Aurel Schmidt: "Seitenwechsel"

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Sprache dient der Kritik und der Kontrolle

Immer häufiger kommt es vor, dass ich mich frage, ob die Welt immer noch die gleiche ist wie eh und je und ich mich unbemerkt verändert habe, oder ob im Gegenteil die Welt sich gewandelt hat und in der Ferne davoneilt, während ich mit meinen Meinungen und Ideen stehengeblieben und von der Zeit überholt worden bin.

Dass die Welt sich ändert, gehört zu ihrem Lauf. Nichts bleibt stehen. Neue Entwicklungen erfordern neue Sprachen, Methoden, Abläufe. Manchmal muss man seinen Standpunkt ändern, weil sich die Verhältnisse verschoben haben, aber manchmal darf man es auf keinen Fall tun, wenn man nicht mit der Meute heulen will.

Unabhängig bleiben heisst, sein Weltbild durch einen Maelstrom der Ansichten zu navigieren. Ich kann mich irren, aber auch recht haben. Die Anderen auch. Die Einsichten stellen sich erst später ein.

Sind die Werte der Aufklärung noch aktuell oder haben sie ihre Relevanz verloren? Denunziert werden sie seit Langen und erstaunlicherweise im selben Mass, wie sich die Welt kannibalisiert. Die Vernunft versucht, Massstäbe zu setzen und vor Ressentiments, Obskurantismus und Fundamentalismus zu bewahren. Das geschieht manchmal durch Distanzierung, manchmal auch durch Lachen.

Nie haben wir den Skeptizismus mehr gebraucht als heute. Aber er ist eine schwache Position in der Welt der Entschlussbereiten, die die Welt in ein Schema pressen wollen, das nur ihren eigenen Vorstellungen entspricht.


"Chatbots mischen sich in die Diskussion
und heizen sie in unerwünschter Weise an."



D
er Multikulturalismus ist zur neuen Kampfzone geworden wie der Freihandel mit den USA. Der Markt regelt alles, aber vor allem die Anliegen derer, die ihre Interessen durchsetzen. In den "failed states" sehen wir, was beim "freien Spiel der Kräfte" herauskommt. Wir sagen Sicherheit und betreiben Demokratieverzicht, aber warum nicht, nachdem die Einflüsterer uns weiszumachen versuchen, dass es uns auch ohne Demokratie sehr gut geht. Ja, vielleicht. Aber wer weiss, was noch kommt. Denn wenn es ohne Demokratie geht, kann sich auch der Wohlstand erübrigen, der nur ein ephemeres Phänomen ist, und dann ist beides weg.

R
eligion, Popkultur, die Finanzindustrie, Silicon Valley, die Werbung haben die Begriffe kolonialisiert und ein gleichförmiges, usuelles Denken installiert, das kaum Aussicht auf Kommunikation zulässt. Viktor Klemperer hat in seinem Buch "LTI" über die Sprache des Dritten Reichs aufgezeigt, wie das geschehen kann, während Edward Bernays in "Propaganda" über die "Kunst der Public Relations" darin eine absichtliche und unumgängliche Manipulation im Dienst der herrschenden Klasse gesehen hat.

Wer bisher dachte, dass Diskussionen und konträre Ansichten erforderlich sind, um die beste Lösung für alle herauszufinden, sieht sich entttäuscht. Heute stellen wir fest, wie wir in autoritäre und bald totalitäre Verhältnisse rutschen, wenn wir darauf verzichten, meist aus Gedankenlosigkeit oder Gleichgültigkeit. Um die Sache auf die Spitze zu treiben, sollte in diesem Zusammenhang unbedingt an die Shitstorms im Netz erinnert werden und besonders daran, wie Chatbots sich in die Netzwerk-Debatten einmischen und sie anheizen können, ohne dass es gemerkt wird.
 
Wenn die verbale Kommunikation uns abhanden kommt, fehlen uns die Mittel, um uns zu verteidigen. Sprache ist Kommunikation, aber auch Kontrolle und Kommando. George Orwell hat in seinem dystopischen Roman "1984" vorgeführt, wie durch Reduktion der Zahl der Wörter und die Vereinfachung der Sprache der "Bewusstseinsspielraum" eingeschränkt und es unmöglich wird, einen Sachverhalt kompetent auszudrücken. Newspeak nannte er es, Neusprech. Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal seinerseits hat in seinem neuen Roman "2084", der Orwells Werk fortführt, den Gedanken aufgegriffen. Die Sprache wird bei ihm durch das "Modul der Religion" geleitet, bis sie die Funktion einer Gehirnwäsche annimmt und "amorphe Gläubige" hervorbringt.

Soweit muss man heute gar nicht gehen. Die beschränkte Sprache von Twitter und der normierte Kommunikations-Austausch in den Sozialen Medien leistet einen Beitrag an die grosse Vereinheitlichung des Denkens und der Meinungsbildung, denen sich die Menschen freiwillig unterziehen, wegen der kleinen damit verbundenen Vorteile.

