Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Die Moralpolizei und mein Zeitplan

Im Quartier, in dem ich wohne, haben wir eine Moralpolizei. Die verteilt keine Bussenzettel, sondern böse Blicke, und sagt ganz, ganz laut zu ihren Kindern, dass das, was die Frau da macht, nicht geht. Die Frau da bin ich. Die Konflikte halten sich in Grenzen, weil die Moralpolizei und ich nicht den gleichen Zeitplan haben. Die schlafen noch, wenn ich aufstehe, und ich komme erst heim, wenn die schon drinnen sind und Traumfänger basteln.

Ausser am Samstag. Da wippen fröhliche Väter mit gestrickten Kappen durch die Gegend, ihre Kinder rasen auf Velos ohne Pedale in horrendem Tempo auf dem Trottoir umher, und die Mütter kochen Biokonfitüre, die sind an den Samstagen eher unsichtbar.

An so einem Samstag wollte ich kürzlich einkaufen gehen und wagte mich zögerlich aufs Trottoir, könnte ja ein Skateboard geflogen kommen, und was sehe ich, mein Auto. Was für eine angenehme Überraschung, da hatte offenbar jemand vergessen, es in die Garage zu stellen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ich.

Das Auto also, es zog mich magisch da rein, und ich fuhr zum Grossverteiler. Das wäre eines der Dinge, die die Eltern hier in Lautstärke 48 ihren Kindern als No Go der Frau da anprangern würden, wüssten sie denn, dass ich bloss drei Vierecke weiter zum Konsum fahre.


"Mit Fleisch füttern ist da dann okay,
und impfen auch."



W
er über zwölf und unter 70 Jahre alt ist, fährt Velo. Die über 70-Jährigen fahren Rollator, die unter 12-Jährigen Velo ohne Pedale oder Kickboard, Auto geht jedenfalls nie. Das Konfliktpotential zwischen U12 und Ü70 ist beträchtlich.

Ich also dennoch im Auto, geschützt vor Kickboards und rasenden Knirpsen. Beim Grossverteiler entschied ich mich spontan, mal wieder einen Sonntagsbraten zu machen, und ging zur Metzgertheke. Kein Anstehen, nichts, wunderbar, isst ja alles veganes Bio hier, und so verlangte ich nach einem schönen Kalbsbraten. Einem, der nicht gleich eingeht wie Wolle in der Kochwäsche.

Die Metzgerin war grossartig, wir diskutierten über Schultern hier und Lenden da, ein paar Knochen dazu wollte ich noch, sie machte schier das Rad, hatte schon ewig keiner mehr verlangt. Und so gingen wir glücklich auseinander, ich mit etwa doppelt so viel Braten wie nötig, und sie froh, dass mal wieder eine kam, die nicht bloss ein eingeschweisstes Stück Tofu aus der Kühltruhe zog.

Zuhause lud ich das Auto in Ruhe auf der Strasse aus, hechtete mit der Ware unfallfrei übers Trottoir zur Haustüre, und stellte das Auto in die Garage. Zum Schutz vor fliegenden veganen Fussbällen und Kindervelos aus einheimischem Tropenholz.

Die Moralpolizei will keine Pferde an der Fasnacht, kein Ozeanium, die armen Tiere. Dabei geht es dem Getier nirgendwo besser. Viel besser als den Katzen, die die Moralpolizei für ihre Kinder als Anschauungsmaterial anschafft, Junge kriegen lässt. Gratis abzugeben härziges Tigerli geimpft und entwurmt hängt dann an der Pinwand im Coop.

Mit Fleisch füttern ist da dann okay, und impfen auch. Anders als bei den Kindern, die werden höchstens entwurmt, bei all den Bioäpfeln. Dafür monatlich zum Arzt geschleppt zwecks Bestimmung des Vitamin B und so weiter, essen ja kein Fleisch, und haben keine Franchisen-Probleme.

Die veganen Kinder ziehen die Katze am Schwanz. Stecken sie in Puppenkleider und in den Rucksack. Und binden ihr eine Glocke um den Hals, die dauernd bimmelt, wegen den armen Vögelein, Katze mit Tinnitus. Und Rennmäuse verhungern in Glaskäfigen, Hamster verirren sich in Zwischenwänden oder werden draussen von Füchsen gefressen, irgendwann findet sich irgendwo ein Skelett. Bio vegan, gegen Tierversuche.

Anders als die Frau da. Ich glaube, ich kaufe mir doch einen Hund.

25. März 2019
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitet als Juristin auf dem Gebiet des geistigen Eigentums und war bis Mai 2017 Präsidentin der CVP Basel-Stadt. Sie geniesst es, ergänzend zu den von ihr täglich verfassten sachbezogenen und ernsthaften Eingaben und Verträgen in dieser Kolumne persönlich und emotional sein zu dürfen. Andrea Strahm gehörte während neun Jahren dem Vorstand des Neutralen Quartiervereins Neubad an, davon zwei Jahre als Co-Präsidentin. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel.

