) | 197 ] >>

Sprache dient der Kritik und der Kontrolle

Immer häufiger kommt es vor, dass ich mich frage, ob die Welt immer noch die gleiche ist wie eh und je und ich mich unbemerkt verändert habe, oder ob im Gegenteil die Welt sich gewandelt hat und in der Ferne davoneilt, während ich mit meinen Meinungen und Ideen stehengeblieben und von der Zeit überholt worden bin.

Dass die Welt sich ändert, gehört zu ihrem Lauf. Nichts bleibt stehen. Neue Entwicklungen erfordern neue Sprachen, Methoden, Abläufe. Manchmal muss man seinen Standpunkt ändern, weil sich die Verhältnisse verschoben haben, aber manchmal darf man es auf keinen Fall tun, wenn man nicht mit der Meute heulen will.

Unabhängig bleiben heisst, sein Weltbild durch einen Maelstrom der Ansichten zu navigieren. Ich kann mich irren, aber auch recht haben. Die Anderen auch. Die Einsichten stellen sich erst später ein.

Sind die Werte der Aufklärung noch aktuell oder haben sie ihre Relevanz verloren? Denunziert werden sie seit Langen und erstaunlicherweise im selben Mass, wie sich die Welt kannibalisiert. Die Vernunft versucht, Massstäbe zu setzen und vor Ressentiments, Obskurantismus und Fundamentalismus zu bewahren. Das geschieht manchmal durch Distanzierung, manchmal auch durch Lachen.

Nie haben wir den Skeptizismus mehr gebraucht als heute. Aber er ist eine schwache Position in der Welt der Entschlussbereiten, die die Welt in ein Schema pressen wollen, das nur ihren eigenen Vorstellungen entspricht.


"Chatbots mischen sich in die Diskussion
und heizen sie in unerwünschter Weise an."



D
er Multikulturalismus ist zur neuen Kampfzone geworden wie der Freihandel mit den USA. Der Markt regelt alles, aber vor allem die Anliegen derer, die ihre Interessen durchsetzen. In den "failed states" sehen wir, was beim "freien Spiel der Kräfte" herauskommt. Wir sagen Sicherheit und betreiben Demokratieverzicht, aber warum nicht, nachdem die Einflüsterer uns weiszumachen versuchen, dass es uns auch ohne Demokratie sehr gut geht. Ja, vielleicht. Aber wer weiss, was noch kommt. Denn wenn es ohne Demokratie geht, kann sich auch der Wohlstand erübrigen, der nur ein ephemeres Phänomen ist, und dann ist beides weg.

R
eligion, Popkultur, die Finanzindustrie, Silicon Valley, die Werbung haben die Begriffe kolonialisiert und ein gleichförmiges, usuelles Denken installiert, das kaum Aussicht auf Kommunikation zulässt. Viktor Klemperer hat in seinem Buch "LTI" über die Sprache des Dritten Reichs aufgezeigt, wie das geschehen kann, während Edward Bernays in "Propaganda" über die "Kunst der Public Relations" darin eine absichtliche und unumgängliche Manipulation im Dienst der herrschenden Klasse gesehen hat.

Wer bisher dachte, dass Diskussionen und konträre Ansichten erforderlich sind, um die beste Lösung für alle herauszufinden, sieht sich entttäuscht. Heute stellen wir fest, wie wir in autoritäre und bald totalitäre Verhältnisse rutschen, wenn wir darauf verzichten, meist aus Gedankenlosigkeit oder Gleichgültigkeit. Um die Sache auf die Spitze zu treiben, sollte in diesem Zusammenhang unbedingt an die Shitstorms im Netz erinnert werden und besonders daran, wie Chatbots sich in die Netzwerk-Debatten einmischen und sie anheizen können, ohne dass es gemerkt wird.
 
