Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Rabeneltern am Smartphone: Lasst sie doch!

Empört zeigt mir der Kollege das Bild: eine Wartezone, ein Baby am Boden auf einer Unterlage, und die Mutter am Smartphone. Unglaublich. Auch kürzlich, neben mir im Tram, der junge Vater, tippte auf dem Ding rum, derweil die Vierjährige dem Einjährigen den Nuggi in den Mund schob. Ja geht’s denn noch, diese Eltern heute, ständig online statt on-Kids. Warum haben die überhaupt Kinder!

Wir fuhren Zug, meine Mutter und ich, ich etwa vier Jahre alt. Ich las begeistert alles an Grossbuchstaben, was ich durch die Zugscheiben erkennen konnte. Etwa "Moutier", eine Ortschaft im Jura. Sind ja so schön gross, weiss auf blau, die Bahnhoftafeln. Ich las also laut  "M-O-U-T-I-E-R", und hakte nach, "Mami, was ist ein Mou Tier?". Ihre zerstreute Antwort: "eine Katze".

Das Publikum grölte, meine Mutter riss sich vom Modemagazin los, realisierte den Grund für die Erheiterung, und lachte mit. Schuldgefühle, weil sie sich nicht genug mit mir beschäftigt hatte? Nicht die Bohne. Kinder hatten sich selber zu beschäftigen. Und wenn sie es nicht konnten, mussten sie es lernen. Eltern waren doch nicht die Pausenclowns der Kinder.


"Eltern brauchen etwas Ablenkung –
wie in der Handy-losen Vorsteinzeit auch."



Ein paar Jahre später wurden wir glückliche Wunscheltern von den umwerfendsten Babys ever, waren von Beginn weg unglaublich verliebt in sie, und sind es noch immer. Und ich – und das hätte ich damals niemals, niemals, zugegeben – ich langweilte mich zeitweise schier zu Tode.  Was tun, so stundenlang, alleine mit dem Baby?!

Man kann ja nicht dauernd auf seinem Bauch rumkitzeln und sein Glucksen glückselig zur Kenntnis nehmen, muss da sein, wenn es schreit, aber wenn nicht, was dann? Irgendwann ist das Haus blitzblank, und zudem war Haushalt nie mein Ding, eher die Kategorie notwendiges Übel. Und nun das Baby, welches, so sicher wie das Amen in der Kirche, genau dann Aufmerksamkeit braucht, wenn wir uns endlich bis zum zweiten Absatz des komplexen Zeitungsartikels durchgelesen haben. Dass es aller Liebe zum Trotz derart langweilig wird, das sagt einem keiner, das fährt dann mit dem ersten Kind so richtig ein.

Es wurde einfacher, aber nicht einfach. Am Schwimmbadbecken, mit angelaufenen Brillengläsern, ständig die Kinder in der Menge und im ohrenbetäubenden Lärm orten, auf dass keins ertrinke. Oder beim Sandkasten, Zeit totschlagen, bis das Gebrüll losgeht, Sand in den Augen. Ständig präsent, ständig gefordert, und dennoch unterfordert. Wirklich etwas Anspruchsvolles kann da keiner tun, mindestens ein Ohr muss immer beim Nachwuchs sein. Und geht das Geschrei erst los, dann hat der Elternteil innert Bruchteilssekunden von Null auf Hundert, ja Tausend, zu sein. Wir sassen in der Nachbarschaft zusammen, unternahmen dies und das, und wir genossen die Zeit sehr.    

Es gibt natürlich die Spezies, die ihren Nachwuchs dauerbedüddelt. Hier hin bettelet, dahin bettet, Deckchen reinstopft, die Härchen nach links und nach rechts bürstelet, Babysprache flötet und Näschen putzt ohne Ende. Die spielen Müetterlis und Väterlis mit ihrem Nachwuchs. Aber das muss einem gegeben sein. War es mir nicht, nie. Im Gegenteil, ich mag es nicht, wenn sich Leute derart über ein Baby stülpen. Babys sind Persönlichkeiten, sind keine Puppen, verdienen Respekt.

Drum, liebe Leute: Es ist völlig egal, was die Eltern tun, solange sie den Nachwuchs im Auge haben. Schauen Sie sich die zufriedenen Kinder an und nicht giftigen Blickes das Handy am elterlichen Ohr. Keiner bleibt am Handy hängen oder liest das Horoskop in der Zeitschrift, wenn der Nachwuchs quengelt. Auch die Rabenmutter in der Wartezone nicht: das Baby schlief friedlich, sicher auf dem Boden, von wo es nicht hinunterfallen konnte, geschützt durch die Unterlage. Eltern brauchen manchmal etwas Ablenkung. Das war auch in der Handy-losen Vorsteinzeit nicht anders. Wir haben es überlebt. Gut sogar.

25. September 2017
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitet als Juristin auf dem Gebiet des geistigen Eigentums und war bis Mai 2017 Präsidentin der CVP Basel-Stadt. Sie geniesst es, ergänzend zu den von ihr täglich verfassten sachbezogenen und ernsthaften Eingaben und Verträgen in dieser Kolumne persönlich und emotional sein zu dürfen. Andrea Strahm gehörte während neun Jahren dem Vorstand des Neutralen Quartiervereins Neubad an, davon zwei Jahre als Co-Präsidentin. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel.

