Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Die Kunst, in lärmigen Zeiten locker zu bleiben

"Gott schenk uns Ohrenlider", pflegte meine Oma zu seufzen, wenn in unserm Haus mal wieder aus jeder Tür eine andere Musik dröhnte. Und das sagte eine, die von Heintje schwärmte. Heintje, welcher "liebste Mamaaaa" und ähnlichen Schrott mit glockenhellem Stimmchen von sich gab. Eine Heulboje und Nervensäge. Und genau das liebe Kind, welches wir sein sollten und nie waren. Aber lassen wir das.

Immerhin: So eine machte auf lärmempfindlich. Wir waren natürlich musiktechnisch in der Tat eine sehr heterogene Familie. Mein Vater stand auf "Johannes den Letzen", wie wir andern James Last nannten, meine Mutter klimperte nasenrümpfend über alle andern Schumann, mein Bruder stand auf Militärmusik und für mich ging nur Rock. Und alle spielten wir mit Begeisterung Klavier, wovon wir zwei hatten. Plus eine Hammondorgel und ein Harmonium. Man muss die Oma verstehen.

Ohrenlider also für die Anwohner der Rheingasse, des Münsterplatzes, der Innerstadt, wenigstens im Sommer und wenn es nicht regnet. Und ganzjährig für die, die unter der Flugschneise oder am Bahndamm, entlang der Autobahn oder an anderen befahrenen Strassen wohnen. Oder neben einem schnarchenden Liebsten liegen. Lärm ist allgegenwärtig, Lärm ist belastend und gesundheitsgefährdend. Jedenfalls wenn er täglich und über Jahre den Schlaf stört. Ärgerlich ist Lärm auf jeden Fall – für den, der ihn nicht selber verursacht.


"Der nächste Regen kommt bestimmt,
und dann wird vieles ruhiger."



W
omit wir beim Konflikt sind. Denn liege ich, bekennend lärmempfindlich, schlafend im Bett und um Mitternacht donnert ein Flieger über mein Dach, werde ich wach und finde es nicht so toll. Sitze ich aber im Flieger, dann geniesse ich es, denn ich fliege ausgesprochen gerne. Und natürlich ist ein Rockkonzert laut, aber da gehe ich ja nicht zum Schlafen hin, sondern stehe hellwach und begeistert auf der Matte. Dafür drehen sich in der Nachbarschaft die Chopin-Fans im Bett um.

Es stimmt nicht, dass man sich an Lärm gewöhnt. Ich habe alles versucht. Die erste Nacht bei meinen Eltern, Bahnlinie Biel-Neuenburg, schlief ich jeweils noch leidlich, trotz Güterzug an Güterzug. Ab der dritten ging nichts mehr. Irgendwie stellte sich der Körper darauf ein, gleich wieder aus dem Schlaf gerissen zu werden, und so dämmerte ich nur noch irgendwie dahin. Zog irgendwann ins Wohnzimmer runter, wo es zum Aushalten ist.

Manche sind halt einfach lärmempfindlicher als andere. Ich bin ärgerlicherweise zudem noch Frühaufsteherin. Und das heisst Frühzubettgeherin, jedenfalls immer mal wieder, wenn ich nicht wie ein Gespenst aussehen will. Also sitzen die Nachbarn abends häufig noch im Garten und lärmen vor sich hin, wenn bei mir das Sandmännchen anklopft. Dafür könnten sie mir den Hals umdrehen, wenn ich um fünf Uhr früh frischfröhlich den Espresso aus der Maschine lasse.

Yoga, Entspannungsübungen, sich einreden, dass das doch ein netter, freundlicher, positiver Lärm ist – alles für die Füchse. Wer schreckhaft ist, der wacht halt einfach auf. Punkt. Wer sich ärgert, hat es noch schwerer, aber sich nicht ärgern beseitigt die Lärmempfindlichkeit nicht. Übermässigen Lärm oder unnötigen Lärm sollten wir also zu vermeiden versuchen.

Aber wir leben, lachen, kommunizieren. Das Leben findet nicht mehr flüsternd hinter geschlossenen Türen statt  wie früher. Hätte doch keiner in der Stadt im Vorgarten grilliert. Alles ist bunter, lebendiger, aber halt auch lauter geworden. Das ist doch auch schön. Geniessen wir es. Nicht den Lärm, aber das Leben. Der nächste Regen kommt bestimmt, und dann wird vieles ruhiger.

Und wenn wir schlafen wollen, schauen wir halt, wie’s geht. Schon meine Oma hatte rosa Wachskügelchen, die sie sich in die Ohren stopfte. Denn Ohrenlider gibt es, leider, noch immer nicht.

15. August 2016
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitet als Juristin auf dem Gebiet des geistigen Eigentums und war bis Mai 2017 Präsidentin der CVP Basel-Stadt. Sie geniesst es, ergänzend zu den von ihr täglich verfassten sachbezogenen und ernsthaften Eingaben und Verträgen in dieser Kolumne persönlich und emotional sein zu dürfen. Andrea Strahm gehörte während neun Jahren dem Vorstand des Neutralen Quartiervereins Neubad an, davon zwei Jahre als Co-Präsidentin. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel.

© Foto by OnlineReports.ch

andreastrahm@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Ideologisch aufgeheizte Zeiten"

Liebe Frau Strahm, gut ist es mal was zu lesen von jemandem mit einem sehr gesunden Menschenverstand zu einem dieser hochgeputschten Medienthemen. Danke. Solche Stimmen braucht es in diesen ideologisch aufgeheizten Zeiten. Bitte schreiben sie weiter.


Ulla Armbruster, Zürich


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"Auf dem verbittert umkämpften Schlachtfeld in den Südvogesen waren (...) 30'000 deutsche und französische Soldaten gefallen."

BZ Basel
vom 9. November 2017
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Verbittert das Schlachtfeld zu umkämpfen, ist wenig ratsam.

RückSpiegel


Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Promeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Berichterstattung über den "Fall Wessels" auf einen OnlineReports-Kommentar Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.

• Der Binninger Mike Keller ist neuer Präsident des Trinationalen Eurodistricts Basel (TEB) bis Frühjahr 2019 und somit Nachfolger des neuen Basler Stadtentwickers Lukas Ott, der alle politischen Ämter niederlegt.

• Der an der Harvard-Universität arbeitende Forscher Professor Alexander F. Schier wird ab 2018 neuer Leiter des Biozentrums der Universität Basel.

• Das Unternehmerpaar Marc Friedrichsen und Julia Reidemeister übernahm Mitte Oktober die "Boutique Danoise" an der Aeschenvorstadt in Basel im 50. Jahr ihres Bestehens von Thomas und Astrid Bachmann.

Hoffmann-La Roche will bis ins Jahr 2020 den Wasserverbrauch pro Mitarbeitenden um zehn Prozent senken.