Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

<< [ 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | (...) | 92 ] >>

Fortpflanzung: Was heisst schon Leben!

Wir pfuschen dem Herrgott ins Handwerk, und zwar dauernd. Jedenfalls, wenn "Herrgott" mit "natürlichem Verlauf der Dinge ohne menschliche Einwirkung" gleichgesetzt wird. Wir lassen uns operieren, nehmen Medikamente, verkleinern Nasen, vergrössern Brüste. Wir betreiben Geburtenkontrolle und schlucken die Pille danach, wenn wir versehentlich ungeschützten Sex hatten, und sind wir dennoch schwanger geworden, können wir die befruchtete Eizelle innert definierten Fristen entfernen lassen, ob gesund oder krank, hormonell oder operativ. Das sind die Fakten.

Der Schutz des ungeborenen Lebens ist uns ab einer gewissen Entwicklungsstufe der befruchteten Eizelle wichtig, dann soll ein Kind daraus werden dürfen. Deshalb operieren wir Ungeborene und holen Kinder von verstorbenen Müttern noch auf die Welt. Wir können viel. Auch zu viel, denn machbar ist nicht wünschbar, wenn beispielsweise 65-jährige Frauen dank künstlicher Befruchtung Vierlinge zur Welt bringen, oder eine Frau Achtlinge ausbrütet, wie in den USA geschehen. Hochrisiko-Schwangerschaften, bei denen die Kinder zu klein und zu früh auf die Welt kommen, und wer die Frühchen leiden sieht, die so um jeden Preis herangewürgt werden, dem dreht sich das Herz. Fakten auch dies.

Und nun sollen wir über das Gesetz zur Präimplantationsdiagnostik, die wir letztes Jahr grundsätzlich befürworteten, abstimmen. Dabei stellt sich die Frage, wovor wir das ungeborene Leben schützen sollen, und wovor das geborene.


"Nicht wahr, das hier
liest sich wie ein Gruselroman."



Bevor eine Schwangerschaft entsteht, dürfen einer Frau, die auf natürlichem Weg nicht schwanger wird, Eizellen entnommen und in vitro (im Reagenzglas) befruchtet werden. Gelingt die Befruchtung, dürfen maximal drei davon weiterentwickelt und der Frau eingesetzt werden, die andern müssen entsorgt werden. Die befruchteten Eizellen dürfen nicht analysiert werden, weshalb niemand weiss, ob die richtigen Embryonen eingesetzt wurden, oder ob ausgerechnet die kranken heranreifen, und die gesunden beseitigt wurden.

Die werdenden Eltern erfahren dies, wenn die Schwangerschaft soweit gediehen ist, dass die pränatalen Untersuchungen gemacht werden können. Ist der Fötus – ab der neunten Schwangerschafts-Woche sind die inneren Organe entwickelt – krank, wird er in der Regel abgetrieben, und die Prozedur fängt von vorne an: hormonelle Stimulation mit allen Beschwerden für die Frau, Entnahme der Eizellen, Befruchtung in vitro, Einsetzen der Embryonen. Entwickeln sich dann alle drei gesund, kommt es zu Mehrlingsgeburten mit allen Komplikationen, oder einer der gesunden Embryonen muss im Mutterleib abgetötet werden, um die andern zu retten.

Nicht wahr, das hier liest sich wie ein Gruselroman, man möchte das gar nicht so genau wissen. Aber es ginge auch anders. Dürften die Embryonen nämlich vor dem Einsetzen in den Mutterleib untersucht werden, würden die Chancen einer gesunden Schwangerschaft drastisch erhöht, denn dann würden natürlich die gesunden Embryonen eingesetzt, und die kranken entsorgt. Und dürften bis zu zwölf überzählige eingefroren werden für den Fall, dass sich der eingesetzte nicht entwickelt, wären neuerliche Hormonbehandlungen und die neuerliche Entwicklung von Embryonen nicht nötig, das Paar würde schneller zu Mutter und Vater. Ein Gewinn für alle, vor allem aber für das Kind.

