Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Zweidimensional, geruch- und geschmacklos

Wie das wieder gfäggt het, am "Em Bebbi si Jazz", vulgo "Bebbijazz", unglaublich guter Sound, Funk & Soul in diesem Jahr, da geht die Kolumnistin doch ab wie ein Schnitzel.

Kann nicht still stehen, egal, wer was darüber denkt. Freude und Genuss pur. Jedenfalls war das bis vor kurzem so, das mit dem Abgehen.

Denn zunehmend leuchten links und rechts und vor und vermutlich auch hinter mir bläuliche Rechtecke auf. Da sind Heerscharen damit beschäftigt sind, ihr Handy über die Köpfe der andern zu halten um ein Videöchen zu drehen, krampfhaft bemüht, das ganze Stück hindurch den richtigen Ausschnitt zu treffen und ja nichts zu verwackeln. Sie finden die Musik wohl gut, würden ja nicht filmen sonst, aber sieht so geniessen aus? Was haben die vom Konzert? Wieso tun die das?

Schauen die das dann zu Hause an und rocken im stillen Kämmerlein ab? Oder geht es nur ums Posten im weltweiten Netz, zum Beweis, dass sie irgendwo waren und saumässig den Plausch hatten? Hatten sie ja gar nicht, waren viel zu sehr mit der Technik beschäftigt. Es ist eine Zumutung, diese Filmerei, und ein absoluter Stimmungskiller dazu, all die Handys in der Höhe rundum, denn wer will schon zufällig gefilmt werden in diesem doch intimen Moment des Geniessens.


"Die Handy-Community filmt hemmungslos
und stellt ins Netz auf Teufel komm raus."



Szenenwechsel. Prügeleien, Feuer, Katastrophen, Unfälle. Und sie halten ihre Handys hin, wie die Paparazzi. Spielen Leserreporter, die Gratiszeitung freut's, kriegt Gratisreportagen dank dem unersättlichen Bedürfnis mancher Nullen, doch auch noch irgendwie irgendwer zu sein. Auf Kosten anderer, der Gefilmten, denen, gerade bei Unfällen, geholfen werden müsste, und die eine Intimsphäre hätten, eigentlich. Die anonyme Handy-Community ist gnadenlos, filmt hemmungslos und stellt ins Netz auf Teufel komm raus.

Und sie schnallen die Dinger an die Spiegel im Auto und filmen die andern Verkehrsteilnehmer, an den Skihelm, an Lenker von Töff und Fahrrad, und filmen und filmen, könnte ja mal der grosse Wurf passieren, ein Verbrechen geklärt werden dank der Dashcam vom Fritzli Hugentobler, und der Fritzli wäre dann international auf allen Frontseiten, mit Mikrophonwald vor der Nase. Von oben mit Drohnen, von unten mittels Verlängerungsstöcken, an alles binden sie ihre Mini-Spionier-Kameras. Es scheint nichts reizvoller zu sein, als Szenen von nicht zu überbietender Banalität zu drehen – auf Kosten anderer.

Voyeurismus ist salonfähig geworden und nicht nur das: alltäglich, verbreitet, bald jeder glotzt jeden an, jeder jedem überall rein. Nicht direkt, sondern mit dem Handy, der Dashcam, der Drohne oder einer andern winzigen mobilen Kamera. Das glasige Auge ist überall. Das menschliche auf dem Screen, unbeweglich stierend, Stöpsel in oder Kopfhörer auf den Ohren, die Umgebung nicht mehr hörend, spürend, wahrnehmend. Sondern konsumierend. Das Leben als Konserve.

Dumpf ist das. Kopfkino statt Leben, zweidimensional statt dreidimensional, geruchlos und geschmacklos, letzteres in mehrerlei Hinsicht. Verpassen das Leben, vergessen zu leben, diese Konserven-Esser.

Mir droht übrigens demnächst eine Klage wegen Sachbeschädigung. Schon alleine der Gedanke daran macht Spass. Mit menschlichem Auge liege ich nämlich auf der Lauer, als harmlose Sonnenanbeterin getarnt, und wenn sie wieder heransirrt, die Drohne, wird sie mich dabei filmen können, wie ich anlege, ziele und abdrücke. Und das entsetzte Herrchen wird fassungslos den Chip aus dem kaputten Wrack klauben und zur Polizei gehen.