Es ist vielleicht schwierig zu verstehen, aber die Sprache kann das Denken befreien und zu geistigen Höhenflügen motivieren, aber ebenso auch standardisierte Verhältnisse begünstigen. Das liegt an der Ambivalenz der Sache. Die positiven Aspekte sind so gross wie die negativen. Alles ist möglich, heute aber in einem verwegenen falschen Sinn. Wenn wir wollen, können wir zuschauen, wie ein Denkmonopol im Entstehen begriffen ist und die Widerstandskräfte nachlassen, wenn es nur eine Hauptmeinung gibt und alles davon Abweichende des Teufels ist. Am Ende sind wir von der abgerichteten Sprache abhängig geworden und nicht mehr in der Lage, zur Kenntnis zu nehmen, was tatsächlich um uns herum geschieht.

27. Juni 2016
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Aurel Schmidt, Jahrgang 1935, war bis Mai 2002 Redaktor der "Basler Zeitung" (vorher "National-Zeitung"). Er war mitverantwortlich für das jeden Samstag erscheinende "Basler Magazin" und verfasste zahlreiche philosophische Essays, Reise-Reportagen, Kommentare und Kolumnen. Schmidt, der heute als Schriftsteller und freier Publizist in Basel lebt, machte sich auch als Autor mehrerer Bücher einen Namen: "Der Fremde bin ich selber" (1982), "Wildnis mit Notausgang. Eine Expedition" (1994), "Von Raum zu Raum. Versuch über das Reisen" (1998). Ausserdem liegen vor: "Lederstrumpf in der Schweiz. James Fenimore Cooper und die Idee der Demokratie in Europa und Amerika" (2002), "Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden" (2006), "Auch richtig ist falsch. Ein Wörterbuch des Zeitgeists" (2009). Zuletzt erschienen: "Die Alpen. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte" (2011).

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aurel.schmidt@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Vor allem in der Politik zu finden"

Die von Schmidt aufgezeigte Problematik ist insbesondere in der politischen Auseinandersetzung vorhanden. Ob sie allerdings neuerer Art ist, weiss ich nicht. "Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann" stammt zwar von Shakespeare, zeigt jedoch, dass die Sprachmanipulation, das Uminterpretieren der Bedeutung älteren Datums ist. Das Verändern der Sprache, so dass die Aussage der eigenen Ideologie entspricht, findet sich nicht nur – wie der von Luethi erwähnte Gutmensch – auf der politischen Rechten, sondern auch auf der ideologisch linken Seite wie etwa "Steuergeschenke" oder "Rentenklau". Da lob ich mir die politische Mitte, welche ihrem liberalen Verständnis entsprechend versucht, konstruktiv und sachlich zu argumentieren.


Hans Rudolf Bachmann, Basel



"Von der SVP geprägte Begriffe"

Das erinnert mich an den Einzug der von der SVP geprägten Begriffe mit den Affixen "Kuschel-" und "Schein-" in unserer alltäglichen Politiksprache. Der Begriff "Gutmensch" ist darüber hinaus ein besonders übles Exemplar …


Steffi Luethi-Brüderlin, Grossrat SP, Basel


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"2018 - ein schwieriges Jahr für die Basler Vekehrsbetriebe BVB"

Regionaljournal Basel
vom 6. Mai 2019
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Sie verloren sogar Buchstaben.

Frisch pubertiert

Nicht nur "fräch und härzig"
RückSpiegel


Die Basler Zeitung äusserte sich in einer Gerichtsberichterstattung über einen "Sexverbrecher" (so die BaZ) kritisch über OnlineReports.

Telebasel und die Basler Zeitung bezogen sich in ihren Berichten über das Bordell in der Schillerstrasse auf einen OnlineReports-Bericht.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung, 20 Minuten, die Nachrichtenagentur SDA, das SRF-Regionaljournal und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über den Unfall an der Parking-Baustelle beim Kunstmuseum auf.

Die OnlineReports-Recherche über die Zukunft des Basler "Viertel-Kreis" wurde von der Gundeldinger Zeitung aufgenommen.

Die Nachrichtenagentur SDA nahm die OnlineReports-News über die Berufung im Fall des pädophilen Sekundarlehrers auf.

Die OnlineReports-Nachricht des Todes von Hannes Bertschi wurde von der Basler Zeitung, für die der Verstorbene auch gearbeitet hat, aufgenommen.

Die BZ Basel, Telebasel, das Regionaljournal, die SDA und die Basler Zeitung zogen die OnlineReports-Recherche über den Verzicht auf den Bau eines Forschungszentrums beim Basler Augenspital nach.

Telebasel, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen den OnlineReports-Primeur über die Massenkündigung von Mietern der Hochhäuser am Basler Schorenweg auf.

In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).

Anna Holm wird Präsidentin der Juso Baselland, Jasmine Bosshard und Noam Schaulin firmieren als Vizepräsidium.

• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.