Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Die Därme meiner Urgrossmutter

Wir nannten unsere Urgrossmuter "Ureli", und "äs". Ureli war das Familienoberhaupt und wurde fast hundert Jahre alt. Als es auf dem Sterbebett lag, liess man meinen Vater kommen. Obwohl jeder dachte, es sei am Wegdämmern, öffnete es bei seinem Erscheinen ein Auge und liess ein Donnerwetter los, was er da mache und weshalb er nicht im Geschäft sei. Mein Vater floh verdattert aus dem Zimmer, eine Stunde später hat es dann das Zeitliche gesegnet.

Der geneigte Leser und die geneigte Leserin merken, dass das Ureli aus dem gleichen Grund einen so liebevollen Übernamen hatte, wie man Wirbelstürme "Rosy" oder "Lilly" tauft, nämlich in der Hoffnung auf Milde. Ureli erwartete die Sippe sonntags, sass oben am Tisch, links und rechts abwärts platzierte sich die Familie nach streng hierarchischen Regeln. Zuunterst waren die Jüngsten. Die hierarchischen Strukturen waren klar, die Sitten auch. Meine irgendwo in der Mitte angesiedelte Mutter erzog uns à distance mit ihren strengen Blicken. Wehe der Rücken wurde krumm, ein Ellbogen schlich sich auf den Tisch, sofort hatte sie zwei steile Falten über dem Nasenrücken. Man sass still und muckte nicht, bis man erlöst wurde, weil Ureli müde und deshalb im Stübli auf die Chaiselongue gebettet wurde.

Meine Urgrossmutter war zeitlebens spindeldürr und kränkelnd. Sie vertrug nur "Schonkost" und litt unter Bauchschmerzen. Was sie nicht daran hinderte, als Wittfrau täglich hinter dem Ladentisch zu stehen und das Personal herum zu kommandieren, bis mein Grossvater das Zepter übernehmen konnte. Krank? Papperlapapp. Man hatte seine Pflichten zu erfüllen, und nicht zu jammern. Lügner und Drückeberger wurden verachtet, unbrauchbare Schwächlinge.

Ist man angestellt, hat man es leichter. Wer krank ist, darf fehlen. Ist man in den Ferien krank, darf man die Ferientage nachholen. Wer also nicht ganz blöd ist, teilt die Tatsache der Erkrankung  tunlichst dem Chef mit und bringt, wenn er wieder fit ist, ein Arztzeugnis mit.

Nicht alle Angestellten machen das. Manche opfern ihre Ferien für Operationen. Der Traumfall jedes Arbeitgebers, zugegebenermassen. Zum Beispiel Ex-Bundesrat Christoph Blocher. Anno 2005, in seinem zweiten Amtsjahr, gab er an, in die Ferien (Nordkorea oder sonst unwegsames Gebiet) zu verreisen, und legte sich zwecks Dickdarmresektion unters Messer. Schlich sich nächtens unter einem Tuch ins Spitalzimmer und von dort auf rollendem Schragen in den OPS. Eine Burka wäre unauffälliger gewesen. Aber das ging bei Blocher wohl aus andern Gründen nicht.

Keiner wusste Bescheid, ausser seinem Generalsekretär und der Familie. Und diese schwiegen, bis heute. Das kann Blocher selbst nicht, er lacht sich öffentlich krumm darüber, wie er alle hinters Licht geführt hat.

Peinlich, einerseits, denn alle, die geschwiegen haben, müssen sich jetzt ziemlich blöd vorkommen. Aber auch der Bundesrat, das Parlament: Alle wurden sie angelogen, veräppelt und vom Pfarrsohn hintergangen. Keiner wusste Bescheid, das Parlament nicht, die Stellvertretung nicht, nichts war geregelt, wäre im chirurgischen Kampf gegen die Darm-Divertikel etwas schief gegangen.

Es kann natürlich immer passieren, dass ein Bundesrat Knall auf Fall ausfällt, und dann muss man oder frau halt zupacken, wie Eveline Widmer-Schlumpf beim Kollaps von Hans-Rudolf Merz. Kein vernünftiger Mensch riskiert aber ein derartiges Improvisationsmanöver als Mitglied der Exekutive eines Landes. Das ist unverantwortlich und respektlos. Und nun hat Blocher nicht einmal den Anstand, zu schweigen, sondern gibt damit noch an.

Da sitzt am Tisch jemand am falschen Platz. So einer gehört ans unterste Ende des Tisches, oder, noch besser, an gar keinen Tisch, an dem integere Leute sitzen. Zumindest das Ureli hätte da schonungslos durchgegriffen. Derartige Leute hätte es "Lumpenpack" genannt, geächtet und sie die Konsequenzen spüren lassen. Hoffen wir, dass dies auch hier geschieht. Und nichts, was Schule machen könnte, unter den Tisch gewischt wird.

11. Januar 2010
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitet als Juristin auf dem Gebiet des geistigen Eigentums und war bis Mai 2017 Präsidentin der CVP Basel-Stadt. Sie geniesst es, ergänzend zu den von ihr täglich verfassten sachbezogenen und ernsthaften Eingaben und Verträgen in dieser Kolumne persönlich und emotional sein zu dürfen. Andrea Strahm gehörte während neun Jahren dem Vorstand des Neutralen Quartiervereins Neubad an, davon zwei Jahre als Co-Präsidentin. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel.

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andreastrahm@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Eine Burka wäre unauffälliger gewesen"

Liebe Frau Strahm, ich kann Ihr Geheimnis lüften! Die Burka wäre tatsächlich unauffälliger gewesen und hätte sich den Proportionen auch eines so emanzipierten Mannes problemlos angepasst :-)

Das Problem war die Farbe: Das Risiko, im schlimmsten Fall als GRÜNER in die ewigen Jagdgründe einzugehen, muss ihm definitiv entsetzlich hoch gewesen sein.

