Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Die Angst geht um: Heidi mit Burka

Heidi kann einpacken. Nicht diese Dame mit den gemeisselten Wangenknochen und den schwarz gemalten Augenhöhlen natürlich, sondern das Mädchen mit den Zöpfen aus den Bergen und dem Alpöhi. Einpacken kann das Heidi, weil sie uns überfremden, all diese Einwanderer anderer Nationalitäten. Die Angst geht um, die Angst davor, dass das Heidi in Bälde mit Burka rumläuft und der Alpöhi seine Haare als Hahnenkamm stylt. Dass wir Schweizer bei uns zu Hause die Fremden sein werden, das ist es, was wir fürchten.

Auch das Tessin hat Angst. Vor allem vor den italienischen Nachbarn. Die arbeiten billiger und machen den Markt kaputt, den tessinerischen. Und südlich der Schweiz schimpfen sie über die Chinesen, die den Markt kaputt machen, den italienischen. Aber lassen wir das. Jedenfalls kommt alles Böse im Tessin aus Italien, Flüchtlinge und Schleierfrauen und Automechaniker und muratori, deshalb wird verboten, was geht, die "Lega dei Ticinesi" hat Zulauf wie nirgendwo sonst, ein einig Volk von Fremdenhassern, diese Ticinesi.

Es sei denn, die Überfremder kommen aus ännet dem Gotthard. Denn die Tessiner sind bei Lichte betrachtet allerhöchstens noch in den Bergen unter sich, vorausgesetzt, dass es dort keine Geissenkäsli produzierende Aussteiger aus dem Norden hat.


"Wer Flüchtling spielt, ohne es zu sein,
gehört weg, denn das ist Bschiss."



Am Lago Maggiore sind wir Nordlichter fast ganz unter uns. Eher müssen wir Svizzeri in der Schweizer Sonnenstube Hochdeutsch sprechen als Italienisch, denn egal wo, ob im Restaurant, im Spital, in der Ladenmeile – man spricht Deutsch, ist oft Deutscher oder Deutsche, Zürcher oder Bernerin, und wird von ebensolchen bedient, behandelt und zur Kasse gebeten. Die schwarze Tafel vor der Beiz in Brissago preist "Wurstsalat mit Pommes" an, und bald hängen die Kneipen wieder blau-weisse Fähnchen aus den Fenstern, klar doch, Oktoberfest. Die Zeiten, als die Grotti mit Polenta oder Risotti Liebhaber aus dem Norden anzogen, sind vorbei. Rahmschnitzel mit Spätzle, das ist die Devise.

Die Devise bestimmt, wer Devisen bringt. Auch in Interlaken drüben. Schleierfrauen? Kein Problem, solange sie im "Viktoria Jungfrau" nächtigen und sich mit Luxusmarken eindecken. Aber wehe ihnen, sie gehören einer andern sozialen Schicht an. Ein Mädchen mit Kopftuch aus Thun, gleich neben Interlaken, wird kaum in die Schule gelassen. Das war halt wohl kein "Hermes"-Foulard, was sich die junge Frau da um den Kopf gebunden hatte. Und ohne Devisen keine Perspektiven.

Bref, die Identität, die schweizerische, verlieren wir offenbar nur, wenn mit dem sich in die Schweiz verirrt Habenden kein Geschäft gemacht werden kann. Kann er tüchtig gemolken werden, dann passen wir uns an wie ein Chamäleon. Stampfen im puritanischen Basel die gleichen überladenen Weihnachtsmärkte aus dem Boden, wie sie in süddeutschen Landen Tradition haben, mit Dresdner Stollen und Schwarzwälder Räuchermännchen. Authentizität, Identität? Pfeif drauf, solange der Rubel rollt. Käuflich sind wir, nichts anderes. So wie die, die hier her kommen, um Geld zu verdienen. Ob Kaderleute oder Wirtschaftsflüchtlinge, es dreht sich alles um den Mammon.