Denen werde ich was erzählen. Das wird ein erstklassiges Drama, ungefilmt und nicht auf You Tube. Fun Faktor: unbezahlbar.

10. September 2018
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitet als Juristin auf dem Gebiet des geistigen Eigentums und war bis Mai 2017 Präsidentin der CVP Basel-Stadt. Sie geniesst es, ergänzend zu den von ihr täglich verfassten sachbezogenen und ernsthaften Eingaben und Verträgen in dieser Kolumne persönlich und emotional sein zu dürfen. Andrea Strahm gehörte während neun Jahren dem Vorstand des Neutralen Quartiervereins Neubad an, davon zwei Jahre als Co-Präsidentin. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel.

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andreastrahm@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Waffentragschein für Anti-Drohnen-Flab"

Andrea Strahm trifft einmal mehr voll ins Schwarze. "Musche" sagten wir im Dienst. Abhilfe gegen Filmchen-Terror? Zu Hause kann ich immerhin die Vorhänge ziehen. Aber irgendwo unterwegs oder auf der Terrasse? Und zweifellos werden bald auch Drohnen/Handys mit Nachtsicht- oder Wärmebildkameras angeboten, welch letztere durch Vorhänge sehen! Wie nun seinem Recht auf Privatsphäre Nachachtung verschaffen? Ich fürchte, ich würde keinen Waffentragschein für Anti-Drohnen-Flab bekommen. Alternative wäre eine Fliegenklatsche, doch die ist meist zu kurz. Aber vielleicht hilft ein Selfistick zur Verlängerung des Wirkungsradius der Fliegenklatsche?


Rebecca Burkhardt, Basel


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"Als FCB-Goalie mischte Christian Reinwald das Nachtleben auf – heute verdient er sein Geld mit Tauchen und Vögeln"

BZ Basel
Untertitel
vom 14. November 2018
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Eindeutig zweideutig.

RückSpiegel


Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineRepeorts-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Der Basler Zeitung fiel in einem Leserbrief in OnlineReports auf, dass der frühere Baselbieter Polizeisprecher auf der SVP-Liste für den Landrat kandidiert.

Telebasel, nau.ch und 20 Minuten bezogen sich in ihren Beiträgen über Sachbeschädigungen gegen die Jüdische Genossenschafts-Metzgerei auf OnlineReports.

Im Interview mit Claudia Sigel geht die Basler Zeitung auf eine Aussage der Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller in einem OnlineReports-Interview ein.

In ihrem Bericht über das Ja der Wettbewerbs-Kommission zur Übernahme der "Basler Zeitung" durch Tamedia erwähnt die NZZ auch OnlineReports.

Die BZ Basel, Telebasel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-Nachricht vom Tod der FCB-Legende Peter Ramseier auf.

Prime News geht in ihrem Überblick über die Perspektiven des Medienplatzes Basel auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung geht in ihrem Bericht über den "Spagat der CVP-Präsidentin" Brigitte Müller auf ihre Aussagen im OnlineReports-Interview ein.

Die Basler Zeitung, die Basellandschaftliche Zeitung, Prime News und Telebasel zitierten in ihren Berichten zur Baselbieter CVP aus dem OnlineReports-Interview mit Parteipräsidentin Brigitte Müller.

persoenlich.com erwähnte OnlineReports und seine frühere Praktikantin Valerie Zaslawsky im Zusammenhang mit ihrem Weggang bei der NZZ und ihrem Umzug nach Berlin, wo sie als Freie Journalistin arbeitet.

In seinem Artikel über medienpolitische Entscheide der Wettbewerbskommission erwähnt Rainer Stadler in der NZZ auch OnlineReports.

Roland Stark, Kolumnist der Basler Zeitung, nahm in seinem Text über Meinungsvielfalt auf OnlineReports Bezug.

In der Meldung über das neue Basler Nachrichten-Portal "Prime News" bezogen sich die BZ Basel, Nachrichtenagentur SDA und das Branchenmagazin Persönlich auf OnlineReports.

Das SRF-Regionaljournal bezog sich in seiner Meldung über die Selbst-Vergiftung des Basler Museumsdirektors Michael Kessler auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über den Streit der Basler SVP mit ihrem Grossrat Patrick Hafner über Ausstände bei den Mandatabgaben auf.

Das SRF-Regionaljournal und die Schweiz am Wochenende nahmen auf die OnlineReports-Recherche über den durch die Suva verfügten Baustopp am neuen Werkhof in Sissach Bezug.