Vorsicht war schon immer die Mutter der Porzellankiste, und besonders wer schon früher genug der edlen Ware zerschlagen hatte, sehe sich vor!


Brigitte Wenger Sahin, Basel



"Billige Effekthascherei"

Die Geschichte mit dem "Ureli" ist ja noch ganz amüsant. Aber der zweite Teil mit alt Bundesrat Blocher ist nur peinlich. Haben denn Bundesräte eigentlich kein Recht mehr, in einem absolut persönlichen Bereich vor dem mediengeilen Zugriff unserer Zeit geschützt zu bleiben? Was geht denn das das Parlament an, wenn ein Bundesrat sich in ärztliche Behandlung begeben muss? Was hat denn das mit dem Pfarrerssohn zu tun? Wieso soll da die halbe Nation belogen worden sein, wenn ein im Amt permanent exponierter Politiker für sich in einer ganz persönlichen Angelegenheit Privatheit beansprucht? Ist das Arztgeheimnis und damit der Persönlichkeitsschutz für Bundesräte, Regierungsräte etc. aufgehoben worden?

 

Es ist höchstens respektlos, daß sich die heutige Gesellschaft und ihre Sprachrohre befugt glauben, jede Grenze mit ihrer Neugier überschreiten zu dürfen. Und hier kommt noch eines oben drauf: Bei alt Bundesrat Blocher darf man selbstverständlich mit einem Vokabular wie "unverantwortlich" und "Lumpenpack" um sich werfen. Was hätte die Kolumnistin wohl geschrieben, wenn es sich vergleichbar um Frau Leuthardt gehandelt hätte?

 

Und wenn es heute Christoph Blocher als nicht mehr belastend ansieht, wenn die Öffentlichkeit über seinen chirurgischen Eingriff Bescheid weiss, so ist das ausschliesslich seine eigene Sache.

 

Das war alles andere als ein guter Erstauftritt, Frau Strahm, weit eher billige Effekthascherei.


Rudolf Mohler, Oberwil



"Gelungener Erstauftritt"

Bravo Frau Strahm! Ihr Erstauftritt war überfällig und ... gelungen! Ich bin gespannt auf Weiteres.


Bruno Rossi, Gelterkinden



"Frau Strahm ..."

Frau Strahm was haben Sie gegen Alt-Bundesrat Blocher?


Ernst Brunner, Birsfelden


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BZ online
Byline vom 18. Oktober 2019
zu einem Artikel über
umstrittene Wahlkampfhilfe
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Endlich eine Tageszeitung, welche die Gender-Thematik halbwegs ernst nimmt.

RückSpiegel


nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Am 9. August 2019 hat Eva Meuli dem Landrat ihren Rücktritt als Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungs-Recht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft per 31. März 2020 erklärt.

Am 14. Oktober, lediglich drei Wochen nach Ausschreibung der Publikumsöffnung der ADEV Ökowärme AG, waren alle 3000 neu ausgegebene Namenaktien gezeichnet.

Die Universität Basel richtet am 1. Februar 2020 mit dem Biologen Carsten Gründemann eine Stiftungsprofessur für translationale Komplementärmedizin ein.

Wechsel in der Geschäftsführung der Suchthilfe Region Basel: Barbara Held übernimmt die Leitung per Januar 2020, nachdem Walter Meury – ein Pionier in der Suchtarbeit – Ende Jahr in den Ruhestand geht.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde und Gemeinderat Daniel Hettich haben die erneuerte Lörracherstrasse in Riehen feierlich eingeweiht.

Veronica Schaller
, frühere Basler Sanitätsdirektorin und zuletzt Kulturbeauftragte der Stadt Bern, wurde zur neuen Präsidentin von "Curaviva Basel-Stadt", dem Verband der Basler Alterspflegeheime, gewählt.

Designierte Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Rheinhäfen ist Martina Gmür, Petra Mösching wird Mitglied des Verwaltungsrats.

Der Verein Region Oberbaselbiet wählte den aus dem Fricktal stammenden Gerry Thönen, der die Oberbaselbieter Gemeinden bis zur Gründung des Regionalvereins betreute, zum Geschäftsführer.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-Jahr Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel organisiert die Schweizer Botschaft in Israel im September diverse Anlässe mit Bezug zu Basel.

Die Parteileitung des CVP-Wahlkreises Liestal hat einstimmig beschlossen, Elisabeth Augstburger für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober zu unterstützen.

Schweizerische Rheinhäfen: Benedikt Weibel hat seinen Rücktritt als Verwaltungsrats-Präsident per 31. Dezember 2019 bekannt gegeben; Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, trat per 30. Juni zurück.

Beat Tschudin (48), seit rund zwölf Jahren den Fachbereich Fahrzeugbewirtschaftung der Baselbieter Polizei, übernimmt ab Dezember die Leitung des Fahrzeugwesens der Bau- und Umweltschutzdirektion als Nachfolger von Christian Oberhausser, der Ende August in vorzeitige Pension geht.

• Das Basler Gesundheits-Departement hat den Umzug von der St. Alban-Vorstadt an seinen neuen Hauptstandort an der Malzgasse 30 in Basel abgeschlossen.

Tom Ryhiner und Balz Stückelberger wurden an einer ausserordentlichen Generalversammlung in den Verwaltungsrat der St. Clara AG und damit gleichzeitig in den Verwaltungsrat des Claraspitals gewählt.

• Am 21. Juni fand der Spatenstich für den Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts) im BaseLink-Areal in Allschwil statt.

• Die Generalversammlung der "SVP Frauen Basel-Stadt" wählte Gianna Hablützel-Bürki einstimmig zur neuen Präsidentin.

• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).