Aurel Schmidt: "Seitenwechsel"

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Wie Politiker die richtige Welt falsch erklären

Nach jedem radikalislamischen Anschlag bekommen wir die auffallend gleichen, sich wiederholenden Aussagen zu hören. Es scheint ein Zeichen der Hilflosigkeit  zu sein, mit dem Ungeheuerlichen fertig zu werden, für das die Worte fehlen. Manchmal hat die Sprache auch eine beabsichtigte sedative Wirkung. Ruhig bleiben. Keine Aufregung. Blumen deponieren. Alles im Griff.

Von "feigen" und "barbarischen" Anschlägen ist die Rede, was natürlich nicht unrichtig ist, obwohl der repetitive Sprachgebrauch vieles offen lässt. "Die Terroristen werden nicht gewinnen" – und doch wiederholen sich die Anschläge. "Wir werden die offene Gesellschaft und freiheitliche Lebensform nicht aufgeben" – bis zum nächsten Mal. Wir müssen lernen, mit dem Post-Terror zu leben – müssen wir wirklich?

Die Sicherheitsmassnahmen werden verschärft, in den Bahnhöfen patrouillieren bewaffnete Einheiten. Dann ereignen sich die nächsten Anschläge eben an Orten, an die bis dahin niemand gedacht hat.

Unterdessen werden wir alle von unseren Behörden auf Schritt und Tritt getrackt, während die potenziellen Täter frei herumlaufen und wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Urheber der bisherigen Anschläge ungehindert in Europa zirkulieren konnten.
 
Dass sie alle den Sicherheitsbehörden längst bekannt waren, dafür hat der deutsche Journalist Sascha Lobo kürzlich den erdrückenden Nachweis erbracht. Wenn sie aber schon auf dem Radar waren, dann erübrigt sich, die Überwachung auf die gesamte Bevölkerung zu erstrecken und zu verstärken, wie es nach jedem Anschlag mit beschwörendem Nachdruck angekündigt wird, und dann müssen für die verübten Terrorakte andere Motive in Frage kommen, die unausgesprochen bleiben sollen.

Genau diese Überlegung hat der australische Autor John Pilger angestellt. Der oder die Urheber der Anschläge könnten Menschen gewesen sein, meinte er, die sich gegen die autokratischen Machtverhältnisse in den Ländern ihrer Herkunft ebenso gewehrt hätten wie gegen den "ökonomischen Terror" des Westens. Zwischen dem einen und dem anderen besteht ein heimlicher Zusammenhang. Demnach wären es primär keine religiösen Gründe gewesen, die als Ursache für die Anschläge in Frage kommen.


"Westliche Politik hat alles versucht, einen
modernen Pan-Arabismus zu verhindern."



Z
wischen verschiedenen arabischen beziehungsweise islamischen Ländern und dem Westen, vor allem den USA und Grossbritannien, floriert ein milliardenschwerer Waffenhandel. US-Präsident Trump lobte das "wunderschöne Kriegsgerät", das sein Land anzubieten habe. Damit kann auf Grund einer zynischen Kollaboration in vielen Ländern jeder geringste Widerstand gebodigt werden.

Seit jeher bestand das Ziel der westlichen Politik darin, jeden Ansatz eines aufstrebenden modernen, säkularen Pan-Arabismus mit Hilfe der regierenden Herrscherhäuser zu verhindern, die Länder zu destabilisieren und für den westlichen Einfluss zu öffnen: Afghanistan, Irak, Syrien, Bahrein, Libyen, Syrien, jetzt Jemen, als nächstes Katar und der Iran. Die Folgen tragen die Opfer der Anschläge in Europa.

An dieser Theorie ist etwas dran. Doch lässt sich auch dagegenhalten, dass die grösste Zahl der Opfer von radikalislamischen Anschlägen in den Ländern zwischen Libyen und Pakistan zu verzeichnen ist wie zuletzt in Kabul und Teheran und auf innerislamische Konflikte zurückgeht.

Eine seltsame Fügung will es, dass wir den fast identischen Diskurs wie nach den angeblich islamistischen Terrorakten jetzt erneut zu hören bekommen haben, als Donald Trump aus dem Pariser Klima-Abkommen von 2015 ausgestiegen ist. "Diese Entscheidung kann und wird uns alle nicht aufhalten", richtete Bundeskanzlerin Merkel auf. "Entschlossener denn je werden wir alle Kräfte bündeln" – ungefähr wie gegen den islamistischen Terror?

Der Entschluss, das Pariser Abkommen zu verteidigen, sei "unumkehrbar", sagte sie auch. Das ist, wie etwa "alternativlos", ein Ausdruck aus dem bevorzugten Wortschatz der Kanzlerin, auch wenn er genau genommen auf Margaret Thatchers "There ist no alternative" zurückgeht. So zu reden ist gefährlich, selbst wenn man potenziell recht hat, denn man muss auch eine Meinung ändern können, wenn sie sich als falsch erwiesen haben sollte.