© Foto by OnlineReports.ch

andreastrahm@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Fast schon sektiererische Weltanschauung"

Sehr treffend wie Frau Andrea Strahm die Doppelmoral dieser ach so weisen Menschen entlarvt. Persönlich stören mich diese veganen, selbstverliebten Weisheitsapostel schon lange. Hauptsache, sie können ihre fast schon sektiererische Weltanschauung unter die Menschen bringen.
 
Leben und leben lassen bis anhin. Ein wenig zuhören und voneinander lernen wäre doch eine echte Herausforderung. Hoffentlich bleibt uns die spitze Feder von Frau Strahm noch lange erhalten. Vielen Dank.


Peter Kuhni, Muttenz



"Grosser Brocken in den falschen Hals"

Da hat die liebe Andrea Strahm (deren Kolumnen ich sonst immer sehr schätze!) aber einen ganz grossen Brocken in den falschen Hals gekriegt und ganz scharf zurückgeschossen. Als (noch) Fleischesser halte ich mich da doch lieber an ihre Parteikollegin Judith Stamm!


Fredy Moosmann, Tecknau



"Achtung: Humor"

Vielleicht sollt man Leuten, die nicht aus Basel sind, sagen, dass Andrea Strahm Satiren schreibt. Also Achtung: Humor. Sie meint doch (scharf beschrieben) genau das, was die Bibel so ausdrückt: Den Splitter im fremden Auge sieht man, nicht aber den Balken im eigenen Auge ...


Liselotte Reber, Basel



"Leben und leben lassen"

Danke, Frau Judith Stamm, mir gingen beim Lesen ähnliche Gedanken durch den Kopf. Manchmal würden ein Lächeln oder ein, zwei Worte reichen und das "strafende Gucken" wird gegenseitig weniger heftig empfunden. Man muss sich nicht mögen und gerade in der Stadt ist mir der Abstand zu meinen Nachbarn wichtig. Aber "leben und leben lassen" und die nötige Prise Toleranz.


Erwin Schönholzer, Basel



"Total verstanden!"

Liebe Frau Strahm, ich fühle mich total verstanden! Danke!


Terry Meier, Basel



"Moralpolizei ist allgegenwärtig"

Ja, liebe Frau Strahm, die Moralpolizei ist heute in allen Bereichen unserer Gesellschaft tätig: Es gibt eine Art Religionspolizei, die überall darauf achtet, dass man nichts sagt, was einen dünnhäutigen Gläubigen verletzt, eine Political Correctness-Polizei, die darauf achtet, dass Wahrheiten nicht gesagt werden, damit sich niemand diskriminiert fühlt, eine Rassismuspartei, die sogar krampfhaft in alten Kinderbüchern Bilder oder Textpassagen sucht, die heute ein No Go sein könnten, Leute die Abfallkübel von Unternehmen durchwühlen, um aufschreien zu können, jene würden den Datenschutz nicht ernst nehmen, und noch viele andere Varianten.

Es ist schlicht Zeitgeist, und vielleicht auch ein Zeichen der Zeit. Denn die wirklichen Probleme – das geb ich zu – lassen sich in dieser globalisierten Welt nur schwer angehen. So ist es hilfreich, auf andere mit Fingern zeigen zu können, es lässt sich dann besser einschlafen, wenn man selber so viel besser ist.


Lucas Gerig, Bürgerrat GLP, Basel



"Nagel auf den Kopf getroffen"

Einfach herrlich, die Aussagen von Andrea Strahm. Sie trifft einmal mehr den Nagel auf den Kopf und steht mit beiden Füssen auf dem Boden. Danke Andrea Strahm! 


Esther Hug, Aesch



"Dankeschön für diese Worte"

Wie treffend und gut beschrieben. Ein grosses Dankeschön für diese Worte. Irgendwie leben wir in einer Gesellschaft, bei der es wichtiger ist, das gesunde Essen und das Miteinander, natürlich nur auf Diktat des anderen, in den Vordergrund zu stellen, als die wirklichen Probleme. Diese scheinen aber in unserer Mitte zur Zeit nicht zu existieren. Gespannt lese ich Ihren nächsten Kommentar, liebe Frau Strahm.


Lukas Schaub, Birsfelden



"Man auch alles 'kaputt' schreiben"

Ja, ich zweifle nicht daran, dass Andrea Strahm alles so erlebt, wie sie es beschreibt. Mit spritzigem Intellekt und spitzer Feder kann man auch alles "kaputt" schreiben. Habe in meiner Umgebung Veganer. Das sind interessante, aufgestellte Zeitgenossinnen und Zeitgenossen. Habe von ihnen viel gelernt über die industrielle Fleischproduktion und deren weltweite Auswirkungen.