Das ist legitim und weder gut noch schlecht. Wir dürfen alle rechnen, und müssen dies auch, vor allem aber müssen wir es uns eingestehen. Es geht ums Geld, nicht ums Schweizer Kreuz. Das ist der entscheidende Punkt bei der Lösung der Problematik der Menschenmassen, die derzeit über Europa hereinbrechen.

Für verfolgte Leute sind wir da. Alle andern aber sind keine Flüchtlinge. Die haben hier eine Aufenthaltsbewilligung zu beantragen, und dann schauen wir, ob wir sie brauchen können. Wer Flüchtling spielt, ohne es zu sein, gehört weg, denn das ist Bschiss. Hier jahrelang herum hängen, Geld nach Hause schicken, und im Land, in dem sie verfolgt sein wollen, Ferien machen – das geht gar nicht. Rasche Prüfung und rasche Ausweisung aller, die da tricksen. Und Hilfe für die andern.

Es ist ein rein ökonomischer Ansatz, mit Identitätsverlust hat das nichts zu tun. So rasch lassen die Schweizer sich ihre Identität nicht nehmen. Das Heidi isst längst Spaghetti und Sushi statt Röschti mit Chäs. Und der Alpöhi spielt Trompete in einer Jazzband. Und beide fühlen sich sehr, sehr schweizerisch.

31. August 2015
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitet als Juristin auf dem Gebiet des geistigen Eigentums und ist Präsidentin der CVP Basel-Stadt. Sie geniesst es, ergänzend zu den von ihr täglich verfassten sachbezogenen und ernsthaften Eingaben und Verträgen in dieser Kolumne persönlich und emotional sein zu dürfen. Andrea Strahm gehörte während neun Jahren dem Vorstand des Neutralen Quartiervereins Neubad an, davon zwei Jahre als Co-Präsidentin. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel.

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Veranstaltungs-Hinweise


BEREDETE LITERATUR
UND ELOQUENTE POLITIK

Eine wortgewandte Sonntags-Matinée
So. 13. September 11 Uhr
im «Barakuba», Gundeldingerfeld

Die Autoren Martin R. Dean, Sandra Hughes und der Slam-Poet Laurin Buser präsentieren einen Text, die Basler SP-Nationalrats-Kandidat_innen reagieren darauf und kommen mit ihnen ins Gespräch.


SARA SERIO IN CONCERT
Freitag, 25. September, 20 Uhr
Sporthalle Bettingen, Hauptstrasse 105.
Die Schweizerin mit italienischen Wurzeln singt italopop mit Tiefgang.
Zum Auftakt des Erntedankwochenendes (Credo 2015, Feste feiern)
der Kirche Bettingen.

Vorverkauf: Infothek Riehen + Dorflaade Bettingen

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"Ich möchte eine Lanze brechen für all jene, die vor Somm schon dort waren – unter anderem für mich."

Philipp Loser
im SRF-Regionaljournal
über die "Basler Zeitung"
vom 27. August 2015
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Wer findet sich selbst schon nicht der Beste!

RückSpiegel


20 Minuten bezog sich im Bericht über Probleme mit Musliminnen im Basler Frauenbad Eglisse auf OnlineReports.

Telebasel widmete dem Alzheimer-Outing von OnlineReports-Kolumnistin Corina Christen eine beinahe halbstündige Sendung.

Markus Somm, Chefredaktor der Basler Zeitung, ging in seinem Artikel zu den Angriffen seiner Zeitung auf SVP-Nationalrat Sebastian Frehner ausführlich auf einen Kommentar von OnlineReports ein.

Telebasel und Barfi.ch nahmen die OnlineReports-Recherche über künftige Regime-Änderungen im Frauenbad Eglisee wegen der Dominanz muslimischer Besucherinnen auf. Der Artikel hatte im Netz eine enorme Resonanz.

20 Minuten online nahm im Artikel über die Trennung von Sebastian Frehner und Joël Thüring Bezug auf einen Bericht in OnlineReports.

Die OnlineReports-Erstmeldung über den Tod von EBL-Präsident Reinhold Tschopp nahmen die BZ online, TeleBasel und die Volksstimme auf. Das Radio-Regionaljournal unterliess die Quellen-Nennung.