Wenn die verbale Kommunikation uns abhanden kommt, fehlen uns die Mittel, um uns zu verteidigen. Sprache ist Kommunikation, aber auch Kontrolle und Kommando. George Orwell hat in seinem dystopischen Roman "1984" vorgeführt, wie durch Reduktion der Zahl der Wörter und die Vereinfachung der Sprache der "Bewusstseinsspielraum" eingeschränkt und es unmöglich wird, einen Sachverhalt kompetent auszudrücken. Newspeak nannte er es, Neusprech. Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal seinerseits hat in seinem neuen Roman "2084", der Orwells Werk fortführt, den Gedanken aufgegriffen. Die Sprache wird bei ihm durch das "Modul der Religion" geleitet, bis sie die Funktion einer Gehirnwäsche annimmt und "amorphe Gläubige" hervorbringt.

Soweit muss man heute gar nicht gehen. Die beschränkte Sprache von Twitter und der normierte Kommunikations-Austausch in den Sozialen Medien leistet einen Beitrag an die grosse Vereinheitlichung des Denkens und der Meinungsbildung, denen sich die Menschen freiwillig unterziehen, wegen der kleinen damit verbundenen Vorteile.

Es ist vielleicht schwierig zu verstehen, aber die Sprache kann das Denken befreien und zu geistigen Höhenflügen motivieren, aber ebenso auch standardisierte Verhältnisse begünstigen. Das liegt an der Ambivalenz der Sache. Die positiven Aspekte sind so gross wie die negativen. Alles ist möglich, heute aber in einem verwegenen falschen Sinn. Wenn wir wollen, können wir zuschauen, wie ein Denkmonopol im Entstehen begriffen ist und die Widerstandskräfte nachlassen, wenn es nur eine Hauptmeinung gibt und alles davon Abweichende des Teufels ist. Am Ende sind wir von der abgerichteten Sprache abhängig geworden und nicht mehr in der Lage, zur Kenntnis zu nehmen, was tatsächlich um uns herum geschieht.

27. Juni 2016
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Aurel Schmidt, Jahrgang 1935, war bis Mai 2002 Redaktor der "Basler Zeitung" (vorher "National-Zeitung"). Er war mitverantwortlich für das jeden Samstag erscheinende "Basler Magazin" und verfasste zahlreiche philosophische Essays, Reise-Reportagen, Kommentare und Kolumnen. Schmidt, der heute als Schriftsteller und freier Publizist in Basel lebt, machte sich auch als Autor mehrerer Bücher einen Namen: "Der Fremde bin ich selber" (1982), "Wildnis mit Notausgang. Eine Expedition" (1994), "Von Raum zu Raum. Versuch über das Reisen" (1998). Ausserdem liegen vor: "Lederstrumpf in der Schweiz. James Fenimore Cooper und die Idee der Demokratie in Europa und Amerika" (2002), "Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden" (2006), "Auch richtig ist falsch. Ein Wörterbuch des Zeitgeists" (2009). Zuletzt erschienen: "Die Alpen. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte" (2011).

© Foto by OnlineReports.ch

aurel.schmidt@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Vor allem in der Politik zu finden"

Die von Schmidt aufgezeigte Problematik ist insbesondere in der politischen Auseinandersetzung vorhanden. Ob sie allerdings neuerer Art ist, weiss ich nicht. "Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann" stammt zwar von Shakespeare, zeigt jedoch, dass die Sprachmanipulation, das Uminterpretieren der Bedeutung älteren Datums ist. Das Verändern der Sprache, so dass die Aussage der eigenen Ideologie entspricht, findet sich nicht nur – wie der von Luethi erwähnte Gutmensch – auf der politischen Rechten, sondern auch auf der ideologisch linken Seite wie etwa "Steuergeschenke" oder "Rentenklau". Da lob ich mir die politische Mitte, welche ihrem liberalen Verständnis entsprechend versucht, konstruktiv und sachlich zu argumentieren.


