Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Kinder müssen im Widerstand wachsen

Mami und Papi mit im Hörsaal – ich bekam umgehend eine Wallung, als ich das in der Zeitung las.

Denn ich war einst ein Helikopter-Kind. Horror. Wurde in die Schule gefahren und abgeholt und durfte rein gar nichts, was auch nur ein bisschen gefährlich hätte sein können, auch Schullager kamen nicht in Frage.

Immerhin interessierten sich meine Eltern nicht im Geringsten für meine schulischen Leistungen, ich würde ja eh heiraten. Ich hatte also volle Narrenfreiheit in Sachen Ausbildung, wenn auch sonst nicht. Und so machte ich unbehelligt und wohlerzogen die Matur, und das war gut so. Ab zwanzig tat ich auch sonst, was und wie ich wollte, ging mutterseelenalleine in die Uni, immatrikulierte mich ganz ohne elterlichen Beistand, und auch meine Arbeiten korrigierte kein Mensch. Und wurde was, ohne Heirat. Szenenwechsel.

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, wie viele Kinderwagen für Zwillinge auf den Strassen herumgeschoben werden? Kleinkinder neben Säuglingen, Kleinkinder, die längst laufen könnten? Müssen nicht laufen, dürfen noch ein wenig Buscheli sein, wie das kleine Geschwisterchen, damit sie nicht ja nicht traurig sind. Die Armen aber auch!


"Die Eltern, die im Hörsaal sitzen,
machen ihren Job nicht."



S
o fängt es an, und endet es im Hörsaal. Diese Eltern tun absolut alles, um ihren Kleinen jedes Wehwehchen zu ersparen. Etwa das Problem, dass nun das Baby im Wagen liegen darf, und der Grosse nun ein Grosser ist und laufen muss. Und es auch Zeit wird, den Nuggi und das ständig verfügbare Fläschchen an das Baby abzugeben. Die Eifersucht wird minimiert, indem auch das Grosse noch Baby sein darf. Und in der Entwicklung zurück bleibt. Keinen Purzelbaum machen kann im Kindergarten. Aber dafür gibt es ja Therapien, liebevolle, schonungsvolle.

Es kommt die böse Schule und damit der Druck, denn einerseits darf dem Kind niemand wehtun, und alles, was unbequem ist, tut weh. Andererseits aber muss es performen, gute Noten schreiben, ins Gymnasium, darunter geht gar nichts. Wer aber nicht gelernt hat, etwas durchzuziehen, kann die Leistung nicht bringen. Und so stehen Mami und Papi wegen allem und jedem in der Schule auf der Matte, klagen Lehrer ein, die schlechte Noten setzen, sitzen neben den Kindern und machen Hausaufgaben, und wissen nicht, wie sie das unter einen Hut bringen sollen, dass das Kind Matura macht, aber ja keinem Druck, keinem Leiden ausgesetzt ist. Nachhilfe, Kügelchen, Therapien.

Es fehlen nicht nur die Muskeln im Kindergarten, es fehlt auch die Frustrationstoleranz. Anstatt klar durchzugeben, was gilt, und die Kinder die Konsequenzen ihres Verhaltens spüren zu lassen, diskutieren mutlose Eltern ohne Ende, stülpen sich über die Kinder, Verständnis erheischend. Die besten Freunde der Kinder sein, anstatt sie fürs Leben zu trainieren.

Zwischen einer guten Eltern-Kind-Beziehung und einer ungesunden Abhängigkeit im Erwachsenenalter liegen Welten. Abhängig ist unfrei, lebensuntüchtig, und die Eltern, die im Hörsaal sitzen, machen ihren Job nicht. Halten es nicht aus, wenn dem Kind ein rauhes Lüftchen um die Nase weht, und machen es damit zum Narren. Wollen alles wissen, alles kontrollieren, können nicht loslassen. Sie müssen es lernen, denn nur so lernen die Kinder das Leben kennen.

Wenn Kinder zuhause keine Konsequenzen tragen müssen und nicht lernen, Verantwortung zu übernehmen, dann stehen sie als Erwachsene völlig hilflos da und sind den Widrigkeiten des Lebens nicht gewachsen. So wie ich, die ich mit 14 Jahren nicht wusste, dass man Trambillets am Automaten löst, prompt erwischt wurde, und in eine Strafklasse kam. Anstatt meine Eltern, die da hingehört hätten. Erziehung ist Selbsterziehung. Aber sagen Sie das denen im Hörsaal.