Blaue Augen, schwarze Locken, Bub oder ein Mädchen dürfen wir uns auch unter dem neuen Gesetz nicht fabrizieren lassen. Es geht nur um gesund oder nicht gesund. Wir, die wir gesund sind, haben kein Recht, einem Kind ein Leben in Leiden aufzuzwingen. Wir haben es vielmehr davor zu schützen und dafür zu sorgen, dass sich aus einer defekten, kranken befruchteten Eizelle kein Leben entwickelt. Embryonen für Versuche zu verwenden ist nicht gestattet, die Kontrollen sind streng. Und klar ist auch: Wer Gesetze brechen will, kann das jetzt schon, und im Ausland geht zum Teil eh alles.

Stimmen Sie also der Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes zu und helfen Sie, schweres Leid zu verhindern. Wir pfuschen dem Herrgott ohnehin dauernd ins Handwerk. Tun wir es wenigstens mit Verstand.

9. Mai 2016
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitet als Juristin auf dem Gebiet des geistigen Eigentums und ist Präsidentin der CVP Basel-Stadt. Sie geniesst es, ergänzend zu den von ihr täglich verfassten sachbezogenen und ernsthaften Eingaben und Verträgen in dieser Kolumne persönlich und emotional sein zu dürfen. Andrea Strahm gehörte während neun Jahren dem Vorstand des Neutralen Quartiervereins Neubad an, davon zwei Jahre als Co-Präsidentin. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel.

© Foto by OnlineReports.ch

andreastrahm@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Wegen Lieferproblemen Haben wir keine Ware erhalten. Deswegen Können wir Ihnen leider nicht den ganzen Sortiment anbieten, vor allem leaderprodukte fehlen."

Coop Pronto
Anschlag des
Teams Basel Bahnhof
am 15. Januar 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Auch die Autokorrektur war ausser Betrieb.

RückSpiegel


Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über den erneuten Parteiwechsel von Grossrat Michel Rusterholtz auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung griff die OnlineReports-News über den Sammelerfolg des Referendums gegen Alkohol in Jugendzentren auf.

Die OnlineReports-Story über Andrea Strahm und die Präsidiums-Suche der Basler CVP nahmen das SRF-Regionaljournal, die TagesWoche, die Basler Zeitung und die BZ Basel auf.

Das SRF-Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ online nahmen die OnlineReports-News über den Austritt Daniel Goepferts aus dem Basler Grossen Rat auf.

In ihrem Kommentar über "Die Arroganz der Basler Regierung" (Schlagzeile) nahm die Basler Zeitung Bezug auf eine Schilderung in OnlineReports.

SRF online bezog sich in ihrem Bericht über den ASE-Prozess auf OnlineReports.

Für ihre Sendungen "10vor10" und "Schweiz aktuell" holte das Schweizer Fernsehen Statements bei OnlineReports ein.

Die BZ Basel und 20 Minuten online bezogen sich in ihren Artikel über die Basler CVP-Präsidentin Adrea Strahm auf ihre Kolumnen in OnlineReports.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über Platzprobleme des neuen BVB-"Flexity"-Trams am Basler Aeschenplatz auf.

In seinem Bericht über den Anlage-Skandal der ASE Investment ging die Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens auf die Rolle von OnlineReports bei der Enthüllung des Schwndels ein.

In seinem Bericht über das von Handwerker-Autos besetzte Trottoir in der Basler Centralbahnstrasse nahm das SRF-Regionaljournal auf einen früheren OnlineReports-Artikel Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, das SRF-Regionaljournal, 20 Minuten online und die SDA nahmen den OnlineReports-Bericht über die Verurteilung des Rappers Ensy auf.

Die Volksstimme beschrieb, wie Peter Knechtli vor 30 Jahren die Brand-Katastrophe von Schweizerhalle erlebte.

Die NZZ zitierte aus dem OnlineReports-Kommentar zu den Basler Regierungsrats-Wahlen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der Basler "Mittelstand" hat seit Anfang dieses Jahres mit Remo Ley, der Paul Rüst ablöst, einen neuen Präsidenten.

• Mit 7,3 Millionen Passagieren verzeichnete der EuroAirport im Jahr 2016 mit einer Zunahme von knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr einen neuen Rekord.