Die OnlineReports-News über die "Pepita"-Bann im Basler Universitätsspital nahm das Radio-Regionaljournal, Blick online und die Volksstimme auf.

Im Nachzug zur Story über den ohrfeigenden Basler Drämmliführer hat der Blick am Abend OnlineReports etwas gar diskret als Quelle genannt.

Die Basler Zeitung und die BZ zogen die OnlineReports-Story über die Verhaftung des serbischen Schriftstellers Aleander Dorin nach.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über einen Raufhandel in der Freien Strasse auf.

Blick online
und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-Story über den ohrfeigenden Basler Drämmli-Chauffeur auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz

• Die Basler Regierung hat für die kommenden zwei Jahre je zwei zusätzliche Veranstaltungstage für das Basel Tattoo bewilligt, weil sich durch den Wegfall von drei Nachmittagsveranstaltungen die Gesamtzahl der Vorstellungen um eine reduziert.

• Turnusgemäss übernimmt "Basta" in der Person der Basler Grossrätin Sibel Arslan das Präsidium der Fraktion "Grünes Bündnis".

• Die Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker Späh, Vorsteherin der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich, wird auf 1. Januar 2016 Mitglied des Verwaltungsrates der MCH Group AG.

• In der Nähe des Basler Spalentors wird ein Brunnen nach dem weltbekannten Philosophen Friedrich Nietzsche benannt, der von 1869 bis 1879 in Basel lebte und lehrte.

• Das Hallenbad Rialto nimmt am Montag, 24. August, seinen Betrieb bei leicht angepassten Eintrittspreisen wieder auf, während die Gartenbäder Eglisee, Bachgraben und St. Jakob bis 13. September geöffnet bleiben.

Regula Nebiker und Franz Kaufmann (beide SP) treten kommendes Jahr wieder zu den Liestaler Stadtratswahlen an.

• Die Basler Staatsanwaltschaft hat die Strafverfahren wegen des Polizeieinsatzes gegen eine Demo auf dem basler Messeplatz vom 20. Juni 2014 eingestellt.

• Der bisherige stellvertretende Baselbieter Kantonsarchitekt Marco Frigerio (49) wird ab 1. November 2015 neuer Kantonsarchitekt.

• Die Oberwiler Gemeindepräsidentin Lotti Stokar (Grüne) tritt nach Ende der Amtsperiode nicht mehr zur Wiederwahl an.

• Die Basler BDP hat SVP-Nationalrat Sebastian Frehner aufgefordert, als Folge der Diskussionen um Vorgänge vor vier Jahren als Kantonalpräsident zurückzutreten.

• Die Südtirolerin Elisabeth Frasnelli, langjährige Leiterin der Universitätsbibliothek Bozen und zuletzt Leiterin der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol, wird am 1. November neue Direktorin der Universitätsbibliothek Basel.

• Im Rahmen ihrer Flotten-Erneuerung setzt die Autobus AG Liestal in den kommenden Tagen zwei neue viertürige Gelenkbusse sowie zwei Solobusse auf dem Liniennetz ein.

• Die grosse Hitze in den letzten Wochen zeigte sich in Gelterkinden an der Zunahme des Wasserverbrauchs, der von den üblichen 1'300 Kubikmeter pro Tag auf rund 1'700 Kubikmeter anstieg.

• Eine Petition mit 2'100 Unterschriften haben die Baselbieter Juso gegen die Streichung der staatlichen Beiträge an das Umwelt-Abo eingereicht.

• Mit Unterstützung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) entwickelte die Basler Stadtgärtnerei eine Vorgehensweise zur biologischen Pflege von Rasen, die bereits in 13 Parkanlagen zur Anwendung kommt.

• Die Gemeinde Reinach lässt ihre Strassen dreidimensional filmen, damit der Verwaltung und den beauftragen Planungsbüros detaillierte Informationen über die Strassenmarkierungen, die Signalisationen und den Zustand zur Verfügung stehen.