Die WochenZeitung verweist darauf, dass textfokussierte Nachrichtenportale wie OnlineReports gemäss dem Entwurf des neuen Bundesgesetzes über elektronische Medien nicht in den Genuss einer Bundesförderung kämen.

20 Minuten
entlarvte die von OnlineReports vermeldete Besetzung des Gewächshauses auf dem Dreispitz-Lok-Depot als Scheinbesetzung.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Die Bau- und Raumplanungs-Kommission des Basler Grossen Rates spricht sich für den Neubau von Staatsarchiv und Naturhistorischem Museum im St. Johann-Quartier aus.

Matthias Gysin, heute Verwaltungsleiter in der Gemeinde Aesch, wird ab 1. April 2019 neuer Geschäftsführer des "Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden" (VBLG) und Nachfolger von Ueli O. Kräuchi.

• Das Projekt eines Ozeaniums des Basler Zoos hat mit starkem Wellengang zu kämpfen: Das gegnerische Komitee reichte fast 5'000 Referendums-Unterschriften ein, wodurch es zu einer Volksabstimmung kommen wird.

Yvette Harder wird per 18. März 2019 neue Generalsekretärin des Basler Finanzdepartements und damit Nachfolgerin von Alexandra Schilling, die in die Kommandoabteilung der Kantonspolizei wechselte.

• Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Urs Wüthrich-Pelloli übernahm an der ordentlichen Mitgliederversammlung des Fördervereins Universität Basel von Jean-Luc Nordmann das Präsidium.

• In weniger als sieben Wochen sammelte das parteiunabhängige Komitee "Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park" mehr als 3500 Unterschrift'en für seine Petition.

• Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal für das Jahr 2019 einen Teuerungsausgleich von 1,4 Prozent auszurichten.

Elena Hermann wird neue Leiterin der Staatlichen Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten Basel-Stadt und löst Ernst Jost ab, der per Ende Jahr in Pension gehen wird.

• Das Basler Komitee gegen die kantonale Vorlage zur "Steuervorlage 17", das sich aus linken Parteien und Gewerkschaften rekrutiert, hat 3'300 Unterschriften für das Referendum gesammelt.

Andreas Häner, von 2009 bis 2015 schon Vorstandsmitglied, wird neuer Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes und damit Nachfolger von Paul Dilitz, der nach elfjähriger Tätigkeit in den Ruhestand tritt.

Daniel Roth (61) wird im Baselbiet neuer Leiter des Rechtsdienstes von Regierung und Landrat, als Nachfolger von Hans Jakob Speich, der sich vorzeitig pensionieren lässt.

Irene Heinimann wird neue Baselbieter Kantonsapothekerin und folgt als bisherige Stellvertreterin auf Hans-Martin Grünig, der Ende Dezember in Pension geht.

• Vertiefte Kostenkontrollen zum Umbau der Kunsteisbahn Sissach zur geschlossenen Halle zeigen, dass der Bau bis zu zehn Prozent teurer wird als vorgesehen.

• Der Baselbieter alt Landratspräsident Jürg Degen und der Läufelfinger Gemeindepräsident Dieter Forter sind von "Pro Bahn Schweiz" für ihr Engagement zur Erhaltung des "Läufelfingerlis" mit dem Preis "Premio Pro Spez 2018" ausgezeichnet worden.

Steigende Bildungs- und Sozialkosten belasten das Ergebnis der Gemeinde Reinach, so dass für 2019 ein Defizit von 1,67 Millionen Franken budgetiert werden muss.

Olivier Aebi wird per 1. Februar 2019 neuer CEO des Basler Ingenieur- und Planungsunternehmens Gruner AG und Nachfolger von Kurt Rau ab, der die Gruner-Gruppe interimistisch leitet.

• Aufgrund einer umfassenden Kontrolle der Stadtgärtnerei müssen im Kanton Basel-Stadt 229 Bäume zum grössten Teil aus Sicherheitsgründen gefällt und ersetzt werden; die Liste der betroffenen Bäume wird im Kantonsblatt vom 10. Oktober publiziert.

Andrea Schenker-Wicki, die Rektorin der Universität Basel, ist durch den Universitätsrat für weitere vier Jahre bestätigt worden.

• Am 1. Oktober beginnen in Basel die Vorarbeiten für den Bau des unterirdischen Kunstmuseum-Parkings mit der Umlegung unterirdischer Leitungen.