Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Was Janis Joplin mit Flüchtlingen verbindet

Musik, die einem nachläuft. Penetrant, dauernd die Melodie im Kopf, den Text. Das letzte Mal, als mir das so richtig nachhaltig passierte, ging es um "Lemon Tree" der Beatles. Im Radio geisterte eine neue Coverversion herum, aber was in meinem Kopf spielte, das waren die Pilzköpfe. Schliesslich malte ich den Song, und noch "Norwegian Wood" und "Yellow Submarine", und ich hatte Ruhe.

Seit einigen Wochen nun ist es "Me and Bobby McGee", die Version von Janis Joplin natürlich. Und das kann man nicht malen, denn es geht um den einen Satz, den sie da singt: "Freedom's just another word for nothin' left to lose" – Freiheit also, sei nichts anderes, als nichts mehr zu verlieren zu haben. Und da denke ich dann an die Flüchtlingsströme, an die Abertausenden von Menschen in Lagern, die nichts, wirklich gar nichts mehr haben. Freiheit, die ich meine?

Besitztum als Belastung, ja, das kann man so sehen. Je teurer die Paläste auf dieser Welt, desto höher die Mauern darum herum, desto mehr Kameras, Wachleute, verdunkelte Scheiben. Goldene Gefängnisse. Sie leben in Angst, die Besitzer all dieser Burgen, in Angst um ihr Eigentum und Angst um ihr Leben. Und Angst macht unfrei wie nichts sonst auf dieser Welt.


"Keine Wurzeln, keine Perspektive.
Es ist der absolute Nullpunkt."



Zu Glück gehört Freiheit, zumindest eine im Moment empfundene. Alles aufgeben, raus aus der Burg, weg mit dem Kapitallisten-Zeug, Gitarre auf den Rücken und los marschiert, die Freiheit ruft. Das war damals der Zeitgeist. Es ist nachvollziehbar, dieses Gefühl der Freiheit, ganz ohne Verlustangst.

Wenn Freiheit das ist, was bleibt, wenn es nichts mehr zu verlieren gibt, was ist dann der Verlust der Freiheit nicht durch Wohlstand, sondern Krieg, Terror, Schrecken? Wenn schon alle Besitztümer weg sind? Wer nichts hat, ist ausgeliefert. Hat Hunger, ist vielleicht krank, kein Zuhause, keine Wurzeln, keine Perspektive. Es ist der absolute Nullpunkt.

Nichts zu besitzen und Angst zu haben, da ist gar nichts mehr da, schon gar keine Freiheit. Angst und Freiheit schliessen sich aus. Besitzlosigkeit garantiert keine Angstlosigkeit, somit keine Freiheit.

Wenn wir nun in unseren freien Ländern sitzen, komfortabel gehegt und gepflegt, und Angst haben vor denen, die da ohne nichts daher kommen, sie könnten uns was wegnehmen, dann macht uns unser Besitztum tatsächlich unfrei. Bloss die, die da kommen, haben nichts zu verlieren, und sind trotzdem nicht frei, denn auch sie haben Angst, nicht um ihre Besitztümer, aber um ihr Leben. Das ist doch eine ganz andere Qualität von Unfreiheit. Und doch prallt Angst auf Angst.

Wir stehen in der Verantwortung. Je mehr auch die zu verlieren haben werden, die kommen, desto weniger Angst brauchen wir zu haben und brauchen sie zu haben, und desto freier sind wir alle. Wir geben uns nicht auf, bloss weil wir die humanitäre Tradition der Schweiz nicht aufgeben. Unseren Rechts- und Sozialstaat verteidigen dürfen und müssen wir dennoch, denn er ist auch die Zukunft derjenigen, die bleiben werden. Tun wir dies konsequenter und klarer als jetzt, sinkt das Risiko einer Angst-Reaktion mit hochgefahrenen Mauern. Freiheit für alle im Wissen, dass die Freiheit des einen dort endet, wo sie die Freiheit des andern einschränkt.