Hans Rudolf Bachmann, Basel



"Von der SVP geprägte Begriffe"

Das erinnert mich an den Einzug der von der SVP geprägten Begriffe mit den Affixen "Kuschel-" und "Schein-" in unserer alltäglichen Politiksprache. Der Begriff "Gutmensch" ist darüber hinaus ein besonders übles Exemplar …


Steffi Luethi-Brüderlin, Grossrat SP, Basel


www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

Alles mit scharf

Schlagende Argumente
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Insgesamt kamen 1'000 Mitarbeiter und 450 Milliarden Euro Umsatz in die Schweizer Gruppe."

Schweiz am Wochenende
vom 20. Mai 2017
über den Zukauf der
deutschen "Bilfinger Hochbau"
durch Implenia
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das muss eine Firmen-Perle sein: 450 Millionen Euro Umsatz pro Mitarbeiter.

RückSpiegel


Telebasel online geht in ihrem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Die Basler Zeitung berief sich in ihrem Bericht über die "Maulwurfjagd gegen Mitarbeiter der Basler Verkehrs-Betriebe" auf einen OnlineReports-Artikel.

Im Artikel über die Versetzung eines Kadermanns im Basler Jusitz- und Sicherheitsdepartement nimmt die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

In den BaZ-Standpunkten des Schweizer Fernsehens nennt NZZ-Medienredaktor Rainer Stadler OnlineReports als Element der Basler Medienvielfalt.

Die Basler Zeitung und die Volksstimme zogen die OnlineReports-Nachricht über den Massen-Exodus aus der Parteileitung der FDP Baselland nach.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über die Wahl von Beatriz Greuter zur neuen "Birshof"-Direktorin auf.

Barfi
nahm im Bericht über Waschbären in der Stadt Bezug auf eine OnlineReports-Reportage über Waschbären, die Toronto bevölkern.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Erstmeldung über den Tod des früheren FDP BL-Präsidenten und Untersuchungsrichters Ernst Heimann auf.

Barfi und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Schliessung des Nobel-Restaurants "Schifferhaus" auf.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrer Nachricht über die Absage von Saskia Schenker als FDP BL-Präsidentin auf OnlineReports.

Die NZZ nennt Pionier OnlineReports in ihrem Beitrag über die Finanzierung von Online-Medien.

Die Basler Zeitung und die Basellandschaftliche Zeitung berichteten unter Bezugnahme auf OnlineReports über die Trennung der BVB von zwei Kaderleuten.

Das OnlineReports-Interview mit dem designierten FCB-Besitzer Bernhard Burgener nahmen die Fussball-Plattform 4-4-2.com, die Basellandschaftliche Zeitung und die Schweiz am Wochenende auf.

Telebasel berief sich in seinem Bericht über die Interpellation von "Basta"-Grossrat Beat Leuthardt über den designierten FCB-Präsidenten Bernhard Burgener auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung berief sich in ihrer Meldung über Betriebs-Wegweiser-Posse auf OnlineReports.

Die Schweiz am Wochenende nahm eine OnlineReports-Story über den Gang der BVB ans Bundesgericht wegen einer Auflösung des Arbeitsverhältnisses auf.

In ihrem Bericht über den Streit um die schmale Treppe im neuen Gelterkinder Hallenbad bezogen sich die Basler Zeitung und die Volksstimme auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung griff die OnlineReports-Recherche über markante bauliche Veränderungen im Nord-Teil des Basler "Dreispitz"-Areals auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Ruedi Illes wird ab 1. Juli neuer Leiter der Sozialhilfe Basel-Stadt und damit Nachfolger von Nicole Wagner.

• Für die Ende Jahr zurücktretende Beatrice Inglin-Buomberger sollen sich die Juristin Elisabeth Burger Bell und der Ökonom Thomas Riedtmann in derkommenden sechsjährigen Amtsdauer in der Funktion der Ombudsstelle teilen.

• Das dreitägige Hafenfest zum 75-jährigen Bestehen der Hafenanlagen in Birsfelden lockte mit seinen vielseitigen Attraktionen rund 40'000 Besuchende an.