© Foto by OnlineReports.ch

andreastrahm@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Ich fühlte mich ertappt"

Beim Lesen von Andrea Strahms Kolumne "Rabeneltern am Smartphone" fühlte ich mich ertappt. Ich habe mich auch schon über Eltern aufgehalten, die sich ständig ihrem Smartphone zuwandten und nicht ihrem ihrem Kind. Nun hat Frau Strahm jedoch Situationen geschildert, die ich auch schon ähnlich erlebt habe. Auch als Vater: Als einer meiner Söhne etwas von mir wollte und ich ins Zeitungslesen vertieft war, gab ich zwar "halbbatzig" Antwort. Doch der Junge merkte, dass ich nicht recht zuhörte und drehte mir mit beiden Händen  den Kopf in seine Richtung und sagte nochmals, was er von mir wollte.

Ich sehe nun ein, dass ich als Vater, auch ohne Smartphone damals, nichts stets auf meine Kinder einging, wenn ich gerade konzentriert was anderes tat. Eine Wahrheit bleibt mir trotz dieser Einsicht: Wenn Kinder allgemein mehr echte Zuwendung erleben würden, müssten diese dann nicht im Erwachsenenalter mit raffinierten und manchmal auch plumpen Methoden ständig um Anerkennung ringen!


Ueli Bieder, Gelterkinden



"Eigene Identität macht nicht einfach Pause"

Danke, liebe Andrea Strahm! Auch heute noch, im Zeitalter der weit verbreiteten psychologischen Erkenntnisse zu allen Lebenssbereichen, herrscht bei viel Leuten der Mythos, dass die Geburt eines Kindes bei den Eltern zwangsläufig nur zu überschwenglichen Glücksgefühlen führt. Der Ideologie zufolge darf daneben nichts Anderes mehr Platz haben. Vor allem Mütter sollen nur noch Muttertiere sein. Doch auch die Eltern von sehr erwünschten Kindern bleiben das, was sie vorher waren: Menschen mit diversen Interessen und individuellen Bedürfnissen. Dazu kommen manchmal Ängste und Unsicherheiten über die neue Elternrolle. Frau/mann sollte auch dazu stehen dürfen.

Die eigene Identität macht nicht einfach Pause. Nur ein erfüllter Mensch, ob weiblich oder männlich, kann ein glücklicher Mensch sein, der Glück an seine Kinder weitergeben kann. Manchmal ist es schwer, alles unter einen Hut zu bringen: Kinderbetreuung, sich selbst bleiben, ein eigenes Leben weiterführen. Alle Eltern sollten offen sagen dürfen, dass ihnen die Dinge manchmal über den Kopf wachsen. Das ist die menschliche Realität. Der Mythos muss endlich dorthin verbannt werden, wo er hingehört – ins Reich der Mythen!


Esther Murbach, Basel


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"Unser Tennis-Spezialist Simon Häring hatte wieder einmal Gelegenheit, mit dem Weltstart ausführlich zu reden."

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... vielleicht darüber, welche Welt soeben neu gestartet ist.

RückSpiegel


Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Der Basler Zeitung fiel in einem Leserbrief in OnlineReports auf, dass der frühere Baselbieter Polizeisprecher auf der SVP-Liste für den Landrat kandidiert.

Telebasel, nau.ch und 20 Minuten bezogen sich in ihren Beiträgen über Sachbeschädigungen gegen die Jüdische Genossenschafts-Metzgerei auf OnlineReports.

Im Interview mit Claudia Sigel geht die Basler Zeitung auf eine Aussage der Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller in einem OnlineReports-Interview ein.

In ihrem Bericht über das Ja der Wettbewerbs-Kommission zur Übernahme der "Basler Zeitung" durch Tamedia erwähnt die NZZ auch OnlineReports.

Die BZ Basel, Telebasel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-Nachricht vom Tod der FCB-Legende Peter Ramseier auf.

Prime News geht in ihrem Überblick über die Perspektiven des Medienplatzes Basel auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung geht in ihrem Bericht über den "Spagat der CVP-Präsidentin" Brigitte Müller auf ihre Aussagen im OnlineReports-Interview ein.

Die Basler Zeitung, die Basellandschaftliche Zeitung, Prime News und Telebasel zitierten in ihren Berichten zur Baselbieter CVP aus dem OnlineReports-Interview mit Parteipräsidentin Brigitte Müller.

persoenlich.com erwähnte OnlineReports und seine frühere Praktikantin Valerie Zaslawsky im Zusammenhang mit ihrem Weggang bei der NZZ und ihrem Umzug nach Berlin, wo sie als Freie Journalistin arbeitet.

In seinem Artikel über medienpolitische Entscheide der Wettbewerbskommission erwähnt Rainer Stadler in der NZZ auch OnlineReports.

Roland Stark, Kolumnist der Basler Zeitung, nahm in seinem Text über Meinungsvielfalt auf OnlineReports Bezug.