Vielleicht habe ich mit diesen Überlegungen "Me and Bobby McGee" und Janis Joplins rauchige Stimme nun aus dem Kopf gekriegt. Ich hoffe bloss, dass der neue Ohrwurm in meinem Kopf nun nicht das allgegenwärtige "Jingle Bells" sein wird. Immerhin: "... laughing all the way" und eine frohe Weihnachtszeit, das wünsche ich Ihnen allen. Und all denen, die nichts haben. Wenigstens ein Lächeln ab und zu, trotz allem.

5. Dezember 2016
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitet als Juristin auf dem Gebiet des geistigen Eigentums und ist Präsidentin der CVP Basel-Stadt. Sie geniesst es, ergänzend zu den von ihr täglich verfassten sachbezogenen und ernsthaften Eingaben und Verträgen in dieser Kolumne persönlich und emotional sein zu dürfen. Andrea Strahm gehörte während neun Jahren dem Vorstand des Neutralen Quartiervereins Neubad an, davon zwei Jahre als Co-Präsidentin. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel.

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"Das Baselbiet will den Atomausstieg und will den Weg zur Energiewende ohne Kompromi."

Grüne Baselland
in einem Communiqué
vom 1. Dezember 2016
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Mindestens ein "s" wäre dem Kompromiss angemessen gewesen.

RückSpiegel


In ihrem Kommentar über "Die Arroganz der Basler Regierung" (Schlagzeile) nahm die Basler Zeitung Bezug auf eine Schilderung in OnlineReports.

SRF online bezog sich in ihrem Bericht über den ASE-Prozent auf OnlineReports.

Für ihre Sendungen "10vor10" und "Schweiz aktuell" holte das Schweizer Fernsehen Statements bei OnlineReports ein.

Die BZ Basel und 20 Minuten online bezogen sich in ihren Artikel über die Basler CVP-Präsidentin Adrea Strahm auf ihre Kolumnen in OnlineReports.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über Platzprobleme des neuen BVB-"Flexity"-Trams am Basler Aeschenplatz auf.

In seinem Bericht über den Anlage-Skandal der ASE Investment ging die Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens auf die Rolle von OnlineReports bei der Enthüllung des Schwndels ein.

In seinem Bericht über das von Handwerker-Autos besetzte Trottoir in der Basler Centralbahnstrasse nahm das SRF-Regionaljournal auf einen früheren OnlineReports-Artikel Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, das SRF-Regionaljournal, 20 Minuten online und die SDA nahmen den OnlineReports-Bericht über die Verurteilung des Rappers Ensy auf.

Die Volksstimme beschrieb, wie Peter Knechtli vor 30 Jahren die Brand-Katastrophe von Schweizerhalle erlebte.

Die NZZ zitierte aus dem OnlineReports-Kommentar zu den Basler Regierungsrats-Wahlen.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über dubioses Geld aus dem malaysischen Staatsfonds 1MDB an Leonardo DiCaprio auf.

Die TagesWoche bezog sich in einem Artikel über Umbau-Probleme im Theater Basel auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung, die Basellandschaftliche Zeitung, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen die OnlineReports-Recherche über verschlampte Lohnausweise im Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement auf.

Die Basler Zeitung verwies in ihren Zusatz-Recherchen über den inhaftierten Basler Dschihadisten A.J. auf die Erstmeldung in OnlineReports.

Die NZZ am Sonntag zitierte OnlineReports in ihrem Artikel über den Tod des Basler Buchhändlers und Verlegers Dieter Hagenbach.

Die Basler Zeitung ging auf das Komfort-Reisli der landrätlichen Personalkommission des Baselbieter ein, die OnlineReports publik gemacht hatte.

Das Radio-Regionaljournal von SRF befragte OnlineReports in seiner Analyse zu den politischen Mehrheits-Verhältnissen in Basel im Vorfeld der Gesamterneuerungs-Wahlen.

In ihrer Meldung über den Brand des denkmalgeschützten Hauses an der Gundeldingerstrsasse in Basel bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über das bedrohte Eglin-Werk im Basler Sandgruben-Schulhaus nach.

20 Minuten
und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-Recherche über den Basler Dschihadisten im Ausschaffungs-Gefängnis aufgenommen.

Die Basler Zeitung und die Basellandschaftliche Zeitung zogen die OnlineReports-News über Dieter Leutwyler als neuer Schlosswart von Wildenstein nach.