16. April 2018
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitet als Juristin auf dem Gebiet des geistigen Eigentums und war bis Mai 2017 Präsidentin der CVP Basel-Stadt. Sie geniesst es, ergänzend zu den von ihr täglich verfassten sachbezogenen und ernsthaften Eingaben und Verträgen in dieser Kolumne persönlich und emotional sein zu dürfen. Andrea Strahm gehörte während neun Jahren dem Vorstand des Neutralen Quartiervereins Neubad an, davon zwei Jahre als Co-Präsidentin. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel.

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andreastrahm@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Ich stimme Wort für Wort zu"

Mit 73 Jahren kann und muss ich als ehemaliger Lehrer an der Handelsmittelschule Liestal/Münchenstein/Reinach, Sekundarschulpfleger Aesch-Pfeffingen, Erziehungsrat Basel-Landschaft, Stabsoffizier, Vater und Grossvater dieser Kolumne von Andrea Strahm – Wort für Wort – zustimmen! Als langjähriges Mitglied des Vorstandes Förderverein Universität Basel hinterfrage ich zusätzlich die sogenannte "Kinder-Universität".


Werner Strüby, Reinach BL


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RückSpiegel


Die OnlineReports-Nachricht des Todes von Hannes Bertschi wurde von der Basler Zeitung, für die der Verstorbene auch gearbeitet hat, aufgenommen.

Die BZ Basel, Telebasel, das Regionaljournal, die sda. und die Basler Zeitung zogen die OnlineReports-Recherche über den Verzicht auf den Bau eines Forschungszentrums beim Basler Augenspital nach.

Telebasel, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen den OnlineReports-Primeur über die Massenkündigung von Mietern der Hochhäuser am Basler Schorenweg auf.

In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Weitere RückSpiegel

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"1963 rutschte er als erster Ersatzmann in den Schweizer Nationalrat. Im gleichen Jahr wurde er Chefredaktor der Basler Zeitung (BaZ)."

Wikipdia
Eintrag über die Schweizer
SP-Ikone Helmut Hubacher
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Und niemand korrigiert's: Da hat jemand die BaZ mit der "Basler AZ" verwechselt.

In einem Satz


• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.

Titus Hell ist als Nachfolger von David Pavlu zum neuen Präsidenten der Jungfreisinnigen Basel-Stadt (JFBS) gewählt worden.

Anna Ott gibt das Amt als Vizepräsidentin der Grünen Baselland aufgrund ihres Masterstudiums in Nordeuropa ab; eine Nachfolge steht noch nicht fest.

• Das von der Fondation Franz Weber massgeblich unterstützte Referendum gegen ein Ozeanium auf der Basler "Heuwaage" ist mit 4'649 Unterschriften zustande gekommen.

• Der Reinacher Gemeinderat hat beschlossen, ab Februar 2019 mit einem neuen TV-Sendeformat zu starten, das wöchentliche Fernsehsendungen mit Inhalten aus Gemeinde und Vereinen bietet.

• Der Basler "Basta"-Grossrat Daniel Spirgi tritt per 12. Februar 2019 nach nur zweieinhalb Jahren aus dem Kantonsparlament zurück, der Grüne Jérôme Thiriet rückt nach.

Henriette Götz wird am 1. Mai 2019 die Nachfolge von Danièle Gross als Kaufmännische Direktorin am Theater Basel antreten.

• Mit 12'673 Studierenden und Doktorierenden, die sich im Herbstsemester 2018 für ein Studium an der Universität Basel eingeschrieben haben, ist die Gesamtzahl der Studierenden im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen.

• Der EuroAirport begrüsste am 4. Dezember seinen 8 Millionsten Passagier und erzielte damit die höchste Jahres-Frequenz seit Gründung im Jahr 1946.

Erik Rummer (48) ist seit 2002 bei den IWB, seit 2016 als Leiter Public Relations, übernimmt auf Jahresbeginn die Leitung des Bereichs Kommunikation & Marketing und folgt damit auf Lars Knuchel, der sich selbstständig macht.