• Nach dem Rücktritt von Elisabeth Ackermann als Co-Präsidentin der Basler Grünen als Folge ihrer Wahl in die Kantonsregierung führen interimistisch Harald Friedl und Barbara Wegmann die Partei.

Tobias Brenk ist als Nachfolger der abtretenden "Kaserne"-Chefin Carena Schlewitt neuer künstlerischer Leiter des Theaterfestival Basel.

Gerhard Schafroth, Gründungsmitglied und Gründungspräsident der Baselbieter Grünliberalen, tritt nach fast zehn Jahren aus dem Parteivorstand zurück und überlässt seinen Posten dem 26-jährigen Frenkendörfer Wirtschaftsstudenten Patrick Wolfgang.

• Die Augenkliniken des Kantonsspitals Baselland und des Universitätsspitals Basel arbeiten künftig so eng zusammen, dass sie ihre Angebote miteinander abstimmen und medizinisches Personal austauschen.

• In Liestal werden die Gasstrasse (Abschnitt Rheinstrasse bis Weierweg), der Weierweg und die Rosenstrasse vom Gemeinde- ins Kantonsstrassennetz integriert und umgebaut werden.

Beat Lüthy (54), dreifacher Vater aus Sissach, wird neuer Leiter des Baselbieter Amts für Volksschulen.

• Der ACS beider Basel will gegen die Einführung von "Tempo 30" auf Basler Hauptverkehrsachsen weiter zu kämpfen und den Fall am Beispiel der Sevogelstrasse vor Bundesgericht bringen.

• Mit dem Ziel, dass Basler Jugendzentren alkoholfrei bleiben, hat ein Komitee aus gesundheits- und jugendschutzorientierten Kreisen das Referendum gegen das revidierte Gastgewerbegesetz ergriffen.

• Im Rahmen ihrer Aktion "Noël" hat die Basler Kantonspolizei 36 Langfinger verhaftet.

• Zur Unternehmenssteuer-Reform III haben die Basler SP-Delegierten mit 84 zu 47 Stimmen bei 3 Enthaltungen die Nein-Parole beschlossen.

• In zwei von 27 Enkelbetrugs-Fällen konnten Gangster im Baselbiet gesamthaft 16'000 Franken ergaunern.

• Entgegen der ursprünglichen Absicht bleibt der Polizeiposten Waldenburg aus "regionalpolitischen Gründen" bis auf Weiteres bestehen, wie die Baselbieter Regierung schreibt.

• Die beiden Basler Parteien CVP und EVP führen ihre seit vier Jahren bestehende Fraktionsgemeinschaft im Grossen Rat weiter.

Leila Straumann, die Leiterin der baselstädtischen Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern, übernimmt ab 1. Dezember 2017 das Präsidium der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG).

• Die Stimmberechtigten von Sissach haben sich mit 1‘583 Ja- gegen 985 Nein-Stimmen für den Ausbau der Kunsteisbahn zur geschlossenen Eishalle ausgesprochen.

• Grossrätin Beatrice Isler übernimmt den Vorsitz der CVP-Frauen Basel-Stadt als Nachfolgerin der langjährigen Präsidentin Jenny Ch. Wüst.

• Das Budget 2017 von Riehen lässt bei Ausgaben von 112 Millionen Franken einen Überschuss von rund 0,7 Millionen Franken erwarten.

• Weiterhin gleich bleibende Konditionen für Baselbieter Steuerzahlende: Der Vergütungszins für das Jahr 2017 bleibt bei 0,2 Prozent, der Verzugszins bei 6 Prozent.

• Das aus Vertretern von BDP, FDP, LDP und SVP bestehende überparteiliche Komitee "Nein zum überteuerten Kasernen-Umbau" hat mit knapp 2'900 Unterschriften das Referendum gegen das vom Grossen Rat beschlossene Projekt eingereicht.

Markus Balmer wird neues Mitglied der IWB-Geschäftsleitung und neuer Leiter des Geschäftsbereichs Vertrieb als Nachfolger des kürzlich verstorbenen Patrick Schünemann.

• Die Reinacher Gemeinderätin Bianca Maag-Streit wird ab 1. Januar 2017 Präsidentin des Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG) und damit Nachfolgerin von Peter Vogt, Gemeindepräsident von Muttenz.