Die OnlineReports-News über das Konkursverfahren gegen die Oliver Kreuzer GmbH in Muttenz des ehemaligen FC Basel-Verteidigers wurde von der Basellandschaftlichen Zeitung aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Leila Straumann, die Leiterin der baselstädtischen Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern, übernimmt ab 1. Dezember 2017 das Präsidium der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG).

• Die Stimmberechtigten von Sissach haben sich mit 1‘583 Ja- gegen 985 Nein-Stimmen für den Ausbau der Kunsteisbahn zur geschlossenen Eishalle ausgesprochen.

• Grossrätin Beatrice Isler übernimmt den Vorsitz der CVP-Frauen Basel-Stadt als Nachfolgerin der langjährigen Präsidentin Jenny Ch. Wüst.

• Das Budget 2017 von Riehen lässt bei Ausgaben von 112 Millionen Franken einen Überschuss von rund 0,7 Millionen Franken erwarten.

• Weiterhin gleich bleibende Konditionen für Baselbieter Steuerzahlende: Der Vergütungszins für das Jahr 2017 bleibt bei 0,2 Prozent, der Verzugszins bei 6 Prozent.

• Das aus Vertretern von BDP, FDP, LDP und SVP bestehende überparteiliche Komitee "Nein zum überteuerten Kasernen-Umbau" hat mit knapp 2'900 Unterschriften das Referendum gegen das vom Grossen Rat beschlossene Projekt eingereicht.

Markus Balmer wird neues Mitglied der IWB-Geschäftsleitung und neuer Leiter des Geschäftsbereichs Vertrieb als Nachfolger des kürzlich verstorbenen Patrick Schünemann.

• Die Reinacher Gemeinderätin Bianca Maag-Streit wird ab 1. Januar 2017 Präsidentin des Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG) und damit Nachfolgerin von Peter Vogt, Gemeindepräsident von Muttenz.

• Die Stadt Liestal budgetiert für das Jahr 2017 ein Defizit von 610'000 Franken.

• Die Starke Schule Baselland zieht die Initiative "Ausstieg aus dem überteuerten und gescheiterten Harmos-Konkordat" zurück und reicht im Gegenzug die Initiative "Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen" ein.

• Knapp zwölf Wochen nach Start der Arbeiten ist die Basler Klybeckstrasse ab 29. Oktober für den Tram- und Individualverkehr wieder geöffnet, nachdem die Gleise zwischen Klingentalgraben und Amerbachstrasse ersetzt und die Tramlinien 8 und 17 umgeleitet wurden.

• Der Physiker Martin Eschle (50) wird per 1. Dezember dieses Jahres Mitglied der IWB-Geschäftsleitung und neuer Leiter des Geschäftsbereichs Beschaffung gewählt – als Nachfolger von Bernhard Brodbeck, der die IWB Ende Oktober auf eigenen Wunsch verlässt.

• Der Basler Grosse Rat hat einem Staatsbeitrag von 4,4 Millionen Franken an eine neue Basler Stadtgeschichte mit 70 zu 11 Stimmen (8 Enthaltungen) zugestimmt.

Markus Sennhauser (51) leitet seit Anfang Oktober den Dienst für Prävention der Kantonspolizei Basel-Stadt als Nachfolger von Stefan Gasser, der seit Anfang Juli den Bezirk Kleinbasel der Sicherheitspolizei leitet.

• Die Basler SVP hat mit über 4'800 Unterschiften ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern (Einbürgerungsinitiative)" eingereicht, die unter anderem verlangt, dass keine Kriminellen und Sozialhilfeempfänger eingebürgert werden können und dass kein Rechtsanspruch auf eine Einbürgerung besteht.

• Die Basler Jungsozialisten (Juso) haben ihre kantonale Initiative "Topverdienersteuer – Für gerechte Einkommenssteuern in Basel" bei der Staatskanzlei eingereicht.

• Die "Bau- und Umweltzeitung" der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion erscheint aus Spargründen nur noch in elektronischer Form.

Novartis schenkt dem Kanton Basel-Stadt einen Hafenkran, der bis 2010 im ehemaligen Hafen St. Johann in Betrieb stand.