Als Kind bin ich als Katholikin in der Diaspora aufgewachsen. Da schauten die Reformierten an Fronleichnam aus dem Fenster, um zu sehen, was wir für einen merkwürdigen Umzug wir veranstalteten. Sie betrachteten uns als sehr merkwürdige Mitmenschen und unsere Rituale als sozusagen unverständlich!
Heute leben wir in gegenseitigem Respekt zusammen.

Könnten wir auch den Veganerinnen und Veganern gegenüber einfach mal mit Respekt über eine andere Ernährungshaltung anfangen, statt sie an allfälligen Widersprüchen aufzuhängen?

Ich glaube nämlich, dass in der heutigen komplizierten Welt fast niemand ohne Widersprüche über die Runden kommt, mit oder ohne Fleischkonsum!


Judith Stamm, Luzern



"Lassen Sie sich nicht unterkriegen"

Ja, so ist das neuerdings in unserer Gesellschaft. Würde mein Vater noch leben, hiess genau gleich wie ich, dann hätte eine solche Art und Weise Ihrer Nachbarn ebenfalls Eingang in einen Leserbrief gefunden. Dieser wäre dann jedoch in der "Basler Zeitung" erschienen, denn dort hatte er als freier Journalist über "Sport", "Musik", Anderes und eben auch, über solche Begebenheiten, geschrieben und wie genüsslich. Ja ich glaube sagen zu können, dass dies sich im Neubad-Quartier ereignet haben könnte. Bin dort aufgewachsen und auch einige Zeit zur Schule gegangen.

Liebe Frau Strahm, lassen Sie sich nicht unterkriegen, ich lese Ihre Kolumnen immer sehr gerne.


Guido Riva, Fiesch VS


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Frisch pubertiert

Luxusproblem "Motz-Kultur"
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"Regula Rytz ist somit der*die einzige Bundesratskandidat*in, welche sich klar hinter die Forderungen der Klimastreik-Bewegung stellt."

Dominik Waser
Zürcher Klimaaktivist
in einem Communiqué
vom 6. Dezember 2019
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Es *weih*nach*tet s*e*h*r*.

RückSpiegel


Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Das Theater Basel konnte im Jahr 2018/2019 die Anzahl der Besuchenden zum vierten Mal in Folge auf 183'705 Personen (+1,6 Prozent) erhöhen, während jedoch die Besucher-Einnahmen um 1,7 Prozent sanken.

Die neue grüne Baselbieter Landrätin Laura Grazioli übernimmt von der frisch gewählten Nationalrätin Florence Brenzikofer das freiwerdende Präsidium der Finanzkommission.

Paola Gallo, die ehemalige Geschäftsleiterin von "Surprise", übernimmt per 1. Oktober 2019 die Geschäftsführung der Job Factory Basel AG und der Stiftung Job Training.

Der 19-jährige Geografie- und Geschichtsstudent Nino Russano wird als Nachfolger von Nicolas Eichenberger neuer Präsident der Juso Basel-Stadt.

Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.

Die Verlängerung der BVB-Tramlinie 3 nach Saint-Louis kostete rund 84 statt 93,7 Millionen Franken und ist somit um fast zehn Millionen Franken günstiger als geplant.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal per 1. Januar 2020 einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent auszurichten.

Die Forscherin Michaela Kneissel nimmt anstelle des Ende Jahr ausscheidenden Ulrich Vischer Einsitz im Universitätsrat der Universität Basel.

Nach dem Rücktritt der neuen Basler Regierungsrätin Tanja Soland aus dem Grossen Rat rückt die ehemalige Juso-Präsidentin Jessica Brandenburger ab 1. Dezember ins Parlament nach.

Die ausserordentliche Mitgliederversammlung des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest vom 3. November 2019 wählte als Nachfolger von Dominik Beeler Simon Fankhauser in das Co-Präsidium.

Zu sieben Fällen von Sachbeschädigungen an Autos kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag, 2. November, in der Umgebung der Tramhaltestelle "Vogesenstrasse" in Reinach.

Der Gemeinderat von Riehen erwartet für die Planperiode 2020 bis 2023 jährliche Defizite von 1,3 bis 2,5 Millionen Franken.

Susanne Wäfler-Müller (42) wird ab dem 1. Mai 2020 die Führung der Kantonsbibliothek Baselland übernehmen und auf Gerhard Matter folgen, der im Frühjahr in den Ruhestand gehen wird.

Zu Beginn des Schuljahrs 2021/22 wird Informatik als obligatorisches Fach in allen Baselbieter Gymnasien eingeführt.