Peter F. Rapp (71) tritt als Verwaltungsrats-Präsident der Rapp-Gruppe zurück und übergibt die Funktion Daniel Kramer (58), der dem Verwaltungsrat seit vergangenem Jahr angehört.

• Nach Auswertung der Erfahrungen aus dem ersten Jahr hat der Allschwiler Gemeinderat entschieden, die separate Kunststoffsammlung per 2018 definitiv einzuführen.

• Nach zwei Tarifsenkungen in den Jahren 2015 und 2016 erhöhen die IWB die Erdgastarife diesen Monat: Biogas-Erdgas um 0,8 Rappen pro Kilowattstunde für die Kunden im Kleinbezugstarif (Gas zum Kochen und für Durchlauferhitzer) und um 1 Rappen pro Kilowattstunde im Allgemeinen Tarif (Gas zum Heizen).

• Der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland hat die Volksinitiativen "Bildungsressourcen gerecht verteilen und für das Wesentliche einsetzen!" und "Stopp dem Abbau an den öffentlichen Schulen!" eingereicht.

• Dank eines Jahresgewinns von 107 Millionen Franken können die Industriellen Werke Basel (IWB) dem Kanton Basel-Stadt eine Gewinnausschüttung von 37 Millionen Franken (Vorjahr: 20 Millionen Franken) abliefern.

• Der 24-jährige Kleinbasler Marco Natoli ist als Nachfolger von Patrick Huber neuer Präsident der Jungen CVP Basel-Stadt.

• Die LDP Riehen/Bettingen nominiert Daniel Hettich als Kandidat für die kommenden Wahlen in den Riehemer  Gemeinderat.

• Per 1. Januar 2019 stellen die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) neu auch das Fahrpersonal der Buslinie 50 ("Flughafen-Bus"), die bisher durch das PostAuto-Fahrpersonal betrieben wurde.

• Das Beschaffungsvolumen der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion fiel letztes Jahr mit rund 117 Millionen Franken gegenüber den Vorjahren "eher bescheiden" aus, wobei 60 Prozent auf Bau- und 30 Prozent auf Dienstleistungsaufträge entfielen.

• Ab 1. Januar 2018 soll die "Sanitätsnotrufzentrale beider Basel" (SNZbB) für die Entgegennahme von Notrufen und die Disposition der Einsätze in der Region verantwortlich sein, wodurch die bisherigen Zentralen der Sanität Basel und des Kantonsspitals Baselland zusammengelegt werden.

• Die Basler Ethnologin Tabea Buri wird als Nachfolgerin von Dominik Wunderlin neue Leiterin der Abteilung Europa am Museum der Kulturen Basel (MKB).

Manuela Hobi ist die neue Präsidentin der Sektion CVP Grossbasel Ost, dies als Nachfolgerin von Andreas Peter.

Anna Wegelin, bisher Leiterin Marketing und Kommunikation bei Pro Senectute beider Basel, wird ab 1. Juni "Head of Communication" beim Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut.

• Statt mit einem budgetierten Defizit von knapp zwei Millionen Franken schliesst die Rechnung 2016 der Stadt Liestal mit einem Verust von 950'00 Franken ab.

Stephan Bachmann, Direktor des REHAB Basel, ist von der Mitgliederversammlung zum Präsidenten der "Basler Privatspitäler-Vereinigung" gewählt worden.

• Die "Basler Zeitung" erhöht ihren Jahresabonnements-Preis von 466 auf 485 Franken.

• Das Kunstmuseum Basel besetzt per 1. Mai drei Stellen neu: Daniel Kurjaković übernimmt den neu geschaffenen Posten des Kurators Programme, Anita Haldemann wird Leiterin des Kupferstichkabinetts, und Ariane Mensger wird Kuratorin am Kupferstichkabinett.

• Der 56-jährige Renzo Simoni, bis im Juni noch CEO der AlpTransit Gotthard AG, wurde als neues Mitglied in den Verwaltungsrat der Gruner AG gewählt.