Das Klima-Abkommen war keineswegs das Glanzstück, als das es hochgepriesen wurde. Jedem Land bleibt es überlassen, selbst zu entscheiden, welchen Beitrag es leisten will. Erst wenn fünfzig Staaten es ratifiziert haben und frühestens 2020 tritt es überhaupt in Kraft. Doch längst hat sich in den USA die Zivilgesellschaft gegen Trump gestellt und haben mehrere Bundesstaaten erklärt, die beschlossenen Vereinbarungen einzuhalten. Ohne Trump. Auch gut.

Unterdessen bröckelt die deutsche Entschlossenheitsfront. Der "Berliner Kreis" der CDU/CSU hat sich gegen die "moralische Erpressung" durch die Klimaforschung und für eine Anpassung an die Verhältnisse ausgesprochen. Anpassung ist stets ein jämmerliches Ansinnen. Aber wie durch ein Wunder geisterte unlängst die Meldung durch die Medien, dass der zur Salzwüste erstarrte Aralsee im Begriff sei, sich zu erholen. Sollte das keine Fake News sein, wäre es eine erfreuliche Neuigkeit.

12. Juni 2017
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Aurel Schmidt, Jahrgang 1935, war bis Mai 2002 Redaktor der "Basler Zeitung" (vorher "National-Zeitung"). Er war mitverantwortlich für das jeden Samstag erscheinende "Basler Magazin" und verfasste zahlreiche philosophische Essays, Reise-Reportagen, Kommentare und Kolumnen. Schmidt, der heute als Schriftsteller und freier Publizist in Basel lebt, machte sich auch als Autor mehrerer Bücher einen Namen: "Der Fremde bin ich selber" (1982), "Wildnis mit Notausgang. Eine Expedition" (1994), "Von Raum zu Raum. Versuch über das Reisen" (1998). Ausserdem liegen vor: "Lederstrumpf in der Schweiz. James Fenimore Cooper und die Idee der Demokratie in Europa und Amerika" (2002), "Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden" (2006), "Auch richtig ist falsch. Ein Wörterbuch des Zeitgeists" (2009). Zuletzt erschienen: "Die Alpen. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte" (2011).

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(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Die Logik der Ressourcenjäger"

Aurel Schmidts Hinweise sind lehrreich. Mit "lehrreich" meine ich: Sie sind umfassend begründbare Lehrsätze über jenes "Politische", welches so tut, als habe es alles und jedes "abgeklärt".

Was den Nahen Osten, was die arabische Welt, was den Iran oder Afghanistan betrifft: Ich erinnere mich schon noch, dass die NZZ einmal den ohne (west)idelogische Verbrämung informierenden , die israelische Grossmachtpolitik keineswegs verherrlichenden, den Öl- und Gaszusammenhang von "Bündnissen" aufklärenden Arnold Hottinger über diese Weltgegend, vor allem auch über sehr viel Menschliches daraus berichten liess. Tempi passati.
 
Heute wird leider so ziemlich in allen westlichen Medien, allen voran in den überregionalen deutschsprachigen (sieht man in Europa insgesamt von "The Guardian" und "Le Monde" sowie "El Pais" ab) so getan, als ob die zwei oder drei den Nachrichtenfluss nach wie vor beherrschenden Nachrichtenagenturen "die Wahrheit" über das Arabische und über den nahen Osten verbreiten würden. Sie verbreiten aber bloss das, was man die Logik der Ressourcenjäger und deren "Investoren" des Westens nennen könnte.

Deshalb sind Aurel Schmidts Sätze darüber lehrreich, finde ich. Lehrreich sind auch seine Bemerkungen über Frau Merkels "Speech". Warum wird da nicht wirklich nachgefragt? Anders gesagt, an einem aktuellen Beispiel dargestellt: Hat der massive Skandal der bewusst auf Täuschung und Fälschung eingerichteten Software bei den Abgaswerte so ziemlich aller deutschen Autohersteller nichts mit der Politikdarstellung der CDU-Kanzlerin zu tun? Nein? Oder doch: Ja, natürlich hat es damit zu tun.

Politikdarstellung: Es wird verbal dargestellt. Der Unterschied zu den neofaschistischen und rassistischen Sprüchen der so genanten "Rechtspopulisten" besteht in der Wortwahl, in der Zielsetzungsangabe. Etwa in der fortgesetzten verbalen Beschwörung des Ökologischen. Oder die Migrationsproblematiken betreffend. Was allerdings nicht bedeutet, dass Merkel und andere wirklich eine Politik herstellen und ausführen, die ihren Worten auch nur annähernd entspricht. Das ist nachgerade eine Binsenwahrheit geworden. Der Abgasskandal in Deutschland illustriert diese Aussage deutlich.

Einer der Hintergründe: Wer zahlt, befiehlt halt auch. Wer die Wahlkämpfe bezahlt, wer gewisse Parteien mit finanziellen Mitteln überhäuft, bestimmt auch das Umsetzen respektive das NICHTUMSETZEN der "Speeches" von Politikerinnen und Politikern. Diesen letzten Satz will ich dem vortrefflichen Text zum Thema von Aurel Schmidt anhängen.


Alois-Karl Hürlimann, Barcelona


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Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

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"Sabine Pegoraro vor Bekanntgabe des Rücktitts"

OnlineReports.ch
Anriss vom
12. Februar 2018
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Schickt den Autor ins Sittenlager!

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.