In der Meldung über das neue Basler Nachrichten-Portal "Prime News" bezogen sich die BZ Basel, Nachrichtenagentur SDA und das Branchenmagazin Persönlich auf OnlineReports.

Das SRF-Regionaljournal bezog sich in seiner Meldung über die Selbst-Vergiftung des Basler Museumsdirektors Michael Kessler auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über den Streit der Basler SVP mit ihrem Grossrat Patrick Hafner über Ausstände bei den Mandatabgaben auf.

Das SRF-Regionaljournal und die Schweiz am Wochenende nahmen auf die OnlineReports-Recherche über den durch die Suva verfügten Baustopp am neuen Werkhof in Sissach Bezug.

Die WochenZeitung verweist darauf, dass textfokussierte Nachrichtenportale wie OnlineReports gemäss dem Entwurf des neuen Bundesgesetzes über elektronische Medien nicht in den Genuss einer Bundesförderung kämen.

20 Minuten
entlarvte die von OnlineReports vermeldete Besetzung des Gewächshauses auf dem Dreispitz-Lok-Depot als Scheinbesetzung.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Urs Wüthrich-Pelloli übernahm an der ordentlichen Mitgliederversammlung des Fördervereins Universität Basel von Jean-Luc Nordmann das Präsidium.

• In weniger als sieben Wochen sammelte das parteiunabhängige Komitee "Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park" mehr als 3500 Unterschrift'en für seine Petition.

• Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal für das Jahr 2019 einen Teuerungsausgleich von 1,4 Prozent auszurichten.

Elena Hermann wird neue Leiterin der Staatlichen Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten Basel-Stadt und löst Ernst Jost ab, der per Ende Jahr in Pension gehen wird.

• Das Basler Komitee gegen die kantonale Vorlage zur "Steuervorlage 17", das sich aus linken Parteien und Gewerkschaften rekrutiert, hat 3'300 Unterschriften für das Referendum gesammelt.

Andreas Häner, von 2009 bis 2015 schon Vorstandsmitglied, wird neuer Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes und damit Nachfolger von Paul Dilitz, der nach elfjähriger Tätigkeit in den Ruhestand tritt.

Daniel Roth (61) wird im Baselbiet neuer Leiter des Rechtsdienstes von Regierung und Landrat, als Nachfolger von Hans Jakob Speich, der sich vorzeitig pensionieren lässt.

Irene Heinimann wird neue Baselbieter Kantonsapothekerin und folgt als bisherige Stellvertreterin auf Hans-Martin Grünig, der Ende Dezember in Pension geht.

• Vertiefte Kostenkontrollen zum Umbau der Kunsteisbahn Sissach zur geschlossenen Halle zeigen, dass der Bau bis zu zehn Prozent teurer wird als vorgesehen.

• Der Baselbieter alt Landratspräsident Jürg Degen und der Läufelfinger Gemeindepräsident Dieter Forter sind von "Pro Bahn Schweiz" für ihr Engagement zur Erhaltung des "Läufelfingerlis" mit dem Preis "Premio Pro Spez 2018" ausgezeichnet worden.

Steigende Bildungs- und Sozialkosten belasten das Ergebnis der Gemeinde Reinach, so dass für 2019 ein Defizit von 1,67 Millionen Franken budgetiert werden muss.

Olivier Aebi wird per 1. Februar 2019 neuer CEO des Basler Ingenieur- und Planungsunternehmens Gruner AG und Nachfolger von Kurt Rau ab, der die Gruner-Gruppe interimistisch leitet.

• Aufgrund einer umfassenden Kontrolle der Stadtgärtnerei müssen im Kanton Basel-Stadt 229 Bäume zum grössten Teil aus Sicherheitsgründen gefällt und ersetzt werden; die Liste der betroffenen Bäume wird im Kantonsblatt vom 10. Oktober publiziert.

Andrea Schenker-Wicki, die Rektorin der Universität Basel, ist durch den Universitätsrat für weitere vier Jahre bestätigt worden.

• Am 1. Oktober beginnen in Basel die Vorarbeiten für den Bau des unterirdischen Kunstmuseum-Parkings mit der Umlegung unterirdischer Leitungen.

Liestal hat den Bruttokredit in der Höhe von 4,96 Millionen Franken für den Bau der städtischen Velostation und den Bau der erhöhten Velospur in der Unterführung der Oristalstrasse mit 2'386 Ja-Stimmen gegen 732 Nein-Stimmen sehr deutlich angenommen.

• Der 33-jährige FCB-Mittelfeldspieler Geoffroy Serey Die hat den bis zum 30. Juni 2019 laufenden Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert.

• Der 41-jährige Betriebsökonom Daniel Arni, derzeit noch Leiter der Fachstelle Messen und Märkte im Präsidialdepartement, wird ab Dezember neuer Leiter der Basler Allmendverwaltung und Nachfolger von Niklaus Hofmann.

• Die Elektra Baselland (EBL) senkt auch im Jahr 2019 wieder ihre Strompreise, diesmal um 3,1 Prozent.